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Ostholstein Wetterexperte Meeno Schrader warnt: „Unsere Erde hat Fieber“
Lokales Ostholstein Wetterexperte Meeno Schrader warnt: „Unsere Erde hat Fieber“
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15:55 14.06.2019
Meeno Schrader, der „Wetterfrosch“ des Schleswig-Holstein Magazins im NDR, zeichnete ein düsteres und bedrohliches Bild der künftigen Klimaentwicklung. Quelle: Gäbler
Hasselburg

Klimawandel, Digitalisierung, Energiewende – das waren die Schwerpunktthemen beim Kommunaldialog von SH Netz, zu dem sich am Donnerstagabend mehr als 80 Vertreter aus Politik und Verwaltung in der Reetscheune von Gut Hasselburg trafen. Zahlreiche Infostände informierten über innovative Energielösungen von morgen. Wie wichtig ein rasches Umdenken für das Klima weltweit und lokal sei, das verdeutlichte Dr. Meeno Schrader, Diplom-Meteorologe und „Wetterfrosch“ des Schleswig-Holstein Magazins.

Dass der Klimawandel keine kurzfristige Laune der Natur sei, sondern schon vor vielen Jahren begonnen habe, führte der aus dem NDR-Fernsehen bekannte Wetterexperte Meeno Schrader den Gästen deutlich vor Augen. „Die Erde hat Fieber“, lautete eine seiner Kernaussagen beim Kommunaldialog. Schrader: „Ein massives Umdenken ist dringend erforderlich – und eine Änderung unseres Konsumverhaltens.“

Schrader: Veränderungen auch in Schleswig-Holstein angekommen

Die Folgen des Klimawandels ließen sich bereits an vielen extremen Einzelereignissen festmachen, erläuterte Schrader. Er beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Thema Wetter und dem Klimawandel. Umfangreiche Messreihen, die er über Jahre selbst erhoben habe, würden verdeutlichen, dass die Veränderungen auch in Schleswig-Holstein angekommen seien.

Klimadialog auf Gut Hasselburg: Gut 80 Gäste aus allen Kommunen zwischen Fehmarn und Stockelsdorf kamen auf Einladung des Energieversorgers Schleswig-Holstein Netz (SH Netz) in die Reetscheune der Stahlberg-Stiftung. Quelle: Gäbler

Jahr für Jahr neue Rekordwerte

„Gibt es den Klimawandel?“, hatte Schraders Team bereits 2017 die Menschen auf der Straße gefragt. Damals verneinten noch 16 Prozent die Frage. Im Jahr darauf sei es bei einer erneuten Umfrage nur noch ein Prozent gewesen, das den Klimawandel verleugnete. Die Wetterentwicklungen seien immer dramatischer und würden Jahr für Jahr neue Rekordwerte bringen: 34 Grad nördlich des Polarkreises in Norwegen, 26 Grad Wassertemperatur in Lettland, 17 Grad plus in Lübeck im Februar 2019 – und ein Hitzerekord von 51,3 Grad in Afrika.

Landrat Reinhard Sager: „Ostholstein war bereits Klimaschutz-Kreis noch vor der Friday-for-Future-Bewegung, und wir sind auch Energiewende-Kreis.“ Quelle: Gäbler

Zum besseren Verständnis erläuterte Meeno Schrader auch die Begrifflichkeiten: Wetter, das sei das, was man augenblicklich an einem Ort wahrnehme: blauer Himmel, Sonnenschein, Wärme. Klima hingegen seien die kompletten Aufzeichnungen über einen festgelegten Zeitraum, der immer 30 Jahre betrage. Wie sich das Klima verändert habe, zeigte Schrader anhand von Bildern. Während Hagelkörner früher mal groß wie Tischtennisbälle waren, hätten sie heute bereits Tennisballgröße erreicht.

Auch die Rückversicherer verzeichnen Anstiege

Auch die Zahlen der Münchener Rückversicherung würden den besorgniserregenden Wandel belegen: 1980 verbuchte die Versicherung 220 Schadensereignisse, 2015 bereits mehr als 700. „Die Atmosphäre heizt sich immer weiter auf. Global liegen wir jetzt bei 1,1 Grad plus, in Deutschland bereits bei 1,5 Grad, in der Region Lübeck bei 1,0 Grad“, sagte der Meteorologe weiter. Ob ein weiterer Anstieg linear verlaufe oder in Treppenfunktion, könnten die Wissenschaftler heute nicht beantworten. Schrader: „Der Klimawandel wird uns alle auf jeden Fall viel Geld kosten: entweder jetzt präventiv oder später für Reparaturen.“

Matthias Boxberger, Vorstandsvorsitzender der SH Netz Muttergesellschaft HanseWerk: „Mit unserem Klima-Navi können wir den Kommunen den CO2 -Verbrauch pro Kopf verdeutlichen – und gemeinsam Lösungen für mehr Klimafreundlichkeit entwickeln.“ Quelle: Gäbler

Während Meeno Schrader in seinem Vortrag ein düster-bedrohliches Klimaszenario entwickelte, stellte die SH Netz als Gastgeber innovative Energielösungen zur CO2 -Einsparung vor. „Mit unserem Klima-Navi können wir den Kommunen den CO2 -Verbrauch pro Kopf verdeutlichen – und gemeinsam Lösungen für mehr Klimafreundlichkeit entwickeln“, erklärte Matthias Boxberger, Vorstandsvorsitzender der SH Netz Muttergesellschaft HanseWerk. „Die Digitalisierung bietet ungeahnte technische Möglichkeiten – im Alltag, aber auch ganz konkret im Betrieb von Energienetzen.“

Es folgten Kurzvorträge zum CO2 -Fußabdruck in den Kommunen sowie über die technischen Fähigkeiten der Ortsnetzstationen, die zu Kommunikationsknoten umgerüstet werden sollen, wovon auch die jeweiligen Kommunen profitieren können. Zudem hatten die anwesenden Gäste die Möglichkeit, verschiedene Elektro-Fahrzeuge wie E-Autos, E-Fahrräder und E-Scooter Probe zu fahren.

Louis Gäbler

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