Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Wird aus dem Timmendorfer Kurmittelhaus ein Generationentreff?
Lokales Ostholstein Wird aus dem Timmendorfer Kurmittelhaus ein Generationentreff?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:00 21.11.2019
Das Kurmittelhaus im Alten Kurpark von Timmendorfer Strand steht seit 15 Jahren leer. Quelle: S. Latzel
Timmendorfer Strand

Um neues Leben ins Kurmittelhaus zu bringen, nehmen die Timmendorfer Kommunalpolitiker einen weiteren Anlauf. Die Verwaltung soll prüfen, ob aus dem seit mehr als 15 Jahren leerstehenden Gebäude im Alten Kurpark ein Bürgerhaus werden kann, fordern alle Fraktionen der Gemeindevertretung in einem gemeinsamen Antrag. Der Beschlussvorschlag hat im Sozialausschuss grünes Licht bekommen. Sollte das Vorhaben scheitern, wollen die Vertreter des Seniorenbeirates ein Bürgerbegehren initiieren.

Ein „Generationentreff“ mit diversen Angeboten

Generationentreff“ heißt die aktuelle Idee zum Kurmittelhaus. Dieses könnte laut Antrag künftig einen Seniorentreff, die Bücherei, das Gemeindearchiv, ein Café, Veranstaltungsräume, den evangelischen Kindergarten und/oder eine Tagespflege-Einrichtung beherbergen. Die Verwaltung soll eine entsprechende Machbarkeitsstudie in Auftrag geben und prüfen, ob es Fördermöglichkeiten gibt.

„In Timmendorfer Strand gibt es keine Tagespflege mehr, deshalb ist uns gerade dieser Punkt sehr wichtig“, betont Elisabeth Lund, Vorsitzende des örtlichen Seniorenbeirates. Zudem sei der bisherige Seniorentreff, das Strohdachhaus nahe des Timmendorfer Platzes, mittlerweile zu klein für den wachsenden Bedarf und biete nur einen Parkplatz für Behinderte. „Vor dem Kurmittelhaus könnten mehrere dieser Parkplätze eingerichtet werden, und der ETC-Parkplatz ist ja auch noch da“, sagt Elisabeth Lund. „Dieses Projekt steht ganz oben auf unserer Agenda“, erklärt sie. „Wenn das Vorhaben wieder abgeschmettert wird, starten wir ein Bürgerbegehren.“

Die Lage weckt seit 15 Jahren Begehrlichkeiten

Das 1990 erbaute Kurmittelhaus, in dem unter anderem Inhalationen und Moorbäder angeboten wurden, steht seit 2004 leer. Damals hatte die Gemeinde dem Betreiber gekündigt, weil dieser „seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen“ sei – vermuteter Grund: Defizite durch das Kostendämpfungsgesetz im Gesundheitswesen. Aktuell dient das Gebäude lediglich als Ausgabestelle für die Lebensmittel der „Tafel“ an Bedürftige. Die zentrale und zugleich idyllische Lage im Kurpark hatte allerdings schon direkt nach der Schließung vor 15 Jahren Begehrlichkeiten geweckt: Bereits 2004 kam das Gerücht um ein Luxushotel an diesem Standort auf.

Es folgte ein bunter Reigen von Vorschlägen und Initiativen. Das Kurmittelhaus sollte verkauft werden, um mit dem Geld das ETC zu sanieren. Auf den 1400 Quadratmetern Gesamtfläche sollte eine Disco Platz finden, eine „Erlebniswelt Ostsee(t)raum“ oder ein Kulturhaus mit Yoga-Kursen, Malerei-Workshops und dem Gemeindearchiv. Oder Ladengeschäfte, ein „Medical Wellness Center“, ein Restaurant, ein Planetarium oder ein Technik-Museum. 2014 tauchte das Gebäude als zu vermietendes „Kurpalais“ auf einem Internet-Immobilienportal auf. Der Hamburger Mäzen Jürgen Hunke wollte dort eine Kunsthalle einrichten, sagte aber wieder ab, als ein Bürgerbegehren gegen die Beteiligung der Gemeinde an den Kosten diskutiert wurde.

So sah der erste Entwurf zur Kunsthalle aus, die der Mäzen Jürgen Hunke im Kurmittelhaus einrichten wollte. Quelle: LN-Archiv

Auch ein möglicher Abriss wurde immer wieder diskutiert

Auch der Abriss des Kurmittelhaus kam mehrfach als Vorschlag auf den Tisch, unter anderem, als die Timmendorfer CDU im Jahr 2011 einen Vorstoß in Richtung „Hotel im Kurpark“ wagte und sich mit dem erbitterten Widerstand einer flugs gegründeten Bürgerinitiative konfrontiert sah. Der jetzige Timmendorfer Bürgermeister Robert Wagner (parteilos) hatte im Wahlkampf 2018 zum Kurmittelhaus erklärt: „In den nächsten sechs Jahren muss dieser Schandfleck weg.“ Noch vor wenigen Monaten geisterte ein möglicher Abriss des Hauses, das die Gemeinde etwa 80 000 Euro Unterhalt im Jahr kostet, erneut durch die Gremien.

Doch nach aktuellem Stand hat die Verwaltung jetzt einen anderen Auftrag. Eine kurzfristige Lösung für das Kurmittelhaus dürfte aber nicht zu erwarten sein, finden sich im Antrag der Fraktionen doch noch weitere Punkte. Demnach soll der Parkplatz an der Ecke Poststraße/Höppnerweg als alternativer Standort geprüft werden – ebenso wie die Möglichkeit, den evangelischen Kindergarten im ehemaligen Verwaltungssitz des Zweckverbandes Ostholstein (ZVO) in der Poststraße 35 unterzubringen. Das Gebäude gegenüber der Grund- und Gemeinschaftsschule Strand steht leer, seit der ZVO 2010 nach Sierksdorf umzog. Der vierte Punkt im Antrag ist eine weitere Machbarkeitsstudie, die die Verwaltung in Auftrag geben soll – mit der Frage, ob im Baugebiet hinter der Hermann-Kröger-Straße in Niendorf ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt entstehen könnte.

Lesen Sie dazu auch:

Von Sabine Latzel

Mit einer Auflage von 110 000 Exemplaren kommt das Ostsee-Magazin 2020 auf den Markt. Auf 122 Seiten werden Schönheit und Veranstaltungen an der Küste gepriesen – vor allem die im Kreis Ostholstein.

21.11.2019

Ende November sollen erste Visualisierungen der Brücken- und Tunnelvarianten öffentlich gemacht werden. Sollte eine neue Brücke gebaut werden, würde es wohl die größte Schrägseilbrücke in Deutschland.

21.11.2019

Klicken Sie hier, um die schönsten Bilder der Fehmarnsundbrücke aus dem LN-Archiv zu sehen!

21.11.2019