Wohnmobile in Grömitz: 40 Anzeigen und verärgerte Wohnmobilisten
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Wohnmobile in Grömitz: 40 Anzeigen und verärgerte Wohnmobilisten

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11:53 15.07.2020
Wie hier am Parkplatz Lensterstrand dürfen Wohnmobile nur eine Nacht stehen bleiben.
Wie hier am Parkplatz Lensterstrand dürfen Wohnmobile nur eine Nacht stehen bleiben. Quelle: Louis Gäbler
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Grömitz

Urlaub im Wohnmobil könnte so schön sein, wäre da nicht die Suche nach einem geeigneten Parkplatz. Allein in der Gemeinde Grömitz meldet die Polizei für die Zeit zwischen dem 1. Mai und dem 2. Juli 43 Anzeigen für Fahrer von Reisemobilen. Sie alle sollen ihre Fahrzeuge dort geparkt haben, wo es verboten ist, oder Plätze zu lange blockiert haben. Einige Wohnmobilisten fühlen sich von den Ordnungsbehörden schikaniert, betonen, dass es in den vergangenen Jahren nie Probleme gegeben habe und sie wochenlang vor Ort bleiben durften.

Im Fokus stehen derzeit die Parkplätze an der Gildestraße sowie am Lensterstrand. Bis zu 24 Stunden dürfen die Wohnmobile hierbleiben. Dafür verlangt die Gemeinde je nach Jahreszeit zwischen sechs und 15 Euro. Eine Urlauberin, die anonym bleiben möchte, sagt: „Es gibt viele Leute, die da wochenlang ihre Zeit verbringen. Seit der Eröffnung des privaten Platzes ,Achtern Diek’ wird der Gemeinde und der Polizei immer wieder gemeldet, dass wir dort wild campen“, sagt sie.

Die Regeln für den Parkplatz an der Gildestraße sind klar ersichtlich. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Grömitz: Spielt der neue Platz eine Rolle?

Ihr sei bewusst, dass es nicht erlaubt sei, mehrere Tage am Stück auf einem der Parkplätze zu verbringen. Jedoch sei dies bislang geduldet worden. „Wir hatten häufiger Kontakt mit dem Ordnungsamt. Die haben uns gebeten, dass wir unsere Stühle nicht auf den Asphalt, sondern auf die Wiese stellen. Das hat auch geklappt“, betont die Frau. Eine weitere Camperin ergänzt: „Wir sind schon lange mit unserem Wohnmobil unterwegs, bis vor wenigen Wochen gab es keine Probleme in Grömitz“, erzählt sie. „Das hängt definitiv mit dem neuen Platz zusammen.“ Ob dies stimmt, bleibt offen. Und auch die Betreiber der Anlage wollten nichts zu den Vorwürfen sagen, ließen mehrere Anfragen der Lübecker Nachrichten unbeantwortet.

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Gemeinde und Polizei sind sich uneins

Die Gemeinde indes äußert sich nur knapp zu den geschilderten Vorgängen. „Es gibt einzelne Beschwerden, dass dort Wohnmobile über den höchstzulässigen Zeitraum von 24 Stunden stehen“, sagt Bürgermeister Mark Burmeister (parteilos). Zugleich erklärt er, dass die Überwachung des ruhenden Verkehrs aufgrund der coronabedingten Auslastung des Ordnungsamtes in diesem Jahr deutlicher geringer ausfalle. Polizeisprecher Dierk Dürbrook indes informiert, dass die Kontrollen an Intensität gewonnen haben.

Die Auslastung auf dem Parkplatz an der Gildestraße in Grömitz schwankt stark. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Polizei geht Hinweise auf Dauerparker nach

Weiter führt er aus, dass die Übernachtung in einem Wohnmobil auf den genannten Parkflächen erlaubt sei, wenn es darum gehe, die Fahrtüchtigkeit wiederzuerlangen. Wer am nächsten Tag nicht weiter reise, könne bei Uneinsichtigkeit eine Ordnungswidrigkeitenanzeige wegen eines Verstoßes gegen das Landesnaturschutzgesetz bekommen. „Grund für die Kontrollen waren auch Hinweise aus der Bevölkerung. Die Kollegen sind Hinweisen nachgegangen“, sagt Dürbrook und ergänzt, dass einige Wohnmobilisten sogar unerlaubterweise vor einem Ruheforst – eine Alternative zum klassischen Friedhof – gestanden hätten.

Wohnmobile blockieren normale Parkplätzen

Klar ist, Wohnmobilisten müssen genau aufpassen, wo sie parken. Die Zahl der Kontrollen dürfte ebenso wie die Zahl der Wohnmobile weiter ansteigen. Bereits Anfang Juni wurde deutlich, dass es an Flächen für Wohnmobile mangelt. So war der Reisemobilpark Eutiner See über das lange Himmelfahrtswochenende und Pfingsten ausgebucht. Einige Camper parkten daraufhin auf der Freifläche neben den Torhäusern oder auf dem Festplatz an der Kerntangente. In Bosau auf dem Parkplatz am Strand – wo Mobile bislang geduldet wurden – standen ebenfalls zu viele Wohnmobile.

Gericht bestätigt Geldstrafe für Urlauberin

Passend dazu gab es ein Urteil des Oberlandesgerichts in Schleswig: Eine Urlauberin hatte in St. Peter Ording keinen Platz gefunden, auf einem nur für Autos zugelassenen Parkplatz übernachtet und eine Geldbuße in Höhe von 100 Euro bekommen. Das Gericht bekräftigte nun, dass die Strafe in Ordnung gehe. Die Begründung lautete: Die Übernachtung habe nicht der Wiederherstellung der Fahrtauglichkeit gedient, da die Betroffene ihren Zielort erreicht hatte.

Von Sebastian Rosenkötter