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Ostholstein Die Rückkehr der Kraniche: 50 Paare leben in Ostholstein
Lokales Ostholstein Die Rückkehr der Kraniche: 50 Paare leben in Ostholstein
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19:16 02.08.2019
Auch im Bereich Hohwacht sind immer wieder Kraniche zu beobachten. Quelle: Dirk Schümann (LN-Archiv)
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Eutin

Kraniche gelten als Vögel des Glücks, beeindrucken mit ihren Balztänzen und sind nach Jahren der Abwesenheit wieder fester Bestandteil der Tierwelt in Ostholstein. In den 1960er und 1970er Jahren galten die bis zu 1,30 Meter großen Vögel im Kreis als fast ausgestorben. In anderen Regionen Schleswig-Holsteins sah es nicht besser. „Lediglich im Lauenburgischen gab es einige Exemplare“, sagt Oscar Klose vom Naturschutzbund in Eutin. Heute zählt er rund 50 Paare in Ostholstein und spricht von einer Erfolgsgeschichte.

Der Grund für den massiven Rückgang war laut Klose auf die intensive land- und forstwirtschaftliche Nutzung zurückzuführen. Es habe an Lebensraum gemangelt. Statt Nachwuchs aufzuziehen, verschwanden die Vögel mit einer Flügelspannweite von weit mehr als zwei Metern.

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Interaktive Karte mit Ostholsteins Naturschutzgebieten

WWF leitete die Wende ein

Dank des WWF, eine der größten international tätigen Natur- und Umweltschutzorganisationen, sei es gelungen, Flächen zu renaturieren. Im Fokus stand dabei die Wiedervernässung von Wiesen und Wäldern. „Das hatte schnell einen positiven Effekt. Drainagen wurden zurückgebaut, oder eben nicht mehr erneuert“, führt der Nabu-Mann aus. Anschließend habe sich der Bestand von Südosten ausgebreitet. In Ostholstein seien die Vögel insbesondere im Süden sowie in der Mitte anzufinden, ließen sich unter anderem am Neustädter Binnenwasser beobachten und ständen regelmäßig auf Feldern parallel zur Autobahn 1. Im Norden kämen sie bislang weniger vor. Ausgenommen seien der Wesseker See und der Oldenburger Graben.

Eiweißreiche Nahrung benötigt

„Die Kraniche wollen Wasser unterm Hintern. Sie bauen ihre Nester auf dem Boden von Feuchtgebieten“, sagt Oscar Klose. Das Wasser schütze die Eier und die flugunfähigen Babys vor Fressfeinden wie Füchsen und Wildschweinen. Um ihren Nachwuchs und sich selbst ausreichend mit Insekten, kleinen Fischen, Fröschen und anderen Tieren sowie Körnern ernähren zu können, brauchen Kraniche Grünland. „Nicht Rasen und Heu, sondern möglichst artenreiche Flächen. Die Jungen benötigen eiweißreiche Nahrung“, erklärt Oscar Klose.

Das Bild zeigt Kranichnachwuchs im Vogelpark Niendorf. Quelle: LN-Archiv

Viele Vogelbabys sterben

Meist werden zwei Vogelkinder aufgezogen, wobei zahlreiche Tiere die ersten Monate nicht überleben. Trockene Sommer und monatelanger Mangel an Niederschlag reichen aus, um den Bruterfolg zunichte zu machen. „Wenn das Wasser zu schnell verschwindet, haben sie kaum eine Chance“, sagt Oscar Klose. Zudem hänge der Bruterfolg davon ab, wie störungsfrei die Brutgebiete seien. Menschen könnten die Paare verschrecken.

Oscar Klose vom Eutiner Naturschutzbund (Nabu). Quelle: HFR

Der Vogelexperte ist dennoch davon überzeugt, dass sich die Kraniche weiter ausbreiten werden – insbesondere in Richtung Westen. Um den Bestand langfristig zu sichern, plädiert Oscar Klose für mehr Naturschutz- und Wildnisgebiete. Dafür sei es notwendig, weg von Monokulturen und Brachland zu kommen. „Das ist auch ein gesellschaftlicher Prozess“, sagt Klose. Schließlich gehe es um eine veränderte Nutzung von land- und forstwirtschaftlichen Flächen. Eine Möglichkeit sei es, EU-Mittel für die Landwirtschaft an Maßnahmen zu koppeln.

Kraniche beobachten

Wer Kraniche beobachten möchte, dem empfiehlt Oscar Klose einen Ausflug an den Sehlendorfer Binnensee. Dort gebe es einen kleinen Beobachtungsturm und meist seien ein paar der Vögel anzutreffen. Viele anderen Brut- und Rastplätze seien indes nur schwer zugänglich.

Sebastian Rosenkötter