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Ostholstein Zurück nach Travemünde: Anja Es verlässt Timmendorfer Strand
Lokales Ostholstein Zurück nach Travemünde: Anja Es verlässt Timmendorfer Strand
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19:30 15.11.2019
Anja Es, hier mit dem Maler Kai Piepgras, holte fast neun Jahre lang unterschiedliche, teils provokante Künstler in die Timmendorfer Trinkkurhalle. Quelle: S. Peyronnet
Timmendorfer Strand

Rückkehr an die alte Wirkungsstätte, Abschied von Timmendorfer Strand: So wird der Jahresanfang 2020 für die Künstlerin und Galeristin Anja Es aussehen. Weil die Gemeinde Timmendorfer Strand den Pachtvertrag für die Trinkkurhalle nicht über Ende Februar 2020 hinaus verlängert, muss Anja Es umziehen und kehrt nach Travemünde, in die Alte Vogtei, zurück. In der Trinkkurhalle sollen künftig wechselnde Ausstellungen und eine Tourist-Information Platz finden.

Das jahrelange Bangen um den Standort der Galerie hat ein Ende

„Ich bin in Travemünde mit offenen Armen empfangen worden, das hat mich sehr gefreut“, berichtet Anja Es erleichtert. Damit hat das jahrelange Bangen um den bisherigen Galerie-Standort für sie ein Ende. Seit 2015 diskutieren Timmendorfer Kommunalpolitiker und Touristiker eine andere Nutzung – neudeutsch: „Bespielung“ – der Trinkkurhalle, vor allem in gastronomischer Hinsicht. Ein Bürgerentscheid gegen diese Pläne scheiterte Ende 2015 allerdings, weil die Initiatoren das notwendige Quorum von 20 Prozent nicht erreichten.

Die Debatte ging weiter, Mitte dieses Jahres beschloss dann die Timmendorfer Gemeindevertretung einen Bebauungsplan für das Areal, der Gastronomie in der Wandelhalle sowie im Innenhof vor der Musikmuschel vorsieht. Bis das umgesetzt ist, soll die Trinkkurhalle laut einer Vorlage für den Tourismusausschuss „publikumswirksam für wechselnde Ausstellungen“ genutzt werden. Von April 2020 an ist eine Günter-Grass-Ausstellung geplant, Gespräche mit Vertretern der Lübecker Museen stehen noch an. Weiteres Ausstellungsthema ist das 75-jährige Gemeindejubiläum im kommenden Jahr, hinzukommen könnte die bereits fertige Bauhaus-Ausstellung des Gemeindearchivs.

Tourist-Information ähnlich der im Niendorfer Hafen

Außerdem will die Timmendorfer Tourismus GmbH in der Trinkkurhalle eine Tourist-Information ähnlich der in der Niendorfer Hafeninformation einrichten. Zumindest übergangsweise, bis nach Ausschreibung und Auswahlprozess ein Gastronom für das denkmalgeschützte Gebäude gefunden sei, erklärt Tourismuschef Joachim Nitz. „Das Haus und die Exponate müssen ja betreut werden“, gibt er zu bedenken. Bis über das gastronomische Konzept entschieden ist, könne einige Zeit vergehen.

Begehrter, aber wegen des Denkmalschutzes auch schwieriger Standort: die Timmendorfer Trinkkurhalle, zwischen Promenade und Strandpark gelegen. Quelle: Sabine Latzel

Es ist wirklich schade“, sagt Anja Es über ihren bevorstehenden Abschied aus Timmendorfer Strand. Sie zog im April 2011 mit ihrer Galerie in die Trinkkurhalle, „der damalige Bürgermeister Volker Popp hatte mich abgeworben“, erzählt sie. Anja Es, die selbst malt, schreibt und als Performance-Künstlerin aktiv ist, holte neben der ständigen Ausstellung ihrer „Schlampen“-Bilder und der Borowski-Glaskunst zahlreiche sehr unterschiedliche Künstler mit streckenweise provozierenden Bildern in die Trinkkurhalle. Besonders die Gemälde ihres Lebensgefährten Rolf Ohst von üppigen Frauen erregten die Gemüter. Anja Es lud – und lädt – zudem regelmäßig zu Vernissagen inklusive ihrer „Predigten zur Kunst“ ein.

Anja Es holt sehr unterschiedliche Künstler in ihre Galerie – mit schönen oder lustigen, oft aber auch provokanten Werken. Hier gibt es einige der Maler und ihre Bilder zu sehen.

Für andere Veranstaltungen zog die Galeristin regelmäßig aus

Zwar sei der Timmendorfer Standort mit einigen Umständen verbunden gewesen – für Veranstaltungen wie Konzerte oder die Beachvolleyball-DM musste die Galerie immer wieder in Teilen oder komplett ausziehen. „Außerdem haben wir hier als eine Art Info-Center auch viel touristische Arbeit geleistet“, sagt Anja Es. Sie habe eine gewisse Wertschätzung seitens der Gemeinde vermisst, räumt sie ein. „Aber es waren zugleich Super-Jahre, ich habe hier tolle Rückmeldungen bekommen und die Zeit in Timmendorf sehr genossen.“

Neuer und alter Sitz der Galerie von Anja Es: die Alte Vogtei in Travemünde. Quelle: LN-Archiv

Jetzt kehrt sie in genau die Räume, zurück, in denen ihre Galerie vor ihrem Umzug nach Timmendorf drei Jahre lang ihren Sitz hatte. Sie habe durch Zufall erfahren, dass die Räume in der Alten Vogtei in der Vorderreihe in Travemünde, direkt gegenüber des Fährvorplatzes frei seien, berichtet Anja Es. Ihre Anfrage sei begeistert aufgenommen worden. „Es tut gut, dass sich jemand darüber freut, dass ich mit meiner Idee von Kunst komme“, sagt sie.

Bevor sich Anja Es jetzt Gedanken machen kann, wie der Wechsel praktisch über die Bühne gehen wird, steht aber erst einmal eine der letzten Vernissagen in der Trinkkurhalle auf dem Programm: Am Sonntag, 17. November, begrüßt Anja Es um 15 Uhr unter dem Motto „Der Meister kommt“ den Maler Michael Mattern, einen „Erneuerer des Konstruktivismus“ – samt Predigt zur Kunst.

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Von Sabine Latzel

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