Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein „Zwangsfeuerwehren sind nur das letzte Mittel“
Lokales Ostholstein „Zwangsfeuerwehren sind nur das letzte Mittel“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:45 14.02.2015
Thorsten Plath. Quelle: Archivfoto: Kirchner
Timmendorfer Strand

LN: Herzlichen Glückwunsch zur Wahl. Als Kreiswehrführer sind Sie künftig der „Chef“ von wie vielen Feuerwehrleuten?

Thorsten Plath: In Ostholstein gibt es 135 Wehren mit etwa 3700 Aktiven.

LN: Welche dringenden Aufgaben müssen diese Aktiven — und natürlich Sie selbst — in den kommenden Jahren anpacken?

Plath: Wir brauchen Konzepte für die Ausbildung und Schulung der Feuerwehren mit Blick auf die feste Fehmarnbeltquerung und den Betrieb des Tunnels. Die digitale Alarmierung muss verbessert werden, es gibt ja immer wieder Probleme mit der Leitstelle. Und für die Einführung des Digitalfunks 2017 wollen wir jetzt schon die Weichen stellen.

LN: Wie sieht es mit der Ausrüstung der Wehren aus?

Plath: Mit dem Kreis müssen wir die Zuschüsse für größere Anschaffungen abstimmen — Großfahrzeuge sowie Sanierung oder Umbau von Gerätehäusern. Da haben wir in den vergangenen zehn Jahren schon gute Fortschritte erzielt. Wir haben viele Fahrzeuge erneuert und mit dem Kreis verschiedene Beschaffungsprogramme aufgestellt.

LN: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten für die Feuerwehren in Ostholstein — welcher wäre das?

Plath: Dass wir keine weiteren Feuerwehren mehr verlieren, sondern der Bestand so bleibt, wie er ist. Und dass bei den Gemeinden das Verständnis für den ehrenamtlichen Sinn der Feuerwehren bestehen bleibt — das wird immer schwieriger.

LN: Inwiefern?

Plath: Die Feuerwehren werden vielerorts auch für Aufgaben genutzt, die gar keine feuerwehrtypischen Aufgaben sind — wie die Verkehrsregelung auf Parkplätzen oder die Absicherung vom Tannenbaum-Verbrennen. Das könnten die Gemeinden auch anders organisieren. Wir opfern genug Freizeit, wenn wir zu Einsätzen fahren.

LN: Was wäre, wenn die Feuerwehr dafür bezahlt werden würde wie ein privater Sicherheitsdienst auch?

Plath: Wir wollen ja kein Geld verdienen. Wir machen das, um Bürgern und Gästen zu helfen und um für die Sicherheit da zu sein. Aber bei bestimmten Veranstaltungen wäre es eben schön, wenn wir frei hätten und die Aufgaben von Leuten übernommen werden, die damit Geld verdienen wollen.

LN: Apropos Belastung — betrifft der häufig beklagte Mitgliederschwund bei der Feuerwehr generell alle Wehren?

Plath: Nein, das ist sehr unterschiedlich. Kleinere Dörfer mit wenig Einwohnern haben es grundsätzlich schwerer. Aber es gibt auch Dorfschaften, in denen über fünf Prozent der Bevölkerung in der Feuerwehr sind, die haben ordentlich Zuspruch. Andererseits ist es in Orten wie beispielsweise Timmendorfer Strand schwierig, weil der Ort dafür schon zu groß und zu anonym ist — während Feuerwehren wie die Niendorfer eher familiär sind, dort gibt es viel Zuwachs.

LN: Was halten Sie in diesem Zusammenhang von den Motivationstöpfen, die einige Gemeinden eingerichtet haben?

Plath: Das ist eine gute Idee. Das bringt nicht unbedingt neue Leute in die Feuerwehr, ist aber ein Anreiz für die, die schon in der Feuerwehr sind, sich weiterhin aktiv zu engagieren. Eben eine Anerkennung des Einsatzes.

LN: Und wie bewerten Sie die Zwangsmitgliedschaft in Wehren?

Plath: Das ist nur das letzte Mittel, um den Brandschutz zu sichern. Wer verpflichtet wird, in der Feuerwehr Dienst zu tun, macht das dann ja nur mit dem halben Engagement. Wobei sich die Zwangsfeuerwehren in den vergangenen Jahren wesentlich verbessert haben, denn dort sind ja auch Gemeinschaften entstanden. Dennoch sollte man andere Wege gehen, um neue Mitglieder zu gewinnen.

LN: Welche denn?

Plath: Der persönliche Kontakt zur Bevölkerung ist wichtig. Es nützt nichts, einen Tag der offenen Tür zu machen und zu warten, bis die Leute auf einen zukommen — sondern man muss selber aktiv werden. In Kreuzfeld etwa ist der Wehrführer von Haus zu Haus gegangen. Er hat fünf Jahre gebraucht, aber er hat 20 neue Leute bekommen.

LN: Beruf, Familie, aktiver Dienst und Repräsentationspflichten als Kreiswehrführer — woher nehmen Sie dafür die Zeit?

Plath: Im Januar, Februar und März ist es viel, da bin ich an drei bis vier Abenden pro Woche mit der Feuerwehr beschäftigt. Im Sommer gibt es aber auch ruhigere Phasen. Ich habe außerdem das Glück, dass mir mein Arbeitgeber keine Steine in den Weg legt.

LN: Warum sind Sie eigentlich nicht Berufsfeuerwehrmann geworden?

Plath: Das habe ich versucht. Ich habe Bau-Ingenieur studiert, um dann in den höheren Dienst bei der Feuerwehr zu kommen, und habe mich dann bei der Berufsfeuerwehr in Lübeck beworben. Dort wurde damals jemand gesucht, der den Gefahrgut-Bereich aufbaut. Ich bin von 80 Bewerbern „nur“ Nummer zwei geworden.

LN: Bedauern Sie das?

Plath: Nein. Im Nachhinein bin ich froh darüber. So habe ich sowohl einen interessanten Beruf als auch in meiner Freizeit meine Tätigkeit bei der Feuerwehr — die eben nur nicht bezahlt wird.

LN: Gibt es etwas, das Ihnen persönlich als Kreiswehrführer wichtig ist?

Plath: Ich möchte meine Verbindung zur Basis behalten, damit ich weiterhin merke, was wir gemeinsam verändern können. Und ich möchte, dass wir bei aller Ernsthaftigkeit der Sache bei vielem auch Spaß haben.

Interview: S. Latzel