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Segeberg Wechsel zum neuen Rettungsdienst ist geglückt
Lokales Segeberg Wechsel zum neuen Rettungsdienst ist geglückt
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18:05 10.04.2019
100 Tage RKISH, Von links, Norbert Vahl, ehem Betriebsratsvorsitzender DRK. Landrat Jan Peter Schröder, Michael Reis, Geschäftsführer RKISH, Dennis David, Wachleiter Norderstedt Quelle: Oliver Vogt
Bad Segeberg

Was hatte es im Vorwege nicht für Aufregung gegeben. Besorgte Mitarbeiter schrieben Protestnoten an Landtagsabgeordnete, DRK und KBA versuchten auf dem Rechtswege die Kündigung von Rettungswachen zu vereiteln, im Kreistag gab es hitzige, emotional geführte Wortgefechte, ob die Übertragung des Rettungsdienstes auf die RKiSH (Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein) wirklich richtig ist. Heute, 100 Tage nach der Übernahme durch das RKiSH, ist davon nichts mehr übrig. „Wir haben uns auf Probleme vorbereitet, aber letztlich ist der Wechsel absolut geräuschlos über die Bühne gegangen“, bilanzierte Landrat Jan Peter Schröder am Mittwoch.

Dabei betonte der Landrat noch einmal, dass die Kündigung von DRK und KBA (in Norderstedt) niemals qualitative Gründe hatte. Beide Organisationen hätten hervorragende Arbeit geleistet. Der Kreis sei aber gezwungen gewesen, den Rettungsdienst auf „juristisch saubere Füße“ zu stellen, da die bestehende Verträge anfechtbar gewesen seien, dritte Organisationen sich hätten einklagen können.

Mitarbeiter sind inzwischen sehr zufrieden

Daher sei die Entscheidung gefallen, den Rettungsdienst nicht mehr an Dritte zu vergeben, sondern durch das kommunale Unternehmen RKiSH, an dem fünf Kreise im Land beteiligt sind, in die eigenen Hände zu nehmen. Andernfalls hätte der Rettungsdienst im Kreis neu ausgeschrieben werden müssen. Und da der günstige Anbieter zwingend den Zuschlag bekommt, „hätten wir keinen Einfluss darauf gehabt, wer gewonnen hätte“, so Schröder.

Bei den insgesamt 216 Rettungsfachkräften, die von DRK und KBA zur RKiSH gewechselt sind, habe sich inzwischen Zufriedenheit mit der Situation eingestellt, sagte Norbert Vahl, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender beim DRK. Natürlich sei es vielen wegen des fremdbestimmten Wechsels zunächst mulmig gewesen. Bis auf kleine Befindlichkeiten, die die Umstellung mit sich gebracht habe, zum Beispiel durch die etwas anders gestalteten Dienstpläne, seien seines Wissens aber alle zufrieden.

DRK und KBA haben psychologische Spielchen gespielt“

Niemand habe weniger Geld in der Tasche, viele durch neuen neuen Tarifvertrag sogar mehr, keiner sei durch Dienstzeiten oder Anfahrtswege schlechter gestellt. „Die Aufregung zu Beginn hat sich letztlich als unbegründet erwiesen“, so Vahl. Dafür machte Vahl auch DRK und KBA mit verantwortlich, die durch ihre Klagen „psychologische Spielchen“ auf Kosten der Mitarbeiter gespielt hätten. Das habe im Vorwege viel zur Verunsicherung beigetragen.

Dennis David, Leiter der Rettungswache in Norderstedt, bestätigt die positive Stimmung. Ihm gegenüber hätten Mitarbeiter sogar von einem „Glücksfall“ gesprochen, die die Arbeit in dem größeren RKiSH-Verbund bedeute. „Für mich als Wachleiter ist es das schönste Geschenk, dass sich die Dienstplätze nicht mehr selber machen muss“, sagt David. Dafür gebe es bei der RKiSH eigene Mitarbeiter. „Dadurch gewinne ich viel Zeit für meine eigentlichen Aufgaben.“

RKiSH-Geschäftsführer Michael Reis sprach von einer „logistischen und technischen Meisterleistung“, die beim Rettungsdienst-Übergang erbracht worden sei. Trotz der Unstimmigkeiten im Vorwege habe die Zusammenarbeit mit DRK und KBA reibungslos und professionell funktioniert. Es sei aber auch eine „emotionale Meisterleistung“, welche die Segeberger Mitarbeiter erbracht hätten. Alle seien bereit gewesen, sich dem Wechsel zu stellen. „Ich bin damit rundum zufrieden.“

Der Notarzt kommt in Zukunft über Videochat

Die Zukunft hält allerdings weitere Herausforderungen bereit, blickte Reis voraus. So müsse die Organisation auf die weiter steigenden Einsatzzahlen reagieren. Denn die Schwelle, die 112 zu wählen, liege auch wegen der immer schwereren Erreichbarkeit von Hausärzten heute deutlich tiefer. Eine älter werdende Bevölkerung trage ebenfalls dazu bei, dass die Einsatzzahlen stiegen. „Nicht jeder, der einen Notfall hat, muss aber gleich ins Krankenhaus“, so der RKiSH-Chef. Um unnötige Transporte bei Bagatellfällen zu vermeiden, wodurch Fahrzeuge bei tatsächlichen Notfällen nicht zur Verfügung stehen, werde die RKiSH in Zukunft verstärkt auf „Telekonsultationen“ setzen. Ein Rettungswagen fährt zwar noch zum Patienten raus. Ein Notarzt („Die kostbarste Ressource, die wir haben.“) entscheidet dann aber von der Zentrale aus, zum Beispiel über Videotelefonie, was mit dem Patienten geschieht.

RKiSH in Zahlen

Die Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein gGmbh (RKiSH) ist eine kommunale Organisation, die den Kreisen Dithmarschen, Pinneberg, Rendsburg-Eckernförde, Steinburg und seit dem 1. Januar 2019 auch Segeberg gehört. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 1200 hauptamtliche Mitarbeiter, 216 sind es im Kreis Segeberg. Die RKiSH verfügt über 44 Rettungswachen und zwölf Notarztstandorte und hat 94 Rettungswagen sowie zwölf Notarztfahrzeuge im Einsatz.

Im Kreis Segeberg wurden seit Jahresbeginn mehr als 10 000 Rettungseinsätze gefahren, 2100 zusammen mit einem Notarzt. Zudem wurden 4100 Krankentransporte vorgenommen.

Ebenso würden in den kommenden Jahren größere Investitionen in die Rettungswachen getätigt. Die Wache in Bad Bramstedt werde noch in diesem Jahr durch einen Neubau ersetzt. In den kommenden Jahren sind dann zunächst die Wachen in Bornhöved, Kaltenkirchen und Norderstedt dran. Die Bad Segeberger Wache in der Kurhausstraße mit ihrer Außenstelle im Levo-Park müsse zwar auch irgendwann angegangen werden. Andere hätten aber gegenwärtig höhere Priorität.

Oliver Vogt

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