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Segeberg 23. Pferdefest des Nordens: Happening für Reiter und Tiere
Lokales Segeberg 23. Pferdefest des Nordens: Happening für Reiter und Tiere
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22:35 20.08.2018
Aufbau für die Geschicklichkeits- und Gelassenheitsprüfung, die wie der Geländeritt und die Dressur Teil des Championats für Freizeitreiter ist.
Bad Segeberg

„Wo seid ihr die vergangenen Jahre gewesen? Krass. Zwei Individuen, die zu einem werden.“ Statt einer knappen Benotung überschüttet die Sprecherin aus der Richterkabine Mirija Edem und ihr Shetlandpony „Elli“ mit Lob. 9,8 von zehn möglichen Punkten in der A- und 9,5 in der B-Note heimst das Duo bei seiner allerersten Breitensport-Teilnahme ein und landet damit später ganz weit vorn.

Relaxte Kaltblüter im Vierkampf, rasante Ponys, rührende Vorführungen, sympathische Patzer und lauter Jubel: Zwei Tage gehörte die Rennkoppel in Bad Segeberg den Freizeitreitern. Und die zeigten vor allem, wie viel Freude Mensch und Tier miteinander haben können.

Das Turnier in Zahlen

300

Helfer packen ehrenamtlich beim Pferdefest des Nordens an. 10Plätze: Darauf starten 600 Pferde und Ponys bei über 1000 Nennungen.

11 Verbände und Vereine sind neben dem PSH bei der Veranstaltung vertreten.

Doch darauf ist es den beiden zuvor gar nicht angekommen. Sie wollten nur zeigen, was sie im täglichen Miteinander erarbeitet haben. Sie laufen und tänzeln, hüpfen, springen und rollen bei ihrer offenen Kür am Boden über den Platz, als gäbe es in diesem Moment nichts Schöneres. Unbändiges Vergnügen miteinander scheint sie anzutreiben. Dann bricht der Publikumsjubel los. Am Rand des Sandvierecks wischt sich eine Frau die Tränen weg, zu Herzen gerührt: „Sowas Schönes habe ich noch nie gesehen.“ Die nächste Teilnehmerin steht in den Startlöchern und auch für sie gibt es Jubel und Bravorufe.

„Das erste, was ich ihm beigebracht habe, war der spanische Gruß.“ Die Preetzerin Mirija Edem grübelt einen Moment lang: „Oder war es das Küsschengeben?“ Eindrucksvoll haben sie gezeigt, was mit Geduld und Ruhe möglich ist. Und damit sind sie an diesem Wochenende nicht die einzigen.

Ob mit dem Gespann, im Parcours oder im Westernsattel, an der langen Longe oder im bunten Kostüm: Mit mehr als 1000 Nennungen für gut 100 Prüfungen ist das Landesbreitensport-Turnier des Pferdesportverbandes Schleswig-Holstein (PSH) ungebrochen beliebt – auch bei den bummelig 4000 Zuschauern. Hinzu kommt das Fohlen-Championat, das zum Pferdefest gehört.

Auf der Veranstaltung bekommen Freizeitreiter losgelöst vom Wettkampfdruck – außer, er ist selbstgemacht – die Chance, ihr Hobby zu präsentieren. „Sich ausprobieren, das Familiäre ist es, was diese Tage auszeichnet“, fasst PSH-Sprecherin Christine Roesler zusammen. „Auf dem Gelände campen, ein paar Wettbewerbe mitmachen – das mögen einfach viele. Wir merken, dass die Leute das harmonische Miteinander wollen. Und wenn mal etwas schiefgeht, ist das nicht schlimm, sondern gehört einfach dazu.“ Darum sei das Pferdefest zum großen Happening geworden. Zu dem auch lehrreiche Vorträge zum Tierschutz gehören. Vor allem die Wettbewerbe rund um den Umgang mit dem Pferd seien immer beliebter, machten 15 Prozent der Nennungen aus.

Manche Reitsportarten müssen sich ein ums andere Jahr abwechseln, um die ganze Bandbreite abbilden zu können. Roesler: „Vom Interesse her könnten wir viel mehr machen, haben also noch viel Potenzial.

Aber wir können einfach nicht mehr wachsen.“

Heike Hiltrop