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Segeberg Vor 25 Jahren: Eines der schwersten Unglücke in der Landesgeschichte
Lokales Segeberg Vor 25 Jahren: Eines der schwersten Unglücke in der Landesgeschichte
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07:33 29.09.2019
Im Blechgewirr starben sechs Menschen: Der Frontalzusammenstoß zweier Personenzüge der AKN-Eisenbahn beschäftigt noch nach 25 Jahren die Helfer. Quelle: Glombik
Bad Bramstedt

Wer dabei war, wird es im Leben nicht vergessen: Heute vor 25 Jahren erschütterte ein Zugunglück nördlich von Bad Bramstedt die Menschen. Zwei AKN-Züge stießen zusammen. Sechs Tote, 80 Verletzte lautete die furchtbare Bilanz. Es wurde die größte Rettungsaktion im Kreis Segeberg ausgelöst.

Es war Glück im Unglück, dass die Waggons beim Zusammenprall nicht den Hang hinunterrutschten. Quelle: Ln-Archiv

Auf den Funkalarmempfängern stand als erste Nachricht um 15.24 Uhr „Zugunglück Bimöhlener Str. 76.“ Für die Einsatzkräfte schien das einer der „üblichen Unfälle“ der AKN zu sein. Zusammenstoß mit PKW an unbeschränkten Bahnübergängen kamen häufiger vor. Doch als die ersten Feuerwehrfahrzeuge eintrafen, bot sich den Helfern ein schauriger Anblick. Zwei völlig ineinander verkeilte Züge, die sich auf einem Bahndamm zu einem Metallberg auftürmten. Menschen, die sich selbst befreit hatten, irrten fahrig umher, bluteten. „Zusammenstoß zweier Triebwagen der AKN. Große nicht schätzbare Anzahl von Leicht- und Schwerverletzten. Vermutlich Tote. Brauchen zusätzliches schweres Rettungsgerät“, lautete die Meldung des ersten Gruppenführers vor Ort an die Leitstelle. Der größte Rettungseinsatz des Landes nach dem Krieg lief an.

Gegen 20.30 Uhr konnte aus den Trümmern der letzte Tote geborgen werden. Quelle: Glombik

Unfallopfer leidet noch immer unter den Folgen

Sie weiß nicht mehr, wie sie aus dem Zugwrack nach der Kollision herausgekommen ist. Für Heike Schlapkohl, die das Unglück im Zug auf der Fahrt von Neumünster erlebte, ist das Geschehen von vor 25 Jahren noch sehr präsent. Sie leidet noch heute darunter. Ein Tag der ihr Leben veränderte. Die Sitze rissen aus der Verankerung, sie wurde durch den Waggon geschleudert, erlitt schwere Beinverletzungen, Schnittwunden bis auf die Knochen.

Fast schlimmer war das seelische Trauma danach für sie. „Um uns Opfer hat sich hinterher kaum jemand therapeutisch gekümmert“, erzählt sie den LN. „Ich fahre auch heute, 25 Jahre danach, immer noch nicht mit der AKN.“ Bis heute habe sie Schmerzen. Sie werde das Zugunglück ihr Leben nicht vergessen, die gewaltige Kraft die sich damals entlud. Noch heute habe sie Angst vor großen Fahrzeugen, die auf sie zukommen.

Nach der Bergung mussten die Zug-Teile von Kränen auseinander gezogen werden. Quelle: Feuerwehr Bad Bramstedt

Ihr inzwischen verstorbener Mann, Hartmuth Schlappkohl, war als stellvertretender Wehrführer vor Ort, übernahm teilweise die Einsatzleitung. Es habe Menschen in Panik gegeben, aber auch welche, die die Übersicht behielten. „Man muss versuchen, den Kopf frei zu halten. Für Emotionen ist da kein Platz“, sagte er den Lübecker Nachrichten vor 15 Jahren. Seine Frau fand er trotz Suche nach dem Unglück erst abends um 19 Uhr auf der Intensivstation in Neumünster wieder. Vorher war ihm nicht einmal klar, ob sie das Unglück überlebt hatte. Denn er wusste, es war „ihr Zug“, der da völlig zerknautscht als Metallknäuel auf den Bahndamm stand.

Die damalige Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, Heide Simonis, kam zur Unglücksstelle. Quelle: dpa

In der Chronik der Feuerwehr Bad Bramstedt, die er vier Jahre nach dem Unglück verfasst hat, berichtete Hartmuth Schlappkohl, dass die Wehr durch die steile Böschung nur mit Steckleitern in die Züge eindringen konnte, um zu retten. Die Verletzten wurden mit Tragen aus dem Zug geholt und abseits des Bahndamms auf freien Feld von Ärzten und Rettungssanitätern versorgt.

Der erste Gedanke: Wer von der Familie war im Zug?

Wilfried Ladewig ist heute noch aktiver Feuerwehrmann in Bad Bramstedt. Als er am 29. September 1994 nach der Alarmierung mit dem Feuerwehrfahrzeug gegen 15.35 Uhr Unglücksort ankam, konnte er die Triebwagen sehen, die sich „auftürmten“. Ladewig: „Der ganze Hof war voller Menschen.“ Die liefen teilweise unter Schock herum. „Es wurde sofort eine Station aufgebaut, um alle Verletzte zu registrieren.“ Wer auf dieser Liste stand, der hatte den Zug lebend verlassen. Es war der sogenannte „Schülerexpress“ aus Neumünster. Ladewig: Der erste Gedanke war, wer fährt von unserer Familie mit im Zug? Mit Hilfe von Spreizern und Schneidgeräten versuchte man an die Schwerverletzten und Toten in den Zügen heranzukommen. Sogar die Hamburger Berufsfeuerwehr half mit. Auf dem Platz war Hektik.

Mit 60 Stundenkilometern aufeinander zu

Fast 500 Rettungskräfte waren bei diesem 28-stündigen Einsatz dabei. Zwei Züge der AKN waren in einer unübersichtlichen Kurve auf der eingleisigen Strecke in voller Fahrt zusammengestoßen. Der aus Bad Bramstedt kommende Triebwagenführer war weitergefahren, ohne den Gegenzug abzuwarten. Was seine Beweggründe waren, konnte nie aufgeklärt werden. 500 Meter nördlich von Bad Bramstedt (auf Höhe Bimöhler Straße) stießen die beiden Triebwagen mit einer Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern zusammen. Die Fahrer können sich erst kurz vor dem Zusammenstoß gesehen haben. Beide starben. Sechs Menschen verloren ihr Leben, etwa 80 Personen wurden verletzt.

Für die zahlreichen Helfer waren es belastende Ereignisse. „Ich möchte nicht, dass Wunden aufgerissen werden“, begründete ein Helfer sein heutiges Schweigen. Vieles wirkt auch nach 25 Jahren noch nach. „Wir hatten damals psychologisch Hilfe von Experten“, erinnert sich der damalige Wehrführer Helmut Kraemer. Er selbst war zum Zeitpunkt des Unglücks beruflich in Hamburg und konnte später mit Gesprächen den Kameraden helfen, die traumatischen Eindrücke abzuarbeiten.

Dieter Winter war gerade bei der Arbeit, am Bad Bramstedter Klärwerk, als der Alarm losging. Er war als Gruppenführer einer der Ersten am Unglücksort. „Wir haben die ganze Zeit über Leitern am steilen Bahndamm die Leute von dem Zug heruntergeholt.“ Es sei ein Wunder gewesen, dass die Züge bei dem Zusammenstoß nicht von dem Hang heruntergestürzt waren. Das hätte noch mehr Tote gegeben. „Wir haben die ganze Zeit Leute über Leitern von dem Zug heruntergelassen. Die wurden vom Rettungsdienst übernommen.“ Es sei ihm egal gewesen, wer noch drin war. „Mir war nur wichtig, dass sie alle lebend rauskommen.“

Menschen, die sich nicht kannten, hielten sich in den Armen

In den Gängen der Waggons war alles zusammengepresst. Da lagen Schwerverletzte in den Gängen. Auch die Sanitäter hatten sich in den Wagen durchgekämpft. „Die geretteten Menschen draußen waren alle geschockt. Einige hielten sich in den Armen, obwohl sie sich gar nicht kannten.“ Um 19 Uhr konnte der letzte eingeklemmte Fahrgast lebend befreit werden, ein Rettungshubschrauber flog den lebensgefährlich Verletzten nach Hamburg. Um 20.30 Uhr wurde der letzte Tote geborgen. Hartmuth Schlapkohl schrieb später in seiner Chronik: „Ich werde mich von dem Erlebten nicht befreien können, aber mit der Zeit wird einiges verblassen, nicht als Trauma immer präsent sein.“

Von Wolfgang Glombik

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