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Segeberg 25 Jahre an der Spitze des Kreistages
Lokales Segeberg 25 Jahre an der Spitze des Kreistages
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21:10 22.04.2015
Winfried Zylka verabschiedet als junger Kreispräsident Anton Graf Schwerin von Krosigk (r.), den ersten Landrat, mit dem er zu tun hatte.
Bad Segeberg

Seit 25 Jahren ist Kreispräsident Winfried Zylka morgen im Amt. Im LN-Interview blickt er zurück auf kommunalpolitische und persönliche Erlebnisse dieser zweieinhalb Jahrzehnte, und er sagt, was für die Zukunft des Kreises wichtig wäre.

Lübecker Nachrichten: Herr Zylka, mit ihren 25 Jahren als Kreispräsident sind Sie nun endgültig der Kreispräsident mit den meisten Dienstjahren im Lande. Sie haben Ihren Stormarner CDU-Parteifreund Hubert Priemel abgehängt, der es auf 23 Jahre als Kreispräsident gebracht hatte. War es das nun oder hätten Sie die Lust, bei der nächsten Kommunalwahl noch einmal anzutreten?

Winfried Zylka: Es geht bei einem politischen Amt, das immer nur auf Zeit vergeben wird, nicht um einen Dienstzeit-Wettbewerb. Übrigens: Den „Rekord“ bei der Amtszeit als Kreispräsident hat ein anderer, nämlich Hermann Glüsing, der zunächst 20 Jahre Kreispräsident in Norder-Dithmarschen war und der nach der Kreisgebietsreform 1970 das gleiche Amt in Dithmarschen noch weitere elf Jahre innehatte. Ich bin gern Kreispräsident meines Heimatkreises Segeberg und nehme meine Aufgaben mit vollem Engagement wahr. Diese Wahlperiode ist aber noch nicht einmal zur Hälfte um. Da ist eine weitere Amtszeit derzeit kein Thema.

LN: Was bleibt nach zweieinhalb Jahrzehnten an der Spitze des Kreistages, dem Sie insgesamt ja — mit Unterbrechungen — bereits seit 1976 angehören. Was waren in all diesen Jahren die wichtigsten Entscheidungen?

Zylka: Große Themen, die die Kreistage zum Teil lange beschäftigten, waren die Abfallbeseitigung, die Krankenhausversorgung, die stete Anpassung der Beruflichen Schulen an die aktuellen Anforderungen, der Bau und Ausbau der Feuerwehrzentrale, die Stützung der Sparkasse Südholstein, die Organisation des ÖPNV (Ausbau AKN und Verlängerung der U-Bahn bis Norderstedt-Mitte, Einbeziehung des ganzen Kreisgebietes in den HVV), der Wechsel von der „Mühle“ zur Jugendakademie, die Organisation der Wirtschaftsförderung, Jobcenter und Sozialraumorientierung bei der Jugend- und Sozialhilfe — um nur einige zu nennen.

Ständiges Kreistagsthema sind natürlich die Finanzen. Wir sind stets aufs Neue gefordert, die gesetzlichen Aufgaben zu erfüllen, die als notwendig erkannten freiwilligen Aufgaben zu leisten, und das in einem Finanzrahmen, den wir nur in engen Grenzen beeinflussen können.

LN: Gab es im kommunalpolitischen Leben auch Dinge, auf die Sie mit Bitternis zurückblicken?

Zylka: Mit Bitternis? — Nein! Den meisten Entscheidungen des Kreistages habe ich zugestimmt. Dass man sich zuweilen über Vorgänge wundert oder auch ärgert, gehört zum Geschäft.

LN: So sehr scheinen sich die Menschen, es sei denn sie gehören selbst Parteien oder der Verwaltung an, nicht für die Kreistagssitzungen zu interessieren, wenn man sich die meist verwaisten Zuschauerbänke ansieht. Wie könnte man das ändern?

Zylka: Die Kreise nehmen Gemeinde übergreifende kommunale Aufgaben wahr und führen darüber hinaus staatliche Aufgaben aus, oft als „Pflicht-Selbstverwaltungsaufgaben“. Das berührt in aller Regel die Menschen nicht unmittelbar. Daher ist das Interesse, an Kreistagssitzungen teilzunehmen, nicht ausgeprägt. Bei einzelnen Themen aber war der Kreistagssaal sogar überfüllt.

Wir sind als Kreistag bestrebt, unsere Arbeit transparent zu machen. Die Presse ist dabei ein wichtiger Partner. Darüber hinaus prüfen wir derzeit, wie die Information über die Kreispolitik auf der Homepage des Kreises übersichtlicher bereitgestellt werden kann. Auch eine Direktübertragung von Kreistagssitzungen via Internet ist im Gespräch. Seit Jahren versuchen wir, mit „Jugend im Kreistag

junge Menschen für die Kommunal- und Kreispolitik empfänglich zu machen.

LN: Sie haben in Ihrer Zeit vier Landräte erlebt, Anton Graf Schwerin von Krosigk, Georg Gorrissen, Jutta Hartwieg und jetzt Jan Peter Schröder. Wir erwarten von Ihnen beileibe keine Hitliste, aber was ist von diesen Persönlichkeiten hängen geblieben?

Zylka: Alle vier sind sehr unterschiedliche Persönlichkeiten mit eigenem Profil, was sich unter anderem im Führungsstil und im Umgang mit dem Kreistag bemerkbar macht. Hinzu kommt, dass sie drei verschiedenen „Landräte-Generationen“ angehören und von daher mit anderen Aufgabenstellungen, technischen Hilfsmitteln und gesetzlichen Rahmenbedingungen konfrontiert sind. Und auch die Kreistagsabgeordneten stellen heute veränderte Ansprüche an die Landräte. Ein Vergleich verbietet sich daher. Ich selbst hatte und habe zu allen Vieren ein gutes Verhältnis.

LN: Gegen den parteilosen Georg Gorrissen haben Sie einst selbst kandidiert. Was hätten Sie als Landrat anders gemacht, wenn Sie gewählt worden wären?

Zylka: Darüber habe ich nie nachgedacht. Herr Gorrissen und ich haben von Anfang an hervorragend zusammengearbeitet. Wir haben anstehende Entscheidungen frühzeitig besprochen und kamen meist zu übereinstimmenden Ergebnissen.

LN: Im März hat der Kreistag seit vielen Jahren mal wieder einen ausgeglichenen Haushalt beschlossen. Was bleibt für den Rest der Legislaturperiode zu tun?

Zylka: Die wesentlichen Themen in der nächsten Zeit werden sein:

— Der demografische Wandel mit seinen lokalen und regionalen Konsequenzen — zum Beispiel medizinische und pflegerische Versorgung im ländlichen Raum.

— Die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen aus den Bürgerkriegsregionen und insgesamt die Integration von Menschen, die aus anderen Ländern kommen.

— Mobilität sichern — sei es im Straßenbau oder auch bei den öffentlichen Verkehrsmitteln.

— Leistungsfähige Datennetze im Rahmen der zunehmenden Digitalisierung unseres Alltags.

— Der lokale Beitrag zu Klimaschutz und Energiewende.

Interview:

Lothar Hermann Kullack

Gerecht und offen: Das gefällt auch der Opposition
So lange wie er war zumindest im Segeberger Raum noch niemand Kreispräsident: Winfried Zylka feiert am 25. April sein 25-jähriges Dienstjubiläum in diesem Ehrenamt. Der Christdemokrat genießt das Ansehen aller Fraktionen, der großen wie der kleinen.
Am 25. März 1990 war Kommunalwahl, die CDU   gewann damals mit 44,8 Prozent der Wählerstimmen knapp vor der SPD (41 Prozent), und einen Monat später wurde CDU-Mann Winfried Zylka zum Kreispräsidenten gewählt. Dem Kreistag gehörte er da schon sehr viel länger an — mit Unterbrechungen seit 1976. Dass jemand aber über zweieinhalb Jahrzehnte dem Kreistag vorsitzt (siehe Interview), genießt im ganzen Land Seltenheitswert. Dass auch „die Opposition“ Zylka zuweilen wiedergewählt hat, mag an seiner stets gerechten, offenen Art liegen, mit der er die Sitzungen leitet. Überzieht jemand seine Redezeit, da wird auch schon mal ein Abgeordneter der eigenen Fraktion ermahnt — und zwar höflich aber bestimmt, mit der ganzen Routine von 25 Präsidentenjahren. Da ist jemand, der sein Ehrenamt ausfüllt, der es aber auch genießt.
Geboren wurde Winfried Zylka am 22. September 1946 in Bad Bramstedt, wo er auch aufwuchs und 1966 sein Abitur ablegte. Der Diplom-Mathematiker arbeitete seit 1976 bis zu seiner Pensionierung im Kieler Kultusministerium, wo er zuletzt das Hochschulreferat leitete. Aber einmal, da hätte er sein geliebtes Ministerium beinahe verlassen: 1990 kandidierte Zylka nämlich nicht zunächst als Kreispräsident, sondern als Landrat. Er unterlag dem parteilosen Georg Gorrissen nur knapp.
Zur CDU fand Winfried Zylka bereits früh: 1966 stieß er zur Jungen Union, von 1988 bis 1990 war er Kreisrat (so hießen damals die Hauptausschussmitglieder) und CDU-Fraktionschef im Kreistag, seit 1992 war er zugleich stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender.
Mehr Zeit für die Familie — nach seiner Heirat mit Ehefrau Sabine zog Zylka 1973 nach Bornhöved — bleibt erst, seit der 68-Jährige vor Jahren in den Ruhestand ging. Da waren Sohn Wolf-Sebastian (36, Jurist) und Tochter Juliane (34, Schiffsbauerin) längst aus dem Haus. Doch Zylka hat, seit er dem Ministerium den Rücken kehrte, trotz der vielen Polit-Termine mehr Zeit, um mit seiner Ehefrau zu verreisen, Konzerte oder Kino, Theater und Oper zu genießen. Und es ist gar nicht allzu lange her, da gab der Kreispräsident via LN Einblick in ein weiteres seiner Hobbys: Für die LN-Serie über kochende Lokal-Promis raspelte Zylka Mohrrüben, schnitt Frühlingszwiebeln, Paprika und Tomaten für sein Gericht „Zwiebelsuppe, Störtebeker-Curry und Panna cotta mit Himbeeren“.
Gekocht habe er bereits als Jugendlicher gern, verriet Zylka den LN, und als ihn dann im Studium das Mensa-Essen nicht gerade begeisterte, fiel ihm das früh Erlernte wieder ein: „Ich habe das Mensa-Essen nur einmal gerochen, bin wieder gegangen und habe mich selbst versorgt.“ Da gibt es durchaus Paralellen zum Kreistag: Stehen sich die Abstimmungsvorlagen der Fraktionen zuweilen konträr gegenüber oder gefallen weder die Verwaltungs- noch die Vorschläge der eigenen Fraktion Zylka selbst nach dem zweiten Schnuppern nicht, dann ist er schnell mit einem eigenen (Kompromiss)Papier zur Hand. Selbst zusammengekocht.
Dass man sich zuweilen über Vorgänge wundert oder auch ärgert, gehört zum Geschäft.“ Winfried Zylka

Lothar Hermann Kullack

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