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Segeberg 380-Kilovolt-Trasse: Welche Dörfer werden zerschnitten?
Lokales Segeberg 380-Kilovolt-Trasse: Welche Dörfer werden zerschnitten?
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12:02 11.09.2014
Jeder braucht Strom, aber keine will die Masten haben. Die Suche nach den Trassen ist ein Politikum. Quelle: dpa
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Bad Segeberg

Im Jahr 2021 sollen die 380-Kilovolt-Leitungen, mit denen der Windstrom von den Küsten nach Süddeutschland transportiert werden soll, fertig sein. Welche Trassenkorridore dafür erwogen werden, war bis vor Kurzem eines der bestgehüteten Geheimnisse. Denn eines ist sicher: Um den endgültigen Verlauf dieser Leitungen mit ihren 60 Meter hohen Mega- Masten wird es harte Auseinandersetzungen geben.

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In Ostholstein wissen die Kreispolitiker schon, was ihre Segeberger Kollegen nur ahnen können. Denn im Ostholsteiner Planungsausschuss sind die Korridorvorschläge des Netzbetreibers Tennet vor einigen Tagen präsentiert worden. Ob die auch den Mitgliedern des zuständigen Segeberger Ausschusses für Wirtschaft, Regionalentwicklung und Infrastruktur auf ihrer nächsten Sitzung am 29. September (ab 18 Uhr im Kreistagssitzungssaal) vorgelegt werden, steht noch nicht fest.

Auf der Tagesordnung ist das Thema nicht einmal vermerkt. Von Sitzungsvorlagen, die mögliche Trassenverläufe wiedergeben, ganz zu schweigen. Dabei haben es die Tennet-Vorschläge, die den LN vorliegen, in sich. Drei der insgesamt vier ins Auge gefassten Korridore zwischen Lübeck und Norderstedt durchschneiden den Kreis Segeberg (siehe Grafik).

• Der nördliche Korridor verläuft praktisch auf der Trasse der A 20 von Lübeck über Mönkhagen, Strukdorf, Geschendorf, Weede, Klein Gladebrügge, Rotenhahn, Wittenborn, Bark, Todesfelde, Hartenholm, Schmalfeld bis zu einem möglichen Umspannwerk im Raum Bad Bramstedt.

• Der mittlere Korridor beginnt bei Lübeck und führt über Mönkhagen, Pöhls, Stubben, Neuengörs, Bühnsdorf, Altengörs, Mielsdorf, Schwissel, Kükels, Bark, Todesfelde, Hartenholm, Schmalfeld bis zu einem möglichen Umspannwerk im Raum Bad Bramstedt.

• Der südliche Korridor beginnt bei Lübeck und führt über Mönkhagen, Pöhls, Stubben, Havighorst, Bahrenhof, Wakendorf I, Tralau/Travenbrück, Groß Niendorf, Seth, Oering, Sievershütten und Kisdorf zu einem möglichen Umspannwerk nach Kaltenkirchen.

• Schließlich gibt es noch eine vierte Trasse, die auf Stormarner Gebiet verläuft und im Umspannwerk Norderstedt enden soll.

Welcher Korridor letztlich auch gewählt wird, er endet an der Mittelachse der Nord-Süd-Leitung, die von Rendsburg nach Norderstedt führen wird. Die Ost-West-Leitung wird irgendwo im Segeberger Raum auf die andere Leitung treffen. Dort muss dann noch ein Umspannwerk gebaut werden. Im Kreis Segeberg soll aber nur eines dieser Großbauwerke erforderlich sein. Welcher Korridor hat die besten Chancen, verwirklicht zu werden? Welcher ist am umweltverträglichsten? Bei welchem droht am wenigsten Widerstand aus der Bevölkerung?

Fachleute sind von den Trassen nicht wirklich überrascht. Ein Experte sagte den LN: „Die Vorgaben sind relativ klar, die Trassen sollen sich ja an bestehenden Infrastrukturen orientieren.“ Also an vorhandenen Stromleitungen oder an Autobahntrassen. Daher sei der A-20-Korridor nahezu zwangsläufig gewählt worden. Und der, in dem die jetzige 220 kV-Leitung verläuft, ebenfalls. Das wäre die südliche Trasse. Ihr werden recht große Chancen der Realisierung eingeräumt. Zum Beispiel von Stormarns Kreisbaudirektor Klaus Kucinski: „Wir vermuten, dass Tennet die 220-Kilovolt-Trasse nehmen und daneben eine neue 380-Kilovolt-Trasse legen wird.“

Beim Kreis Segeberg wissen einige Mitarbeiter bereits um die von der Tennet ins Auge gefassten Trassen. Die meisten Kreispolitiker dürften sie noch nicht kennen, und die Kommunalpolitiker in den betroffenen Dörfern schon gar nicht. Nach LN-Informationen wollen in nächster Zeit das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume und die Tennet mit Infoveranstaltungen auch für die Öffentlichkeit beginnen. Ein Zeitplan, wer wann was erfahren soll, ist noch nicht bekannt. Den behalte sich die Tennet vor, erfuhren die LN.

Höchstspannung in 60 Metern Höhe

60 Meter hoch sind die Masten, an denen die 380-Kilovolt-Höchstspannungskabel hängen. Sie werden als Freileitungen, also nicht unterirdisch, verlegt. Die Kosten je Kilometer sollen bei 1,5 Millionen Euro liegen.
Tennet ist eine niederländische Firma, die 2009 von der Eon-AG deren Höchstspannungsnetz übernommen hat. Mit solchen Netzen in Deutschland und Holland ist Tennet erster internationaler Übertragungsnetzbetreiber in Europa.

Christian Spreer