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Segeberg A 21 durchlöchert: Tempo 80 in beide Richtungen
Lokales Segeberg A 21 durchlöchert: Tempo 80 in beide Richtungen
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19:01 06.03.2019
A21: Die Straßenmeisterei hat das Tempo gedrosselt. Quelle: Irene Burow
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Bornhöved

Die Autobahn bei Bornhöved sieht aus wie ein Schweizer Käse. Zumindest streckenweise. Der neue Asphalt ist durchlöchert. Die Schäden sind auf einer Länge von zehn Kilometern sichtbar. Der gerade erst sanierte Abschnitt der Autobahn 21 bröckelt.

„Es ist eine erhebliche Gefährdung für den Verkehr, die wir nicht vertreten können“, sagte Torsten Conradt, Direktor des Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr (LBV), am Mittwoch vor Ort. „Die Menschen rechnen bei einer sanierten Fahrbahndecke nicht damit, dass Gesteinsteile hochgeschleudert werden könnten.“

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Die Folge: Nachdem bereits Anfang Februar ein Tempolimit in Richtung Bad Segeberg festgelegt wurde, gilt seit Mittwoch auch Tempo 80 auf der Gegenfahrbahn nach Kiel.

Schäden sorgen für Tempolimit auf zehn Kilometern Länge

Schäden nehmen zu

Zwischen Trappenkamp und Stolpe sind mittlerweile in beiden Richtungen bis zu 15 Zentimeter große Löcher im Asphalt entdeckt worden. Diese sind bereits versiegelt. Kopfzerbrechen bereiten zudem jede Menge kleine, bis zu zwei Zentimeter große Löcher. Diese breiten sich auf dem gesamten Abschnitt aus. Die Fachleute stehen vor einem Rätsel. Denn die Schäden stehen laut LBV nicht still, sie entwickeln sich weiter.

Lesen Sie hier: Blasen, Dellen, Löcher: Die Pannen beim Autobahnbau im Norden

„Das Schadensbild kommt für uns völlig unerwartet“, sagte Torsten Conradt. Bei der Abnahme der Strecke seien sowohl der optische Eindruck als auch alle Prüfergebnisse einwandfrei gewesen. „Weder aus der Sicht der Verwaltung, noch aus Sicht der Baufirmen, Prüflabore und Mischwerke kann klar benannt werden, woran es liegt.“

„Eigenartige Situation“

Alle Vorgaben seien eingehalten worden, die Baubedingungen optimal gewesen. Bundesweit sei kein ähnlicher Fall bekannt. „Wir haben uns mit anderen Bundesländern wie Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen abgestimmt. Es gibt keine vergleichbaren Schäden“, sagte Christoph Köster, Dezernatsleiter beim LBV. Kurios ist auch: Die Streckenabschnitte wurden zu unterschiedlichen Zeiten saniert. Mehrere Mischwerke lieferten das Material. Dennoch ist jetzt nicht etwa ein Teil, sondern die gesamte Strecke betroffen. „Es ist eine eigenartige Situation“, sagt Conradt.

Bohrkerne gehen ins Labor

Zur weiteren Sanierung kann der LBV noch nichts sagen. Erst muss die Ursache her: Bei der Fehleranalyse sollen neue Bohrkerne helfen. Diese wurden in den vergangenen Tagen gezogen, um die chemische und physikalische Auswertung zu vertiefen.

Torsten Conradt, Direktor des LBV. Quelle: Irene Burow

Die Proben werden in einem externen Asphaltlabor untersucht. Die Bestandteile oder Klebereigenschaften werden dann unter anderem unter die Lupe genommen. Erste Ergebnisse erwarten die Straßenbauer im April. „Wir werden über jeden Zwischenstand informieren“, versicherte Conradt.

Für den Landesbaubetrieb geht es nun in die vertrags-juristische Auseinandersetzung mit den Firmen und Mischwerken. „Um unnötige Zeitverzögerungen durch ein Beweissicherungsverfahren eines Gerichts zu vermeiden, sind wir im Moment so weit, dass wir uns auf einen unabhängigen Gutachter geeinigt haben“, so der Direktor des LBV. Den gilt es jetzt zu finden.

Beobachtungen seit Mitte Januar

Mitte Januar 2019 hatte die Streckenkontrolle der Straßenmeisterei Stolpe erste kleine Schäden in beide Richtungen entdeckt. In den folgenden zwei Wochen nahm das Schadensbild in Richtung Bad Segeberg derart zu, dass am 1. Februar Tempo 80 eingerichtet wurde. Ende Februar war auch in Richtung Kiel nichts mehr schönzureden: Der Verkehr muss nun ebenfalls langsamer rollen. Die Straßenmeisterei behält die Strecke täglich im Blick.

Sanierung seit 2016

Verbaut wurden rund 46 Millionen Euro: Die ersten 500 Meter der A 21 Richtung Bad Segeberg wurden im November 2016 saniert, der restliche Abschnitt zwischen Trappenkamp und Stolpe bekam im Mai/Juni 2017 einen neuen Belag. Der Abschnitt in Richtung Kiel hat seit August/September 2018 eine neue Decke. Der Bereich wurde erst im Dezember 2018 von Landesverkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) freigegeben. Dieser ist übrigens persönlich von der löchrigen Fahrbahn betroffen: Er muss nun täglich langsamer zur Arbeit nach Kiel fahren.

Irene Burow

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