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Segeberg „Ein Mensch ohne Studium ist auch ein Mensch“
Lokales Segeberg „Ein Mensch ohne Studium ist auch ein Mensch“
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12:21 30.09.2019
Gut 150 Besucher waren der Einladung des Fördervereins zum "Aktionstag Karriere dual" in der Annette-von-Rantzau-Gemeisnchaftsschule gefolgt. Quelle: Foto: Petra Dreu
Rohlstorf

Ist der Master mehr wert als der Meister? „Nein, ist er nicht“, sagt Finnlands Honorarkonsul und Holzunternehmer Bernd Jorkisch, dem die fehlende Wertschätzung des mittleren Bildungsabschlusses und der dualen Ausbildung schon lange unter den Nägeln brennt. Um das zu ändern hatte er am Sonnabend als Vorsitzender des Fördervereins der Annette-von-Rantzau-Gemeinschaftsschule zum „Aktionstag Karriere Dual“ an die Gemeinschaftsschule in Rohlstorf eingeladen. Nicht nur Eltern, Lehrer, Politiker, Unternehmer und Ausbildungs-Fachleute, sondern auch Bernd Buchholz, Schleswig-Holsteins Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus, folgten seiner Einladung.

Kinder nicht „zum Studium prügeln“

„Auch die duale Ausbildung bietet Karrieremöglichkeiten“, sagte Annette-von-Rantzau zu Beginn des Aktionstages. Sie könne verstehen, dass Eltern die beste Ausbildung für ihre Kinder möchten. „Ja, wir brauchen die Elite, damit wir die Forschung wieder auf den neusten Stand bringen. Aber Eltern tun ihren Kindern keinen Gefallen, wenn sie sie zum Studium prügeln. Im Gegenteil: Wer zu viele Misserfolge erfährt, der leidet“, so die Hausherrin. Sie schloss mit einem Zitat des Unternehmers Reinhold Würth: „Ein Mensch ohne Studium ist auch ein Mensch. Ein Land voller Soziologen nützt uns nichts. Einer muss auch den Hammer halten können.“

Der Tag in Bildern

In gewohnt lässiger Weise forderte auch der Minister ein Umdenken: „Von außen schaut man neidisch auf unser System der dualen Ausbildung. Die Wertigkeit dessen, was wir hier haben, ist hierzulande leider nicht so anerkannt. Wir müssen dafür werben, dass der Master genauso viel wert ist wie der Meister. Das ,weniger wert sein’ und die Angst, von seinem Verdienst nicht leben zu können, müssen weg“, so Buchholz, der als Jurist von 2009 bis 2012 Vorstandsvorsitzender des Verlagshauses Gruner + Jahr war. Karriere sei ohne Studium durchaus möglich. „Auch Verlagskaufleute können ein Verlagshaus führen. Ich kenne drei Verlagsleiter, die nach einer dualen Ausbildung an der Spitze großer Verlage stehen.“

Heizungsinstallateur ist heute ein anspruchsvoller Beruf

Er bedauerte, dass viele Schüler nicht wüssten, welche Vielfalt es an Ausbildungsberufen gebe und wie sehr sich diese gewandelt hätten. Dafür hatte er ein Beispiel parat: Beim Heizungs- und Wasserinstallateur denkt jeder, dass er „nur“ Rohre verlege. „Heute kommt ein Kunde, der ein ,Smart-Home’ haben will. Alles, auch die Heizung, möchte er mit dem Handy bedienen können. Auch das macht der Heizungs- und Wasserinstallateur“, so Buchholz, für den Berufsvorbereitung ein zentraler Punkt sei, der geändert werden müsse. „Da müssen Fachleute ran. Lehrer sind nicht unbedingt die besten Vermittler für etwas, was sie nie gelernt haben.“

Matthias Osbahr, Ausbildungsleiter bei Möbel Kraft, Michael Genz, Prokurist des Unternehmens „Hanseatic Power Solutions, Professor Dr. Jürgen Tchorz, Leiter des „Junior Campus der Technischen Hochschule Lübeck, und der Chef der Unternehmensberatung „Men-Kontor“, Frank Tietgen, der auch die Rohlstorfer Schüler auf das Berufsleben vorbereitet, brachen schließlich in drei gut besuchten Workshops eine Lanze für den mittleren Schulabschluss und die duale Ausbildung. Wie eine Berufsvorbereitung aussehen kann, erfuhren die Besucher des Aktionstages von den Schülern, die mit einer eigenen Imkerei und Hühnerfarm selbst unter die Unternehmer gegangen sind. Die jungen Leute lernen dabei unter anderem, das richtige Futter in richtigen Mengen zu beschaffen und später den Verkaufspreis für die Eier zu kalkulieren.

Düstere Zahlen

Zum Aktionstag „Karriere Dual“ hatte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) erstaunliche Zahlen mitgebracht: 2030 sollen laut Prognose allein in Schleswig-Holstein 150 000 bis 180 000 Arbeitnehmer fehlen. Von ihnen seien 120 000 bis 130 000 (rund 85 Prozent) Fachkräfte mit einer dualen Ausbildung. Ebenso erschreckend: Derzeit seien in Schleswig-Holstein 8500 junge Leute zwischen 16 und 25 Jahren arbeitslos gemeldet. Buchholz: „Sie haben nur die Perspektive auf Hartz IV. Das können wir uns nicht leisten.“

IHK will „Ausbildungsbotschafter“ an die Schulen schicken

Bei einer Podiumsdiskussion waren sich Teilnehmer einig, dass die Botschaft von „Kariere Dual“ hinausgetragen werden müsse. Das freute Bernd Jorkisch: „Die duale Ausbildung sichert die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Diesbezüglich sind heute von der Annette-von-Rantzau-Gemeinschaftsschule ganz wichtige Signale ausgesendet worden.“ Die Besucher seien insbesondere von den Workshops begeistert gewesen, die Inhalte und Perspektiven aufgezeigt hätten. Noch während des Aktionstages machte der ehemalige Präses der Industrie- und Handelskammer zu Lübeck (IHK) Nägel mit Köpfen und kündigte ein konkretes Vorhaben für eine neue Berufsorientierung an: „Die IHK wird künftig ,Ausbildungsbotschafter’ in die Schulen entsenden.“

Von Petra Dreu

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