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Segeberg Bad Segeberg: Stadt hat die 60-Jährigen als Wähler vergessen
Lokales Segeberg Bad Segeberg: Stadt hat die 60-Jährigen als Wähler vergessen
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19:23 23.10.2018
Die Kandidaten und Kandidatinnen für den Seniorenbeirat stellten sich vor Kurzem im Rathaus vor.
Die Kandidaten und Kandidatinnen für den Seniorenbeirat stellten sich vor Kurzem im Rathaus vor. Quelle: Oliver Vogt
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Bad Segeberg

Zugegeben, mit 60 wird man schon ein bisschen vergesslich, weiß plötzlich nicht mehr, warum man eigentlich in den Keller ging, oder hat schlicht bisweilen ’nen Blackout. Da hat man selbst Verständnis, wenn einer mal nicht so ganz auf der Höhe ist. Aber so tüdelig wie die Stadt sind unsere Senioren nun wirklich nicht! Die Stadtverwaltung hat nämlich einen ganzen Jahrgang, zudem einen sehr guten, den 58er, bei den Wählerlisten zu dem Seniorenbeirat unter den Tisch fallen lassen oder schlichtweg vergessen - oder „edv-mäßig“ verschluckt.

Joachim Funk, im März 60 geworden ist, wollte gerne wählen, hatte aber keine Wahlunterlagen von der Stadt zugeschickt bekommen. Funk wunderte sich, wandte sich an das Rathaus. „Die zuständige Mitarbeiterin erklärte mir, ich würde alle Bedingungen erfüllen, habe das richtige Alter und wohne in Bad Segeberg.“ Das Rathaus und Funk standen vor einem Rätsel. Funk blieb hartnäckig, verlangte nach dem Seniorenbeirats-Wahlzettel. Erst habe man seitens der Stadt den „Schwarzen Peter“ dem Postboten zuschieben wollen, sagt Funk. „Der habe mir das wohl nicht richtig in den Briefkasten eingesteckt.“ Aber dann fiel doch irgendwann auf, dass Funk gar nicht im städtischen Senioren-Wählerverzeichnis steht. Oh Schreck im Rathaus: Der ganze Jahrgang 1958 hat keine Unterlagen bekommen. Dabei gehören die Wähler mit 60 schon zu den geburtenstarken Jahrgängen, stellen ein gewichtiges Pfund bei der Wahl zum elfköpfigen Seniorenbeirat da. Funk befürchtet nun, dass die Wahl ungültig werden könnte, wenn die Stadt nicht hurtig die Wahlunterlagen nachdrucken lässt.

Amtsleiter Stephan Hartung bestätigte auf LN-Nachfrage die Panne. Er kündigte an, dass die Verwaltung jetzt sofort den gesamten Jahrgang 1958 anschreiben werde. Bei der Erstellung des Wählerverzeichnisses sei der erste Senioren-Jahrgang „verschluckt“ worden, erklärte er. Anders könne er sich das nicht erklären. 228 Personen müssen jetzt angeschrieben werden. Diese haben noch Zeit bis zum 8. November, 16 Uhr, für die Wahl des Seniorenbeirats. Insgesamt gibt es in Bad Segeberg 5531 wahlberechtigte Senioren. Ernüchternd ist allerdings bei der ganzen Geschichte, dass sich nur zwei 60-Jährige, Joachim Funk und eine Bürgerin, über die Nichtberücksichtigung beschwert hatten. Funk erklärt das mit dem jugendlichen Alter der Sechzigjährigen. Viele fühlten sich in diesem Alter noch gar nicht als Senioren. Er selbst übrigens auch nicht. . .

Wolfgang Glombik

23.10.2018
23.10.2018