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Segeberg Dorf Wahlstedt: Paul Funk (102) erinnert sich
Lokales Segeberg Dorf Wahlstedt: Paul Funk (102) erinnert sich
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18:24 10.05.2019
Paul Funk (102) hat Angelika Remmers (VHS) seine Geschichte erzählt. Quelle: Heike Hiltrop
Wahlstedt

 Der sympathische Senior schmunzelt verschmitzt und setzt sich im schmalen Sofa aufrecht hin. „Klar weiß ich noch, wie das damals war: In der Mitte vom Dorf war ein riesiger Misthaufen. Und gestunken hat der. . .“, erzählt Paul Punk und unterstreicht das Gesagte mit einer wedelnden Handbewegung. Angelika Remmers von der Volkshochschule (VHS) sitzt ihm gegenüber, als er in der Vergangenheit kramt. „Aber das schreiben Sie doch jetzt nicht“, wischt er die Erinnerung mit einer erneuten Bewegung weg und beginnt laut zu lachen.

Zeitgeschehen Dorfgeschichten“ heißt das fünfte Heft zur Ortsgeschichte, in dem die Entwicklung Wahlstedts anhand von Lebensgeschichten nachgezeichnet wird. Die des 102-Jährigen ist eine von zwölf. Und nein, die Misthaufen kommen nicht darin vor.

Paul Funks Geschichte beginnt 1945, als er nach Mözen kommt. Vorher diente er im Zweiten Weltkrieg als Soldat, Militärfahrer sei er gewesen. Aber das ist kein Thema in den Aufzeichnungen. Die setzen an, als Paul Funk Schmalspurbahnfahrer zur Zeit der britischen Besatzung nach dem Krieg wird. Damals habe er die zurückgelassene Wehrmachtsmunition aus den Bunkern im Wald gekarrt, damit sie vernichtet werden kann.

Paul Funk in den 1950er Jahren als Fahrer bei Arko. Quelle: Heike Hiltrop

Als er seine Frau kennenlernt und mit ihr 1949 nach Wahlstedt zeiht, weil es dort in der aufstrebenden Industrie Arbeit gibt, heuert er als einer der ersten Fahrer bei der „Arbeitsgemeinschaft für den Vertrieb von Konsumgütern“, Arko, an. „14 Jahre lang habe ich die Geschäfte beliefert, bis Göttingen runter.“ Über den Fahrzeug-Lautsprecher seien bei der Ankunft immer die modernsten Schlager gespielt worden. „Auf meiner Lieblingsstrecke Richtung Mölln haben sich die Kundinnen immer ,Mariandel’ gewünscht.“

Das 5. Wahlstedt-Heft: 67 Seiten Dorfgeschichten, zehn Euro. Quelle: Heike Hiltrop

Paul Funk lacht schallend bei der Vorstellung, wie er mit Schiebermütze am Auto den österreichischen Gassenhauer von 1947 sozusagen als Erkennungsmelodie erklingen lässt. Hautnah hat er miterlebt, wie Wahlstedt vom Bauerndorf zur Stadt wuchs, wie die Arko immer größer und auch die privaten Annehmlichkeiten in Wahlstedt mehr wurden.

Schwimmen lernen im neuen Bad, Tanztee in Bad Bramstedt

Eine wichtige Station: Der Umzug mit seiner Frau in einen der damals ganz neuen Blocks am Danziger Weg. „Eine schöne Zweizimmerwohnung, die die Arko für ihrer Mitarbeiter angemietet hatte. Und jeden Samstag ging es zum Tanztee nach Bad Bramstedt.“ Oder wie seine Angetraute Jahre später im neuen Bad das Schwimmen lernt, „zusammen mit Elfriede Kehlen“, erinnert Paul Funk an die Frau des früheren Bürgervorstehers, und an Rodolf „Rudi“ Kehlen selbst.

67 Seiten Wahlstedter Nachkriegsgeschichte

Neben Paul Funk hat Angelika Remmers auch die Erzählungen von Margarete Kahl sowie die von Herta, Elfriede und anderen Frauen auf 67 Seiten festgehalten. Das Leben zwischen dem damaligen Kindervogelschießen, dem Schützenfest, der neuen Schule und den alten Nissenhütten, ergänzt mit etlichen alten Fotos, findet reißenden Absatz. „Es haben sich aufgrund des Heftes schon wieder so viele Menschen bei mir gemeldet, dass es für mehr als ein nächstes reicht“, sagt die umtriebige VHS-Chefin. Wahlstedts Nachkriegsgeschichte sei aus ihrer Sicht noch lange nicht auserzählt.

Das Heft ist für zehn Euro in der Buchhandlung Kühne (Am Markt) und bei der VHS Wahlstedt zu bekommen. Es kostet zehn Euro.

Heike Hiltrop

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