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Segeberg Als man sich ohne Handy Grüße schickte
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18:19 16.06.2018
Museumvereins-Vorsitzender Rainer Schultheis zeigt die aktuelle Sonderausstellung über Poesiealben. Quelle: Fotos: Fuchs
Ellerau

Poesiealben waren viele Jahrzehnte lang en vogue. Ältere werden sich bestimmt noch daran erinnern, wie diese in den Schulklassen herumgereicht wurden, damit sich darin die beliebtesten in der Klasse mit einem kleinen Sinnspruch, einer liebevollen Zeichnung oder einem bunten Aufkleber verewigen konnten.

Das heimatgeschichtliche Vermächtnis haben die Ellerauer dem Drogisten Karl Rautenberg zu verdanken, der der Gemeinde in den 1980er Jahren seine Sammlung vermachte. Jetzt feiert das nach ihrem Gönner benannte Museum im Bürgerhaus sein 30-jähriges Bestehen. Mit einer Sonderausstellung über Poesiealben.

Die ältesten Poesiealben, die in Ellerau zu sehen sind, sind mehr als 100 Jahre alt und können durchstöbert werden. „Wir haben hier wieder wahre Schätze zusammengetragen“, sagt Rainer Schultheis, der von Anfang an der Vorsitzende des Ellerauer Museumsvereins ist. Eine Alltagskunst, die in der heutigen Zeit der alles beherrschenden sozialen Medien und elektronischen Smartphone-Botschaften wohl auszusterben scheint.

Aber genau das sei ja die Aufgabe dieses Heimatmuseums, erklärt Vorsitzender Schultheis: Die Lebensgewohnheiten der Ellerauer Landbevölkerung aus den vergangenen 150 Jahren zu dokumentieren. So wird hier gezeigt, wie die Menschen früher in ihrer guten Stube, wie sie ihr Wohnzimmer nannten, gelebt und in ihren Häusern gearbeitet haben. Das ist recht gut an der Entwicklung der aufwendigen Wäschearbeit zu bestaunen. So steht hier eine Wäschemangel aus Holz aus dem Jahr 1850, die Elleraus Partnergemeinde Hoyer aus dem dänischen Südtondern gestiftet hat, und veranschaulicht, wie die Wäsche früher mit großen Steinen und Muskelkraft getrocknet wurde.

Es wird an den ersten Industriellen der alten Dorfgemeinde Artur A. Erlhoff erinnert, der nach dem Krieg eine Textilfabrik mit zeitweise bis zu 1700 Beschäftigten hier aufbaute, die später an Jil Sander verkauft wurde, bevor sie dann Anfang der Nuller-Jahre geschlossen wurde. „Die Firma war so fortschrittlich, dass sie sogar den ersten Betriebskindergarten hier einführte, damit die Mütter in Ruhe arbeiten konnten“, sagt Vorsitzender Schultheis. Zum Dank für seine Verdienste ist Erlhoff zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt worden.

Ein altes Schulpult mit kleinen Tischen und Stühlen, auf denen nur Erstklässler Platz haben, versetzen in die Schulzeit zurück. Der frühere Leiter der Ellerauer Grundschule, Hans-Jürgen Büll, der auch dem Förderverein angehört, beginnt hier gerne seine Führungen, wenn er Schulklassen das Museum zeigt. „Mit dem Rohrstock wird aber nur noch gedroht.“

Unter den 2000 Ausstellungsstücken ist auch altes Handwerk zu sehen, wie eine frühere Schusterwerkstatt oder eine Dosenverschlussmaschine, die noch funktioniert. Auch an die in früheren Zeiten so wichtige Hausschlachtung, bei der der Schlachter direkt ins Haus kam, um das Hausvieh fachgerecht zu zerlegen, wird hier erinnert.

1000 Besucher im Jahr

Das Museum Ellerau im Bürgerhaus, Hojerweg 2, das pro Jahr 1000 Besucher zählt, ist an jedem ersten und dritten Sonnabend im Monat von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Darüber hinaus bietet der Förderverein, dem 90 Mitglieder angehören, Führungen für Schulklassen und interessierte Gruppen nach Vereinbarung an. Kontakt: E-Mail info@museum-ellerau.de; Internet:

www.museum-ellerau.de

Burkhard Fuchs

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