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Segeberg Neue Naturmode mit alter Handwerkstechnik
Lokales Segeberg Neue Naturmode mit alter Handwerkstechnik
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17:00 26.07.2019
Lorena Wannick mit einem Ausschnitt aus ihrer Kollektion für die Master-Prüfung. Quelle: SUSANNA FOFANA
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Borstel/Bad Oldesloe

„Es ist manchmal sehr überraschend, was da für Farben herauskommen“, weiß Lorena Wannick (26). Aus den Blumen in allen Sommerfarben, die in ihrem Garten blühen, gewinnt die junge Modedesignerin aus Borstel Farben für ihre Naturstoffe aus Leinen, Baumwolle und Wolle. Gerade hat sie ihren Master of Arts bestanden. Nun strebt sie mit ihrem Wissen um alte Handwerkstechniken wie Färben und Weben in die Selbstständigkeit.

Lorena Wannick (26) färbt ihre Stoffe für die eigene Modekollektion mit Blüten aus dem eigenen Garten.

Schon in der dritten Klasse schrieb die 26-Jährige den Wunschberuf Modedesign in ihr Freundebuch. „Seit meiner Kindheit habe ich gebastelt und gemalt. So bin ich ins Textile reingerutscht. Es hat mich nicht mehr losgelassen.“ Sie habe zuerst Puppenkleider genäht und später als Jugendliche Taschen, Jacken oder Tops.

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„Ab dem dritten Semester kam Design dazu“

Modedesign war dann nach dem Abitur an der Dahlmannschule in Bad Segeberg ihre erste Option. „Ich habe keinen Plan B gehabt“, verrät die 26-Jährige. Der war auch nicht nötig, da es mit der für den künstlerischen Studiengang notwendigen Aufnahmeprüfung sofort klappte. So konnte Wannick das Studium für Mode-, Kostüm- und Textildesign mit dem Schwerpunkt Modedesign an der HAW Hamburg beginnen. „Ab dem dritten Semester kam Design dazu, das Entwerfen.“

Den Blumen-Garten als Basis für ihre Naturfarben legte die Borstelerin vor zwei Jahren an. Sie erfuhr im Studium, wie in der Modeindustrie gearbeitet wird und welche ökologischen und sozialen Probleme damit verbunden sind. „Ich habe für mich eine Alternative gesucht.“ Seitdem arbeitet sie mit Naturfarben. Zudem kann der Blühpflanzen-Garten von Insekten genutzt werden.

Die Naturmaterialien sind biologisch abbaubar

Sie pflückt die Blüten meist erst, wenn sie verblüht sind. „Man hat das Gefühl, man tut etwas für die Natur.“ Auch Kunstfasern oder Mischgewebe möchte die 26-Jährige nicht verwenden, da sie später als chemischer Müll oder Restmüll übrig bleiben. Die Naturmaterialien könne man jedoch kompostieren. „Daraus entsteht neue Erde. Sie sind komplett biologisch abbaubar.“ Statt mit Reißverschlüssen versieht sie ihre Naturkleidung mit Holzknöpfen oder Bändern.

Durch die Arbeit mit den Pflanzenfarben nimmt sie ihre Umgebung aufmerksam wahr. „Wenn ich Pflanzen sehe, habe ich immer gleich die Farbe im Kopf.“ Die Blüten, manchmal auch die Blätter oder gar die ganze Pflanze landen dann bei ihr im Kochtopf und werden mit Wasser zu einem farbigen Sud ausgekocht. Darin werden dann die Stoffe gefärbt, die sie vorher zur besseren Haltbarkeit mit einer Beize vorbereitet hat.

Der Webstuhl stammt aus Bad Oldesloe

Ihr Ziel ist es, möglichst regionale Stoffe einzukaufen, um lange Transportwege zu vermeiden. Sie stellt sogar eigene Stoffe her. Den Webstuhl dafür hat sie von der Oldesloer Handweberin Almut Lembke übernommen. Von der Oldesloer Fachfrau erhielt sie auch die erste grundlegende Einführung in das Weben. Die Modedesignerin: „Mir ist es wichtig, dass die traditionellen Handwerkstechniken erhalten bleiben.“ Je zur Hälfte arbeitet sie jetzt in einem Job und an ihren eigenen Kollektionen.

Ausgekochte Zwiebelschalen ergeben Bronzetöne

Bei ihr sei schon fast alles an Pflanzen, Obst oder Gemüse im Kochtopf gelandet. Zwiebelschale für Bronzetöne oder Dahlien für ein kräftiges Orange. Viele Farben ergeben - je nach Wetter - Gelb- und Grüntöne. „Oder es kommt etwas ganz anderes heraus. Man erwartet Orange und es kommt Grau. Es ist halt ein Naturprodukt“, betont Wannick lächelnd. Interessante Infos und Videos gibt es auf ihrer Internetseite https://www.walor-design.com/

Susanna Fofana