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Segeberg Marode Brücken im Kreis Segeberg werden saniert
Lokales Segeberg Marode Brücken im Kreis Segeberg werden saniert
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22:26 18.07.2018
Bis fünf Zentimeter große Risse wurden in der Brücke über die Twisselbek festgestellt. Inzwischen steht sie nicht mehr. Quelle: Fotos: Burow (3)/wgl
Segeberg

Ein Bagger stemmt den Bohrer immer wieder in den Beton. Es dauert keine zwei Tage, da ist die Brücke über die Twisselbek, auf der Kreisstraße 8 zwischen Altengörs und Bühnsdorf, abgerissen. Dafür wird die Twisselbek vorübergehend durch zwei Stahlrohre geführt. Eine Fließschicht und Sand sorgen dafür, dass die zerkleinerten Betonteile nicht ins Wasser gelangen. Die Tage der Brücke waren gezählt: Etwa seit 1950 steht sie, hat ihr Alter erreicht. „Der Zustand war derart schlecht, dass man sie nicht mehr sanieren konnte. Das wäre nicht wirtschaftlich gewesen“, sagt Matthias Blumhagen, beim Kreis für Brückenbau zuständig. Und die neue Brücke solle schließlich wieder 70 bis 100 Jahre halten. „Alle drei bis sechs Jahre werden die Brücken in festen Intervallen von Bauwerksprüfern bewertet“, sagt er. Dabei gab es für diese Brücke zuletzt eine 3,5 – wobei Noten von eins bis vier vergeben werden.

Die Brücken des Kreises Segeberg sind in keinem guten Zustand. Jetzt wird dem Sanierungsstau entgegengewirkt: Bei Altengörs entsteht gegenwärtig ein Neubau, in Steinbek wird seit Kurzem ausgebessert. Es sind nicht die einzigen Bauwerke mit Verbesserungsbedarf.

Schon lange vor der Baumaßnahme wurde hier die Reißleine gezogen, um das Bauwerk weniger zu belasten. Von einst 100 Stundenkilometern auf der Strecke ist seit etwa zwei Jahren nur noch Tempo 50 erlaubt; zwei Fahrspuren wurden zu einer verengt. Blumhagen sieht sich auf der Baustelle um, wo bis Ende Dezember ein neues Bauwerk stehen soll. Die alten Fundamente bleiben, jetzt werden auf jeder Seite fünf große Bohrpfähle gesetzt, auf denen die neue Brücke entsteht. Ein tiefgegründetes Rahmenbauwerk aus Stahlbeton würden Statiker dazu sagen. Bis Ende des Jahres soll der Verkehr hier wieder rollen. Kosten: rund 700000 Euro.

Es ist nicht die einzige Brücke im Kreis mit Nachholbedarf: Die Brücke am Ortseingang von Steinbek wird instandgesetzt. „Über die Jahre wurde wenig in die Brücken investiert, wie überall. Die Folge ist ein großer Unterhaltungsstau. Wenn kleine Schäden nicht saniert werden, werden sie größer“, sagt Blumhagen. Es sollen nicht alle Brücken umgehend neugebaut werden. Aber ein bis zwei der insgesamt 63 Bauwerke pro Jahr will sich der Kreis vornehmen, um den Erhalt voranzutreiben.

In Steinbek war die Bewertung ebenfalls so schlecht, dass „sofortiges Handeln“ nötig wurde. Auch hier führte nur noch eine Spur den Verkehr über den Bach Steinbek. Das Problem hier: „Um die Straße zu erneuern, wurden immer wieder Asphaltschichten aufgebracht, statt die alten abzufräsen“, erklärt Blumhagen. Der Druck habe sich immer weiter erhöht, sodass Erdschichten bereits abgesackt sind. Die schrägen Flügelwände, die den Bach schützen, sind zudem zu tief. „Für damalige Verhältnisse war das okay, jetzt halten sie den Druck nicht mehr aus.“ Seit Montag ist die Steinbeker Dorfstraße (K4) Richtung Weede dafür voll gesperrt. Der Asphalt ist bereits abgefräst. Der Straßendamm soll an allen vier Seiten durch Stahlspundwände gesichert werden. Ab der kommenden Woche wird eine große Presse die Wände aufgrund der nahen Wohnbebauung in einem schonenden Verfahren in den Boden drücken. Neue Kappen und Geländer werden hergestellt sowie das Mauerwerk ausgebessert.

Die Arbeiten werden, anders als bei Altengörs, jedoch nach sechs Wochen, etwa Mitte August, beendet sein. Kosten hier: rund 190000 Euro. Im kommenden Frühjahr soll es zudem für eine Brücke im Amtsbereich Itzstedt ernst werden. Weil aber noch nicht alle Beteiligten informiert sind, wird die Baumaßnahme noch nicht konkret bekanntgegeben. In wenigen Wochen geht es dort in die heiße Planungsphase.

Und die Vorbereitungen für den Neubau der Herrenmühlen-Brücke bei Schwissel dauern bereits Jahre. Im Herbst könnte jedoch endlich Bewegung in die Sache kommen: Die Umweltverträglichkeitsprüfung ist nahezu beendet, Empfehlungen zum Neubau sollen im September in die Politik gegeben werden. In welcher Form im empfindlichen FFH-Gebiet Travetal gebaut werden soll, darüber haben die entsprechenden Kreisausschüsse zu beraten. Dass nur ein Neubau infrage kommt, steht für den Kreis aufgrund der Verkehrsbedeutsamkeit der Kreisstraße 12 schon lange fest. Nur wo genau, steht noch aus. Vor Jahren wurden bereits die Möglichkeiten erörtert: An gleicher Stelle, direkt neben der jetzige Brücke oder etwas entfernt mit neuer Straßenanbindung. Damals favorisierte das Bauamt einen Bau direkt daneben.

Hat die Politik entschieden, ist das durch das Amt für Planfeststellung in Kiel zu bestätigen.

Über diese schmale Brücke donnerte viele Jahre der Lkw-Verkehr, auch als beliebte Ausweichstrecke zwischen A 21 und B 206. Die Einwohner von Klein Gladebrügge und Schwissel kämpften lange vergeblich dagegen. Anfang 2007 hat der Kreis das Bauwerk schließlich für Lastwagen über 16 Tonnen gesperrt. Seit 2011 galt Tempo 30, ein Maximalgewicht von 3,5 Tonnen sowie einspuriger Verkehr. 2013 wurden Arbeiten zur Standsicherheit durchgeführt, das Gewölbe durch eine Unterschicht-Konstruktion gestützt. Seither dürfen wieder Fahrzeuge bis zu 16 Tonnen die Brücke befahren. Seit 2014 regelt zusätzlich eine Ampel den Verkehr.

Von Irene Burow