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Segeberg Altes Segeberger Rathaus: Hier heiratete Theodor Storm
Lokales Segeberg Altes Segeberger Rathaus: Hier heiratete Theodor Storm
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08:00 02.06.2019
Das Rathaus in Bad Segeberg auf einem Bild von 1926. Quelle: LN-Archiv
Bad Segeberg

Das Dienstzimmer von Bürgermeister Dieter Schönfeld war mal Tagungssaal für den Magistrat, und auch der Dichter Theodor Storm wurde hier getraut.

Armut allerorten und zu jeder Zeit: Zwar gehört Bad Segeberg seit einiger Zeit nicht mehr zu den allerbedürftigsten Kommunen im Lande, große Sprünge aber kann die Stadt sich trotzdem nicht leisten. Eben so wenig wie 1824, als man sich den Bau eines neuen Rathauses – des noch heute bestehenden Alten Rathauses – nicht leisten konnte.

Rathaus ursprünglich von 1551

Der alte Fachwerkbau von 1551 (Fertigstellung) war über die Jahrhunderte stets nur mehr recht als schlecht zusammengestoppelt, nie aber gründlich saniert worden. Und um 1820 ging es einfach nicht mehr weiter: Das Rathaus aus dem Spätmittelalter wurde für unbewohnbar erklärt und musste abgerissen werden. Gleichzeitig aber hatte Segeberg an Bedeutung gewonnen: Zu den nur knapp über 830 Einwohnern kamen 1087 weitere aus der bis dahin selbstständigen Ortschaft Gieschenhagen. Zusätzliches Geld kam auch in die Kasse, durch die „neuen“ Gieschenhagener Gewerbebetriebe nämlich. Trotzdem reichte es nicht für einen Rathaus-Neubau.

Die Dänen zahlten das neue Rathaus

Doch da wusste Bürgermeister Johann Philipp Ernst Esmarch (1794 – 1875) Rat. Den hatte der dänische König eingesetzt, denn Segeberg gehörte damals wie das gesamte Holstein zur dänischen Krone. Esmarch ließ vom Segeberger Maurermeister Johann Detlef Rosenberg einen Entwurf erarbeiten. Die geschätzten Baukosten von 7648 Reichsbanktalern konnte Segeberg aber nicht aufbringen, sodass Esmarch Zuschüsse von der „Königlich Schleswig-Holsteinischen-Lauenburgischen Kanzlei“ in Kopenhagen erbat. Da floss da nicht einfach gleich Geld – so freigiebig war die dänische Krone nicht. Bauzeichnungen, Bittbriefe und Änderungsvorschläge gingen hin und her. So ist dem Biedermeier-Bau bis heute ein großer dänischer Einfluss, nämlich der des in Kopenhagen führenden Baumeisters und Architekten Christian Friedrich Hansen, deutlich anzumerken. Hansen hat überall in Holstein seine Spuren hinterlassen, unter anderem auch beim alten Oldesloer Rathaus.

Einweihung 1828

Schließlich stimmte das dänische Finanzministerium – damals Rentkammer genannt - zu und erlaubte den Segebergern, ihre sämtlichen Einnahmen aus der Einquartierungskasse, stolze 8259 Taler, für den Rathausbau zu verwenden. Grundsteinlegung war 1826, eingeweiht wurde das Rathaus 1828.

Doch den Segebergern jener Tage fehlte anfangs nicht allein das Baugeld – sie sorgten sich auch um die Folgekosten. Da entwickelten sie den abenteuerlichen Plan, das Rathaus dem jeweiligen Bürgermeister zu schenken. Der müsse dann für den Unterhalt des Hauses aufkommen und dürfe es im Falle einer Neuwahl an seinen Nachfolger für 1600 Reichsbanktaler, gut einem Fünftel der Bausumme, weiterverkaufen. Kopenhagen lehnte ab.

Heil‘ges Recht und Weisheit

Großes Pathos gehörte einfach dazu in den 1820 Jahren. Das wird auch aus dem Gedicht eines namentlich nicht genannten Segeberger Bürgers deutlich, das er zur Grundsteinlegung des Rathauses geschrieben hatte. Hier eine Strophe:

„Drum herrscht in Dir, geliebte Stadt, die Freude;

Dein Rathaus soll ein sich’res Wohnhaus sein;

Des heil‘gen Rechtes und der Weisheit, beyde

gegründet auf der Eintracht Marmorstein.

Wohl darf unser Jubel klangvoll erschallen,

im Schutz der Gesetze durchs Leben wir wallen.“

Trotzdem aber wohnte der damalige Bürgermeister Esmarch im neuen Rathaus: Er bezog in der Lübecker Straße die erste Etage. Die Wohnräume waren zwar prächtig, gekocht aber wurde im Keller. Bald nach dem Rathausbau gab es noch eine Besonderheit: Auf dem Hinterhof, zum Kalkberg hin, wurde das Städtische Gefängnis eingerichtet wie Stadtarchivar Dr. Georg Asmussen zu berichten weiß. Später war im ehemaligen Gefängnis das Stadtarchiv untergebracht. Heute ist der Anbau längst abgerissen.

Theodor Storm heiratete die Tochter des Bürgermeisters

Den Saal im ersten Stock durfte Bürgermeister Esmarch nicht uneingeschränkt nutzen, der große Raum musste für offizielle Anlässe zur Verfügung stehen. Besonders gern tat dies Esmarch 1846, als im Saal der Dichter Theodor Storm seine Cousine und künftige Ehefrau Constanze, eine Tochter des Bürgermeisters, heiratete.

Auch in unserer Zeit hatte der Saal – seit Bürgermeister Udo Fröhlich Dienstzimmer des Bürgermeisters – offiziellen Charakter. So tagte noch in den 60er und 70er Jahren der Bad Segeberger Magistrat im Saal. Wie repräsentativ dieser Raum immer noch ist, wird auch zu Zeiten von Dieter Schönfeld etwa mit der großen „Flaggenparade“ der befreundeten Kommunen vor seinem Schreibtisch deutlich.

Für die Verwaltung indessen wurde das Rathaus irgendwann zu eng. Manche Abteilungen wurden in fünf andere Gebäude, unter anderem ins benachbarte Wittmack-Haus, verlegt. Und 1995 schließlich war es soweit: Der Grundstein für ein neues Rathaus, das auch den 200 Sitzplätze umfassenden Bürgersaal umfasst, wurde gelegt. Fertiggestellt wurde das neue Rathaus 1997. Alt und neu, das meinen nicht allein Bau-Ästheten, gehen hier eine ideale Verbindung miteinander ein; Professor Diethelm Hoffmann als Architekt hatte sich hier an großen Vorbildern orientiert.

Heute sind im alten Rathaustrakt nur noch wenige, aber wichtige Abteilungen untergebracht: Im Hochparterre bietet das Standesamt seine Dienste an, an den Wänden hängen bis nach oben hinauf Bilder des Segeberger Maler-Professors Karl Storch. Und im ersten Stock schließlich residieren der Bürgermeister, der „Hauptamts“-Leiter, die Bürgervorsteherin und der Personalrat. Und wenn jemand Bürgermeister Schönfeld im Dienstzimmer besucht, mag er sich erinnern, das hier vor Jahr und Tag der Autor des „Schimmelreiters“ sein Ja-Wort gab.

Lothar Hermann Kullack

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