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Segeberg Angst vor Klagen: Bad Segeberg sperrt Südstadt-Spielplatz für Jugendliche
Lokales Segeberg Angst vor Klagen: Bad Segeberg sperrt Südstadt-Spielplatz für Jugendliche
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17:58 19.06.2019
Quelle: Nur noch jüngere Kinder dürfen hier mit dem Ball spielen. Entsprechende Schilder werden demnächst aufgehängt.
Bad Segeberg

Im Gesicht von Südstadtpark-Anlieger Peter Doroszenko ist die pure Verzweiflung zu lesen, als er den LN-Reporter am Rande der Stadtvertretersitzung anspricht. Offen lässt er, ob er damit die laufende Debatte im Bürgersaal meint oder schlichtweg den Lärm daheim vom benachbarten Multifunktionsplatz. Die Stadtvertretung entschied sich Dienstag – aus purer Notwehr gegen eine drohende Klage der Anlieger –, den umstrittenen und bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebten Bolzplatz nur noch für Kids bis zu einem Alter von 13 Jahren offen zu halten. Jugendliche und junge Erwachsene dürfen dort nicht mehr Fußball oder Basketball spielen.

Keine attraktiven Plätze für Jugendliche

Für Jugendliche gibt es damit im gesamten Gebiet der Kreisstadt keine attraktive Spielmöglichkeit mehr. Die Basketballplätze an verschiedenen Standorten sind extrem vernachlässigt, können nicht mehr genutzt werden. Jetzt bleibt ihnen auch diese Spielfläche verschlossen.

Norbert Reher plädierte für Altersbegrenzung. Quelle: Glombik

 

Die Stadtpolitiker hatten vorab die von Anliegern geforderte Lärmschutzwand, die 140 000 Euro kosten soll, gar nicht erst diskutiert, sondern sich gleich Gedanken über andere Maßnahmen wie lärmdämmende Gummierungen und dem Spannen von Netzen gemacht. Diskutiert wurde auch über einen 11 000 Euro teuren Zaun um die Anlage, der abends und zu den Ruhezeiten das Spielfeld unzugänglich machen sollte. Doch auch diese vom Rathaus favorisierte Zaunlösung fand keine Mehrheit. Zudem wurde der Vorschlag, dort täglich mehrmals einen Sicherheitsdienst vorbei zu schicken, mehrheitlich verworfen. Der würde in den Sommermonaten an die 30 000 Euro kosten. Viel, viel Geld, dessen Wirkung verpuffe, hieß es von einigen Politikern.

Klagen von den Nachbarn drohen

Als sich am Dienstag in der Stadtvertretung abzeichnete, dass außer einigen kosmetischen Maßnahmen für Lärmschutz nichts weiter passieren würde, schlug der stellvertretende Bürgermeister Norbert Reher (CDU) Alarm. „Wir müssen das Alter auf 13 Jahre begrenzen. Sonst drohen uns Klagen der Nachbarn.“ Zumal das für die Stadt eher negative Lärmschutzgutachten ja bereits vorliege. Das gehe dann ruckizucki noch in der Sommerpause: Der Platz könnte innerhalb weniger Wochen komplett auf richterliche Anweisung gesperrt werden.

Schönfeld: 100 vergleichbare Fälle

Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD) stimmte ihm zu: Die Nachbarn an einem Bolzplatz am Städtischen Gymnasium hätten Ähnliches „schnell durchgesetzt“. Bei einer Exkursion durch Norddeutschland würde man an vergleichbaren Plätzen 100 derartige Fälle antreffen. Aber auch bei einer Altersbegrenzung der Kinder müsste jemand da sein, der das Alter der Kinder kontrolliere und Ältere vom Platz weise, meinte Schönfeld. Hintergrund: Bei jüngeren Kindern müssen Nachbarn juristisch mehr Lärm hinnehmen als zum Beispiel bei Jugendlichen. Wenn Kinder schreien oder rufen, ist das juristisch kein Lärm.

Jüngere Kinder dürfen weiterhin auf dem Multifunktionsplatz in der Südstadt spielen. Quelle: Wolfgang Glombik

Norbert Reher wand sich. Er habe vor Jahren noch als Fraktionsvorsitzender selbst den Anliegern den Tipp gegeben zu klagen, wenn die Stadt nicht reagieren sollte. Dieser Fall scheine jetzt einzutreten. Rehers Stoßseufzer: „Wenn wir ohne Altersbegrenzung einfach dort weitermachen, dann helfe uns der Herrgott.“ Mit 14 Ja-Stimmen bei zehn Enthaltungen und zwei Nein-Stimmen bekam sein Antrag eine Mehrheit.

LN-Spielplatz-Check ergab zahlreiche Defizite

Der Zusatzantrag von Annelie Eick (Grüne), wenigstens die anderen Bolz- und Spielplätze im Stadtgebiet zügig wieder so herzustellen und attraktiv zu machen, dass sie wieder benutzbar werden, wurde einstimmig angenommen. Auch der Kinder- und Jugendbeirat soll hier beteiligt werden. Die LN hatten kürzlich einen Spielplatz-Check im Stadtgebiet vorgenommen und dabei erhebliche Defizite bei Plätzen für Jugendliche festgestellt.

Trotz der Schilder: Die Ruhezeiten werden oft nicht eingehalten. Quelle: Wolfgang Glombik

 Für die Anlieger am Südstadtpark bringt indes auch eine Altersbegrenzung keinen Trost. „Wer soll das denn kontrollieren?“, fragt Peter Doroszenko. Die Nachbarn haben nun schon Jahre für eine Lärmschutzwand gekämpft, die aber nun doppelt so teuer werden sollte. Doroszenko: „Die Leute werden krank durch Lärm.“ Er kündigte an, der Verwaltung entsprechende ärztliche Gutachten und Anwaltschreiben auf den Tisch zu legen.

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Wolfgang Glombik

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