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Segeberg Ankunft in einer ungewissen Zukunft
Lokales Segeberg Ankunft in einer ungewissen Zukunft
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22:20 02.04.2015
Die Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge und Asylbewerber in Boostedt gestern gegen Mittag: Der Shuttle-Bus bringt weitere Männer, Frauen und Kinder aus der Überfüllten Unterkunft in Neumünster. Mit ihnen leben nun 44 Menschen aus Afghanistan, Ghana, Syrien und anderswo dort.
Boostedt

Die Flüchtlingsunterkunft in Boostedt hat ihren Betrieb aufgenommen. Am Mittwoch kamen 30 Männer, Frauen und Kleinkinder in der neuen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes an, gestern Mittag noch einmal neun. Mittlerweile sind es 44 Menschen — unter anderem aus Afghanistan, Syrien, Eritrea, Somalia, dem Iran —, die hier so lange leben, bis sie auf Schleswig-Holsteins Kreise und kreisfreie Städte verteilt werden. Bis dahin ist ihr Aufenthalt auf den Kreis Segeberg und die Stadt Neumünster eingeschränkt. Auch die vielen Mitarbeiter, die sich um die Flüchtlinge kümmern, haben erst am Mittwoch ihren Job angetreten.

Ein roter Kleinbus hält vor dem Wohnblock „N29“. Die Nummer ist Überbleibsel aus Soldaten-Zeiten. Die sind zwar noch da, ziehen erst im Laufe des Jahres ganz ab, aber der Nordbereich der Rantzau-Kaserne ist längst geräumt und für Flüchtlinge und Asylbewerber vorbereitet — auch wenn an manchen Ecken noch gewerkelt wird. Unsicher schaut eine junge Frau vom Rücksitz des Autos aus dem Fenster. Ihr Baby im Arm und einer gelben Plastiktüte in der anderen Hand folgt sie den anderen, die mit Koffern, Tüten und Taschen die Stufen zur Eingangstür hinaufgehen und sich von den Mitarbeitern des DRK ein Zimmer zuweisen lassen. Das DRK betreut die Ankömmlinge. Berater, Betreuer — acht neue Mitarbeiter sind bisher dafür eingestellt worden.

Man habe bevorzugt auf einen Migrationshintergrund und weitere Sprachkenntnisse Wert gelegt, so der DRK-Sprecher, während ein Tross Journalisten durch die Gebäude gelotst wird. Zeigen, wie es anläuft, Transparenz schaffen und gleichzeitig die Menschen, die Schutz suchen, unter sichere Fittiche nehmen — in dem Moment nicht einfach.

Pressekonferenz in der alten Turnhalle, jetzt Kantine. Fisch steht heute auf der Mittagskarte. An der Gewürzstation finden sich Kurkuma und Curry. Caterer Rob Fortuin betont, dass das Essen auf besondere Bedürfnisse abgestimmt sei. Chickenwings ja, aber Schweinefleisch ist tabu. Monika Stamer gehört ebenfalls zum Küchenteam. Früher habe sie Zeitungen ausgetragen, nun freue sie sich auf den neuen Job. „Ich spreche zwar nur Deutsch, aber mit Freundlichkeit und gesundem Menschenverstand klappt das schon.“

Ulf Döhring, Chef des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, steht Rede und Antwort, nennt Zahlen und Prozedere. Im März wurden 1057 Menschen in Neumünster aufgenommen — 200 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, aber der Anstieg sei geringer geworden, sagt er. „Die Belegung in Neumünster konnte auf 650 Menschen beschränkt werden.“ In Boostedt sollen Mitte April bis zu 100 Menschen leben. Im Mai bis zu 350. „Dann sind wir bei 1000 Plätzen für den Zeitraum Frühjahr/Sommer, sodass wir zurechtkommen“, sagt Döhring. Aber ob das gesteckte Ziel von nur sechs Wochen Verweildauer umgesetzt werden kann, das könne er nicht sagen. Immerhin spüre man, dass das Bundesamt sein Verfahren angepasst habe. Die 44-Jährige Amina aus Syrien weiß nichts von angepassten Verfahren oder Unterkünftemangel. Ihr Zuhause auf Zeit ist ein Bett in einem Fünfer-Zimmer. Dazu gibt‘s 144 Euro Taschengeld im Monat. Der übliche Satz für „Alleinreisende“. Anders als Sayed F. aus Afghanistan, der englisch spricht und mit Aziz A. Gesellschaft hat, spricht sie nur Arabisch, kennt die für sie fremde Schrift nicht. Sie schweigt und lächelt. Sayed sagt, er sei froh in Deutschland zu sein, hofft darauf, hier studieren zu können. Dann rückt er damit raus, dass er seine Frau und seine kleine Tochter vermisst. Die musste er in Hamburg verlassen, wo sie zunächst waren, denn seine Frau ist 17 und darum in einem Jugendheim untergebracht. Wann er sie wiedersehen wird, das weiß er nicht, „aber ich hoffe bald“.

Heike Hiltrop

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