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Segeberg Anselm Wolter zeigt Bildnisse aus 500 Jahren in der Villa Flath
Lokales Segeberg Anselm Wolter zeigt Bildnisse aus 500 Jahren in der Villa Flath
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17:10 10.07.2019
Anselm Wolter (83) aus Teterow sammelt seit 60 Jahren Grafiken. Auf diesem Werk hat die DDR-Künstlerin Eva Schulze-Knabe 1950 sich selbst mit ihrem Mann verewigt. Der Widerstandskämpfer war 1942 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet worden. Quelle: Irene Burow
Bad Segeberg

Oft steht ihr Wirken im Vordergrund. Die Künstler eher selten. Diese Kunst-Schau widmet sich den Gesichtern hinter der Kunst. Bekannten und ambitionierten, standhaften und stolzen, verschrobenen und vergessenen. In der Villa Flath sind ab 7. Juli dutzende Portraits zu sehen. Von Menschen, die in den vergangenen fünf Jahrhunderten lebten. Und zeitgleich oder später portraitiert worden sind.

Grafiken zeigen Picasso, Käthe Kollwitz oder Gottfried Semper

„Dann hält man ein Blatt in den Händen, dass 300 Jahre oder älter ist...“, sagt Kunstsammler Anselm Wolter. Und staunt einmal mehr darüber, dass „die Menschen es geschafft haben, in Zeiten von Krisen und Katastrophen diese Werke zu fertigen – und dass sie überdauerten. „Ich habe viel Freude daran.“ Alle Werke sind Liebhaberstücke und unverkäuflich.

„Es sind auch unbekannte Namen darunter“, sagt Wolter. „Viele fallen durch das Sieb des Gedächtnisses. Aber deswegen ist deren Kunst nicht schlechter.“ Viele seien nicht berühmt geworden, würden es auch heute nicht. Sammler wie er sind es, die sich denn auch für Nischen interessieren. Sie entdecken gerade im weniger Bekannten das Schöne.

Vernissage am 7. Juli

Die Ausstellung „Künstlerbildnisse aus 5 Jahrhunderten“ ist bis zum 4. August zu sehen. Vernissage in der Villa Flath ist am Sonntag, 7. Juli, um 11.30 Uhr. Der Kunstsammler wird vor Ort sein. Öffnungszeiten sind schließlich jeweils Sonnabend und Sonntag von 15 bis 18 Uhr.

Der 83-Jährige Anselm Wolter hat sich auf Grafiken spezialisiert. Schon als Kind hat er angefangen Reproduktionen von Kunst zu sammeln. Als er Geld verdiente, hat er die ersten Originale erworben. Der Chef des Leipziger Museums der Bildenden Künste gab ihm einst den Rat, dass Kunst für jedermann sei. Und Grafiken seien für jedermann erschwinglich. „Daran habe ich mich gehalten“, sagt Wolter. Er dürfte tausende Bilder ein Eigen nennen, wenngleich er es bei einem bescheidenen „viele“ belässt.

Wenige Frauenbildnisse

Sehr nahe geht dem Teterower zum Beispiel ein Holzschnitt von Eva Schulze-Knabe, eine der bedeutendsten Künstlerinnen der DDR. Es ist zugleich eines der wenigen weiblichen Gesichter in der Ausstellung. „Sie hat ihren Mann Fritz Schulze mit ’raufgenommen“, sagt er nachdenklich. Die Kanten sind scharf, das Schwarz ist satt. Nichts ist verwischt. Der Widerstandskämpfer war 1942 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee ermordet worden. „Ihre Geschichte ist faszinierend“, sagt er.

Ungleich bekannter wurden der spanische Pablo Picasso (1881-1973) und der russische Maler Marc Chagall (1887-1985). Der bedeutende Karikaturist und Pressezeichner Harald Kretzschmar fertigte 1975 eine Lithografie der beiden Vertreter der Moderne.

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Kupferstiche, Radierungen, Illustrationen

Gezeigt werden darüber hinaus Werke von Malern, Zeichnern, Kupferstechern, Bildhauern, Radierern, Buchillustratoren und Architekten. Den Beginn macht dabei der italienische Maler Tizian (1488/1490-1576). Überwiegend sind jedoch deutsche Künstler in der Villa Flath zu sehen.

Die Schau wird Rahmen der Städtepartnerschaft mit der Stadt Teterow gezeigt. Diese soll wieder vertieft werden. „Ich hoffe, der Impuls hält an“, sagt Bürgermeister und Vorstand der Otto-Flath-Stiftung, Dieter Schönfeld. Die Städtepartnerschaft besteht seit 1990. Besonders auf musikalischer Ebene hat es Austausche gegeben – und immer wieder in der Kunst.

Städtepartnerschaft soll wieder vertieft werden

So ist der Kunstsammler und Architekt Anselm Wolter mit Bad Segeberg schon lange verbunden. In der ehemaligen DDR hatte er in der VEB Bau zunächst in der Projektierung gearbeitet. Nach der Wende wurde er Bauamtsleiter von Teterow, erlebte die Wucht des Umbruchs. „Teterow hat in dieser Zeit sehr von Bad Segeberg profitiert“, sagt er. „Die Stadt war unser großes Vorbild.“

Hier soll nun angeknüpft werden. Nach der Euphorie in den Anfangsjahren war es zuletzt ruhiger geworden. „Wir möchten weitere Belebung in Gang setzen“, so Schönfeld. „Es reicht nicht, wenn nur Menschen der ersten Stunde daran arbeiten.“ Teterow habe wie Bad Segeberg nur einen Bahnhalt. Im historischen Bahnhofsgebäude gebe es eine bemerkenswerte Galerie, die sich selbst trage. Da könne man sich etwas abschauen.

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