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Segeberg Antworten auf demografischen Wandel
Lokales Segeberg Antworten auf demografischen Wandel
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10:12 07.10.2015
Ideenwand der AG Wohnen: Kreistagsabgeordnete Cordula Schultz bringt eine Wohnungstauschbörse zwischen alt und jung ins Gespräch.
Bad Segeberg

Die Diskussion um den demografischen Wandel kann Landrat Jan Peter Schröder nicht mehr hören. „Wir kennen die Zahlen. Wir brauchen Lösungen“, fand er am Montagabend deutliche Worte — die nur der Einleitung dienten. Denn mit dem Projekt „Segeberg 2030“ arbeitet der Kreis bereits an solchen zur Sicherung der Daseinsvorsorge einer alternden Gesellschaft. Erste Ergebnisse wurden an diesem Abend präsentiert.

Am Infostand der Arbeitsgemeinschaft „ÖPNV/Mobilität“ wird es konkret. Hier liegt schon eine Beschlussvorlage für den Umweltausschuss zum Aufbau eines Mitnahmesystems für den Kreis. „Das erscheint uns mittelfristig die praktikabelste Lösung zur Steigerung der Mobilität im ländlichen Raum zu sein“, sagt AG-Leiter Arne Hansen. Einen attraktiven ÖPNV im Stundentakt kann man sich wünschen, ist aber schlicht nicht finanzierbar. Da ist selbst ein Pool von automatisch fahrenden Autos, den der Nutzer per Handy zu sich ruft, realistischer. Ein Vorschlag, den eine Besucherin am „schwarzen Brett“

des AG-Standes hinterlässt. „Das ist eher eine Sache für die Zukunft“, so Hansen. Also erstmal das Mitnahmenetzwerk, bei dem sich die Nutzer Fahrer oder Mitfahrer suchen, um von A nach B zu kommen.

Funktionierende Beispiele auf Kreisebene gibt es bereits. Fünf Arbeitsgruppen befassen sich seit fast zwei Jahren mit den Themen Mobilität, Pflege/Senioren, Planen/Wohnen, Gesundheit und Menschen mit Behinderungen. Letztere beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der ersten Generation Behinderter nach dem zweiten Weltkrieg, die jetzt in Rente gehen oder kurz davor stehen. Für sie gibt es bisher kein Konzept im Kreis, wie Wohnen und Tagesbetreuung der Betroffenen getrennt werden kann, skizzierte Projektleiterin Sandra Kind. Das sogenannte Zwei-Milieu-Prinzip, wie es etwa in Bremen praktiziert wird, soll auch in Segeberg verfolgt werden. Angepeilt ist eine Erprobungsphase in Norderstedt ab 2017.

Um die hausärztliche Versorgung macht sich die AG Gesundheit Gedanken. Kein dankbares Thema, da die Einflussnahme der Kommunen begrenzt ist. Neben einem Maßnahmenkatalog zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung, arbeitet die Gruppe an Konzepten zur Umsetzung von Medizinischen Versorgungszentren im ländlichen Raum.

Handfester sind die Ergebnisse der AG Planen/Wohnen. Die Nachfrage nach seniorengerechten, barrierefreien Wohnungen ist groß. „Die Haushalte werden kleiner und älter“, sagt AG-Leiter Jörg Buthmann. Als Bürgermeister von Wensin hat er Erfahrung mit dem Thema. Im Ortsteil Garbek entsteht ein entsprechendes Wohnprojekt. Investoren für solche Vorhaben gibt es. Mit einer Broschüre und einem Internetauftritt soll Kommunen Mut gemacht werden, tätig zu werden — inklusive Beispielen aus der Region. Etwa in Fahrenkrug mit einer genossenschaftlich organisierten Wohnanlage. Das Modell Fahrenkrug ist auch ein Leuchtturm für die AG Pflege und Senioren — nämlich in puncto Tagespflege. Hier gibt es die einzigen Betreuungsplätze für Senioren im gesamten Ostkreis, macht AG-Mitglied Simone David aus der Kreisverwaltung anhand einer kleinen Karte deutlich. Acht sind es. In Bad Segeberg selbst gibt es nicht einen einzigen. Bereits jetzt fehlen im Kreis bis zu 93 Plätze. In 2030 könnten es 133 sein. Das Angebot sei finanziell wenig attraktiv, da eine hohe Auslastung der Plätze schwierig sei, so David. Mit einem Faltblatt für Kommunen wirbt die AG für eine Ausweitung solcher Angebote. Tagespflegeeinrichtungen könnten im B-Plan festgeschrieben werden, auch seien Kooperationen von Nachbargemeinden möglich.

Ein weiteres Projekt der AG ist der Aufbau eines Online-Seniorennetzes, wo Informationen, Angebote und Hilfen für ältere Menschen zu vielen relevanten Themen gesammelt werden. Viele vorhandene Angebote seien bisher nämlich einfach nur nicht bekannt, so David.„Sie müssen nur einfach besser vernetzt werden.“

In einem „Extranet“ des Projekts Segeberg 2030 sind die Ergebnisse der Arbeitsgruppen gesammelt. Bis Sommer 2016 können Interessierte noch mitwirken. Ein Zugang zum Onlineportal kann bei Sandra Kind, ☎ 04551/9512 13, erfragt werden.

Nadine Materne

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