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Segeberg 700 Jahre alter Krug in Sülfeld freigespült
Lokales Segeberg 700 Jahre alter Krug in Sülfeld freigespült
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07:00 06.10.2019
Ulrich Bärwald fand den rund 700 Jahre alten Krug hinter dem Pastorat in Sülfeld. Quelle: Irene Burow
Sülfeld

Was in dem Krug einst gelagert wurde, wird nicht mehr zu klären sein. Der Sülfelder Ulrich Bärwald findet immer mal wieder Utensilien aus vergangener Zeit. Doch so alt, so gut erhalten – das hat selbst ihn erstaunt. „Der Krug ist etwa 650 bis 700 Jahre alt“, sagt er. Das habe ihm das Archäologische Landesamt in Schleswig bestätigt. Es handele sich um eine Keramikkanne aus dem Mittelalter, um das Jahr 1350. „Da war Amerika noch nicht mal entdeckt“, verdeutlicht er.

Gefäß mit zwei Besonderheiten

Die schlammigen Ränder des altes Kanallaufs mitten in Sülfeld haben den Krug freigegeben. Vermutlich mit den letzten starken Regengüssen. „Ich wusste auch erst nicht, was das ist, habe es pflichtgemäß in Schleswig gemeldet“, erklärt Bärwald, der in Sülfeld bei allem involviert ist, was mit der Kirche und Geschichte zu tun hat. Seine guten Kontakte zu den Grabungs-Experten gaben schnell Aufschluss. „Die Mitarbeiter waren so elektrisiert, dass sie sich die Fundstelle hinter dem Pastorat gleich ansehen wollten.“

Das Gefäß weist zwei Besonderheiten auf. Es ist völlig unbeschädigt. „Was für ein glücklicher Zufall“, sagt Bärwald. „Metall verrostet, Glas splittert, Leder oder Papier zersetzt sich. Auch diese nicht glasierte Keramik könnte längst kaputt sein. Doch sie hat überlebt.“ Besonders ist auch, dass der Krug nicht dort gefunden wurde, wo er einst gelegen hat. „Nachweislich ist er mit Erdmassen innerhalb der Gemeinde verschoben worden.“ Ganz detailliert lässt sich das zwar nicht mehr rekonstruieren.

Der Alster-Beste-Kanal

Die künstliche Wasserstraße wurde im 15. Jahrhundert angelegt, um Lübeck und Hamburg auf 91 Kilometern miteinander zu verbinden. Im Kerngebiet wurde auf acht Kilometern die Alster mit Nienwohlder- und Sülfelder Moor verbunden; in Sülfeld mündete der Kanal in die Norder-Beste. Über die Süder-Beste und die Trave bei Bad Oldesloe konnten Handelsgüter bestenfalls in drei Tagen von Lübeck nach Hamburg gebracht werden.

Der Handelsweg war zwar nur von kurzer Dauer. Für damalige Verhältnisse war es ein stattliches Vorhaben. Ab 1448 gab es mehrfach Bestrebungen den Handelsweg fertigzustellen. Nach wenigen Jahren wurde der Bau eingestellt: Enorme Gefälle ließen die Kosten explodieren. Ab 1524 nahm man den Bau wieder auf; 1529 erreichten erstmals vier Boote mit Waren Hamburg – über 23 Schleusen. Nur 20 Jahre später war die erste Schleuse defekt; und der Weg wurde nie wieder vollständig hergestellt.

Transportiert wurden vor allem Oldesloer Salz, Segeberger Kalk, Torf zum Heizen sowie Holz. Vom bis zu 15 Meter breiten und zwei Meter tiefen Kanallauf ist heute nicht mehr viel zu sehen. Doch es ist ein „historisches Denkmal des Wagemuts der hanseatischen Kaufleute und des städtischen Unternehmergeistes im beginnenden 16. Jahrhundert“, ist sich die Gemeinde Sülfeld bewusst. Sie erinnert mit Schautafeln an das Kulturgut, und den Teil des Hanseatenwegs. Die Überreste des Kanals in Sülfeld stehen unter Denkmalschutz.

Mehr Infos: www.gemeinde-suelfeld.de

Darum darf er den Krug bewahren

Wahrscheinlich liegt der Ursprung aber rund um die Straße Neuer Weg in Sülfeld. Dort sind in den 1960er Jahren neue Abwasserleitungen verlegt worden. Der Boden von dort ist damals in der Pastoratsschlucht abgekippt worden. Weil der Krug also bewegt wurde und die Fundstelle keine alte Siedlungsstelle darstellt, darf der Archivar das Schmuckstück für den Ort bewahren.

Inzwischen hat er eine kleine Sammlung von Gefäßen - darunter viele Apothekerfläschchen. Er bewahrt sie für das Gemeindearchiv auf. Quelle: Irene Burow

Es ist nicht der erste Fund am Pastorat. Bärwald hat etliche kleine Apothekerfläschchen und Tintenfässer in dem Wasserlauf und in seinem Garten aufgetan. „Alles Wohlstandsmüll aus dem 19. Jahrhundert“, sagt er. Die Apotheke gab es einst gegenüber der Kirche. Und mit der Tinte „hat der Pastor früher wahrscheinlich seine Predigt geschrieben“. Die Gefäße stammten schätzungsweise aus der Zeit zwischen 1880 und 1910. „Mit dem Krug ist das nicht vergleichbar. Aber zum Wegschmeißen ist es zu schade. Das ist Sülfelder Geschichte. Kommt es erst mal weg, kommt es nie wieder.“ Und es ist sein Hobby, das Alte zu bewahren und zu dokumentieren.

Das Alte für Sülfeld bewahren

Ein amerikanischer Uniformknopf. Flüchtlinge werden ihn wohl verloren haben, denn Amerikaner gab es in Sülfeld nie. Quelle: Irene Burow

Und dann holt er noch einen Knopf hervor – von einer amerikanischen Uniform. Nichts Besonderes, wie er sagt. Aber für Sülfeld eben doch selten. „Das Schöne ist, dass man das heute alles im Internet nachlesen kann. Die Firma, die den einst produzierte, ist auf der Rückseite eingraviert: Waterbury Button. Die gibt es auch heute noch.“ Wie er schätzt, können nur ausgebombte Flüchtlinge den Knopf auf der Durchreise verloren haben. Mit der Uniform schützten sie sich wohl vor der Kälte. Denn: „Amerikaner waren hier nie stationiert.“

Dass in der Gegend weitere Überreste gefunden werden, ist nicht unwahrscheinlich. Rund um Sülfeld wurden laut Bärwald immer wieder Schaber oder Beile aus der Vorzeit entdeckt. Die Norder-Beste lieferte Wasser, sumpfiges Gelände gab Schutz. Eine Besiedlung ist mindestens seit 800 Jahren belegt. 2007 wurde Jubiläum gefeiert.

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Von Irene Burow

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