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Segeberg Asphaltmischwerk: Wahlstedter kritisieren das „Nichtstun der Verwaltung“
Lokales Segeberg Asphaltmischwerk: Wahlstedter kritisieren das „Nichtstun der Verwaltung“
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08:00 25.01.2020
2006 ging das Asphaltmischwerk in Wahlstedt in Betrieb (Archivfoto). Rohstoffe kommen seither über das Industriegleis zum Betrieb. Quelle: Holger Schwartz
Wahlstedt

Es formiert sich mehr und mehr Widerstand gegen das Asphaltmischwerk an der Industriestraße. Ende Januar, will sich in Wahlstedt eine Bürgerinitiative gründen. Das teilte Wiebke Prechel, Sprecherin derer Anwohner mit, die sich dafür zusammentun wollen. Lärm, Dreck und Gestank zermürben die Anlieger zunehmend. Manche überlegen bereits, ihr Haus zu verkaufen, andere haben sich Schrebergärten anderswo gemietet, weil sie ihren eigenen Garten einen Großteil des Jahres aufgrund der nach ihrer Ansicht starken Belästigung aus der Industriestraße nicht mehr nutzen.

Initiative ist ein Zusammenschluss aus Anliegern

„Die seit Jahren anhaltenden Umweltbelastungen haben uns veranlasst, die Bürgerinitiative ,Bürgerprotest Asphaltmischwerk Wahlstedt’ zu gründen. Wir sind ein Zusammenschluss von Bewohnern in unmittelbarer Umgebung . . .“, heißt es auf der Homepage der Initiative. Und weiter: „Wir haben uns im Dezember 2019 zusammengetan, um die Öffentlichkeit über die Umweltbelastungen und Gesundheitsgefährdungen des Asphaltmischwerks (. . .) zu informieren.“

Mangelnde Informationen seitens der Behörden und Zuständigkeitsgerangel hätten dazu geführt, dass „über viele Jahre hinweg keine ausreichende behördliche Kontrolle stattfand“, kritisieren die Wahlstedter. Das „Nichtstun der Verwaltung“ habe zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität von Betroffenen geführt. „Deshalb haben wir uns zu diesem ,Bürgerprotest’ zusammengetan.“

Die Forderungen der Initiative

Das, was die Bürgerinitiative will, ist klar umrissen: Luft- und Bodenprüfungen im Umfeld, regelmäßige Überwachungen der Lärm-, Staub- und Abgasimmissionen, modernste Filtertechnik sowie die Prüfung einer möglichen Einhausung des Geländes. Auch die Bewässerung der Splitthalden, Tests des so entstehenden Abwassers und die Verwendung von Erdgas anstatt Braunkohle wird gefordert.

Ärger um das Asphaltmischwerk seit 2006

Seit Jahren fühlen sich die Bürger, die im Heide- und Birkenweg sowie anderen Wohnstraßen in Nachbarschaft zum Asphaltmischwerk leben, mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen. Schon beim Probebetrieb der Anlage, damals im Eigentum der Papenburg AG, im August 2006 gab es erste Beschwerden. Danach wurde es ruhiger. Bis Anfang 2019. Unterstützung kommt seither von der „Initiative Wahlstedt“, wo auch die neue Bürgerinitiative ihren Ursprung hat.

Maßnahmen zur Verbesserung der Situation

Zur Seite steht den Anliegern der Ökologe Klaus Koch. Er werde am Gründungsabend der Bürgerinitiative sein Gutachten präsentieren und mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Situation vorstellen, sagt Wiebke Prechel. Koch selbst nennt das Papier, das er zusammen mit dem Diplomingenieur Peter Gebhardt aus Hessen erarbeitet hat, eine „Stellungnahme zum Asphaltmischwerk in Wahlstedt“.

Vortrag und Infoveranstaltung

Der Ökologe Klaus Koch aus dem Kreis Stormarn präsentiert am Donnerstag, 30. Januar, seine Stellungnahme zum Asphaltmischwerk in der Begegnungsstätte an der Waldstraße 1 in Wahlstedt. Eingeladen, sich seinen Vortrag anzuhören, sind alle Bürger, Politiker und Behördenvertreter. Beginn ist um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

Die Zusammenarbeit mit Koch resultiere aus einem losen Zusammenschluss, der den Bürgerinitiativen als Umweltnetzwerk Hamburg geläufig ist. „Wir sind nur eine Hand voll Personen, zu denen Herr Koch, mein Rechtsanwalt und noch ein paar Leute gehören“, umreißt Gebhardt, der Geschäftsführer eines Ingenieurbüros für Umweltschutztechnik (IfU) ist.

Ökologe führt keine eigenen Untersuchungen durch

Allerdings: Den Umweltnetzwerken in Hamburg, in denen die Handelskammer der Hansestadt Experten verschiedener Disziplinen auflistet, gehört Koch nicht an. Das bestätigt ein Sprecher der Kammer. Er verweist aber darauf, dass der Begriff „Umweltnetzwerk“ nicht geschützt sei. Koch widerspricht: Sein Büroname „Umweltnetzwerk“ (nicht Hamburg) sei sehr wohl geschützt. Ein vereidigter Sachverständiger ist Koch nicht, wie er bestätigt. Sachverständige würden für Behördenaufträge, beispielsweise Messungen oder Laboruntersuchungen benötigt, so Koch weiter. „Da wir jedoch weder für Behörden arbeiten, noch eigene Messungen oder Laboruntersuchungen durchführen, werden für die Bewertung von Immissionsprognosen keine vereidigten Sachverständige benötigt.“

Ob es Messungen gibt ist noch unklar

Im Bauausschuss der Stadt wurde von der Verwaltung unterdessen bekannt gegeben, dass die Stadtwerke Wahlstedt Lärmmessungen am Industriegleis, von dem aus das Asphaltmischwerk mit Güterzügen beliefert wird, vornehmen lassen will. „Das ist so nicht richtig“, korrigiert Geschäftsführer Luzian Roth von den Stadtwerken, die das Gleis betreiben. Roth weiter: „Da ist alles noch in der Schwebe.“ Zu mehr wolle er sich nicht äußern, da es sich um „ein schwebendes Verfahren“ handelt.

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Von Heike Hiltrop

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