Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Aufatmen in Bad Segeberg: Kleinbahntrasse wird nicht asphaltiert
Lokales Segeberg Aufatmen in Bad Segeberg: Kleinbahntrasse wird nicht asphaltiert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 09.05.2019
Das grüne Band der Kleinbahntrasse (Bildmitte) führt durch die Siedlungen der Stadt bis zum Ihlwald. Quelle: Wolfgang Glombik
Anzeige
Bad Segeberg

Selten einmal, dass es im Bad Segeberger Bauausschuss Beifallsbekundungen gibt. Mittwoch war es aber wieder einmal so weit. Als der sonst nicht gerade von positiven Bürger-Rückmeldungen verwöhnte Joachim Wilken-Kebeck (SPD) sagte: „Die Kleinbahntrasse ist von der Lage her für Radfahrer einzigartig. Aber sie zu asphaltieren – das könnte ich nicht über das Herz bringen“, bekam er eine „warme Dusche“. Es brauste lauter Beifall im Bürgersaal auf. Einige Besucher waren offenbar nur in den Bauausschuss gekommen, weil dieses Thema auf der Tagesordnung stand und zeigten sich erleichtert, dass die Stadtpolitiker dem Vorschlag von Kreisplaner Frank Hartmann (die LN berichteten) rundweg ablehnten.

Kreis wollte 75 Prozent der Kosten übernehmen

Die Bereitschaft des Kreises, den schönen Rad- und Wanderweg, der sich durch Bad Segeberg bis zum Ihlwald durchzieht und seine Fortsetzung bis Blunk findet, für Fahrräder mit einer Asphaltschicht „zu ertüchtigen“, hat viele Bad Segeberger offenbar aufgebracht. Der Kreis hätte dafür 75 Prozent der Kosten übernommen. Viel Geld. Auch Bad Segebergs Fahrradbeauftragter Udo Nickel stellte gegenüber den LN klar, dass er nicht für derartige Pläne plädiert habe.

Anzeige

Radverkehrskonzept des Kreises

Das Radverkehrskonzept des Kreises zeigt, wo die wichtigen Radwegeverbindungen bei Bad Segeberg sind. Die wichtigsten Velorouten gehen laut Kreisplaner Frank Hartmann Richtung Leezen, Fahrenkrug und Groß Rönnau. Hier sieht der Kreis auch für die Zukunft großes Potenzial. Bei der Kleinbahntrasse, die Bad Segeberg Richtung Norden im Radverkehr erschließen könnte, sei im jetzigen Zustand kein komfortables Fahrradfahren möglich. Ansonsten sei diese Route ideal, abseits vom Stadtverkehr, keine Steigungen, wenig Querungen.

Eine „geteerte Fahrradrennstrecke“ sei nicht tragbar

Wolfgang Tödt (BBS) kritisierte, dass man doch nicht in einem Naherholungsgebiet wie dem Ihlwald Wege asphaltieren könne. „Das kann es nicht sein.“ Er plädierte dafür, schadhafte Stellen auf dem Weg mit einer wassergebundenen Deckschicht – ähnlich wie im Südstadtpark – auszubessern. Im Ihlwald eine „geteerte Fahrradrennstrecke“ zu bauen, hielten er und seine Mitstreiter im BBS „für nicht tragbar“. Der Ihlwald müsse naturnah bleiben. Die Radwege müssten schon hergerichtet werden, aber so, dass sie in die Natur passten.

Auch Volker Stender (CDU) sprach sich gegen Asphalt aus, schlug vor, den Weg mit zusätzlichen Laternen für Schüler zu sichern. Annelie Eick (Grüne) forderte, den Weg mit einer wassergebundenen Schicht zu befestigen. Ihr Fraktionskollege Jochim Hollmann fand es hingegen nicht so abwegig, einen Radweg mit Asphalt zu befestigen, schon weil derartige Wege als Fern-Radwege genutzt werden könnten. Doch damit stand der passionierte Radfahrer mit E-Bike offenbar allein im Saal da.

Keine Förderung für wassergebundenen Weg

Kreisplaner Frank Hartmann stellt klar, dass ein neuer Radweg den Richtlinien entsprechen müsse. Einen wassergebundenen Weg werde der Kreis nicht fördern, „es sei denn, wir haben ganz viel Geld übrig“. Hartmann blieb gelassen, obwohl er von dem Städtern einen Korb bekam: „Ich finde es völlig in Ordnung, wenn sie so entscheiden, wir machen hier nur ein Angebot.“ Die Kreisförderung würde dann an andere Kommunen gehen.

Radweg von Bad Segeberg nach Schieren

Indes machten sich die Bad Segeberger einen Kopf darüber, wo man sonst den Radverkehr verbessern könnte. Wolfgang Tödt schlug vor, einen Radweg von Bad Segeberg nach Schieren zu bauen, und Wolfgang Juhls regte an, den Weg am Großen Segeberger See bis zur Badestelle Klein Rönnau für Räder zu befestigen. Doch Problem ist, dass der Weg dort nur ein reiner Fußweg ist. Tödts Seitenhieb: „Wenn Herr Juhls dort Fahrrad fährt, darf er das gar nicht.“ Die Stadt habe bislang mehrfach vergeblich versucht, bei der Kreisverkehrsaufsicht den Pfad als kombinierten Geh- und Radweg ausweisen zu dürfen. Bauamtschefin Antje Langethal augenzwinkernd: „Wir wissen natürlich, dass dort auch Fahrrad gefahren wird, kontrollieren das aber auch nicht weiter.“

Mehr zum Thema:

https://www.ln-online.de/Lokales/Segeberg/Nickel-macht-sich-fuer-Bad-Segebergs-Radler-stark

https://www.ln-online.de/Lokales/Segeberg/ADFC-Umfrage-Schlusslicht-Bad-Segeberg

Wolfgang Glombik