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Segeberg „Auge“-Jahresschau: Versteckte Botschaften in der Villa Flath
Lokales Segeberg „Auge“-Jahresschau: Versteckte Botschaften in der Villa Flath
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07:00 26.09.2019
Ursel Wiesen-Klomp mit einem Bild aus der Reihe "Blick auf Natur". Quelle: Irene Burow
Bad Segeberg

Eine Reihe versteckter Hinweise gibt es in der Villa Flath zu entdecken. Grazile, hölzerne Konturen ergeben nur bei genauem Hinsehen Sinn. Dazu ein Buch, das sich selbst schreibt. Gemalte Portraits, die an einem Zaun befestigt sind, und ein Bild, dass sich um seine eigene Achse drehen lässt – und erstaunlich unterschiedliche Interpretationen zulässt.

Feine Holzkunst, Malerei und Baumhäuser

Die Jahresschau der Ausstellungsgemeinschaft „Auge“ lädt dazu ein, sich bewusst umzuschauen – in der Villa Flath, und in der Gesellschaft. Vernissage von „Augen auf“ ist am Sonntag, 29. September.

„Rivalinnen“ hat Ursel Wiesen-Klomp gemalt. Auch „Trennung“ und „Die Nächste bitte“ setzen sich mit dem Theater des menschlichen Miteinanders auseinander. Sie hat sich gefragt, wie tolerant wir wirklich sind. Und wie schwer es ist, Gewohnheiten zu verändern. „Überall wird derzeit über Natur geredet. Doch was tun wir konkret?“ Diese Frage müsse sich jeder stellen. In ihrer Reihe „Blick auf die Natur“ zeigt sie einen zuweilen hilflosen Ausdruck im Gesicht der Menschen.

Auge: Ein Netzwerk für Beziehungen

Auf die Natur angewiesen waren Schüler der Ergotherapieschule Ergon. Was in ihren Werkstätten entstanden ist, zeigen sie zum ersten Mal in der Villa. Besucher dürfen den Blick in Baumhäuser klettern lassen. „Die Vorgabe war ein Ast auf einer Platte“, sagt Schulleiter Udo Nickel. Eisstiele und Streichhölzer sollten verwendet werden, und ein Haus entstehen. Der Rest ist Fantasie. „Es ist so detailreich geworden, wirklich irre. Man findet immer wieder Neues“, so Nickel. Im Fach Bildnerisches Gestalten wurden Holzscheibchen zu Treppen oder Schneckenhäuser zu Drinks.

Die Gruppenschau ist extrem heterogen – und das ist auch so gewollt. „Wir schließen den Kreis vom Auszubildenden bis zum 90-Jährigen, von der Gegenwart bis zur Zeitgeschichte“, sagt der Maler Konrad Schüler aus Kükels. „Wir wollen ein Netzwerk, um Beziehungen aufzubauen.“

Diese Künstler sind noch dabei

Die Bad Segebergerin Bettina Buff-Fröhlich hat Frauengesichter aus aller Welt gemalt. Teils so detailreich, dass sie kaum von einer Fotografie zu unterscheiden sind. Angebracht sind sie an einem Gitter. „Wenn Menschen hinter und vor Zäunen stehen, sollte man sich schon fragen, was in der Welt eigentlich los ist“, sagt die 63-Jährige. Lediglich ein Rahmen ist hinter dem Raster befestigt – ein Spiegel für den Besucher. Man darf sich in das Kunstwerk einreihen und „sich fragen, wo man herkommt, wo man geboren ist“.

Matthias Schierbeck aus Borstel zeigt Holzskulpturen, entstanden durch alte Drechseltechnik und mit der Laubsäge. Quelle: Irene Burow

Der Holzkünstler Matthias Schierbeck aus Sülfeld ist von der „Auge“ eingeladen worden und zum ersten Mal dabei. Seine Skulpturen zeigen Posen von Frauen, die Designer sonst zu Papier bringen. „Die Arbeiten sind mit alter Drechseltechnik und der Laubsäge entstanden“, sagt Schierbeck. Im Nebenraum hängen zudem Wandbilder mit Figuren, die aus dünnen Sperrholzplatten gesägt wurden.

Eine Premiere ist es auch für Ana Maria Valenzuelo, die aus Argentinien stammt, aber in Segeberg lebt. Sie hat Bücherseiten zu neuem Leben verholfen. „Eine Geschichte schreibt sich selbst“ baumelt zum Beispiel von der Villen-Decke. „Wie im wahren Leben“, sagt sie, „in dem jeder dazu beiträgt, seine Geschichte zu schreiben“. 2018 war sie Besucherin in der Villa Flath und bringt frischen Wind in die Kunstszene.

Großzügigkeit mit dem Pinsel entdeckt

Bei der Bad Segeberger Autodidaktin Katrin Lienau sind in den vergangenen Schaffensjahren feine, möglichst naturgetreue Darstellungen in den Hintergrund gerückt. „Ich habe die Großzügigkeit mit dem Pinsel entdeckt“, erklärt sie. „Da sind keine Linien, keine Realität mehr.“ Entsprechend „verwaschen“ hat sie unter anderem heimische Stadtansichten verarbeitet. Gegenstand, Motiv, Landschaft oder Stillleben werden nur erahnt.

Konrad Schüler zeigt eigene Malereien, in denen er elementare Grundformen und -farben verwendet. „Und doch entsteht ein lebendiges Feld von unendlichen Variationen“, sagt er. Mitgebracht hat er zudem gesammelte Lithografien mit Glaubensinhalten des Amerikaners Edwin Dickman (90). Der Maler und Grafiker lebt in Berlin.

Besonderes Ausstellungsstück bildet ein DDR-Wanderkino, präsentiert vom Segeberger Sammlerverein. Das TK 35 stammt aus dem Jahr 1947 und ist samt Spulen, Verstärker, Objektiven und Transportkoffern erhalten. Mehr Details dazu erläutert der Verein in der kommenden Woche am Einheitstag.

Mehr zum Wanderkino gibt’s am 3. Oktober

Die Ausstellungs-Gemeinschaft„Auge“ ist ein loser Zusammenschluss von Künstlern. Einmal im Jahr stellen bekannte und ausgewählte Kreative ihre aktuellsten Werke aus.

Die 27. Jahresschau findet im Rahmen der SE-Kulturtage statt. Vernissage ist am 29. September um 11.30 Uhr in der Villa Flath in der Bismarckallee 5. Sie ist vom 29. September bis 13. Oktober zu sehen. Geöffnet ist sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr.

Zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober gibt es eine Sonderveranstaltung von 11 bis 18 Uhr. Der Segeberger Sammlerverein stellt das Wanderkino aus DDR-Zeiten, TK 35, vor: Wie es nach Segeberg gekommen ist und wie einst Kultur den Weg aufs Land fand.

Von Irene Burow

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