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Segeberg Aus dem Alltag eines Verkehrsüberwachers in Bad Segeberg
Lokales Segeberg Aus dem Alltag eines Verkehrsüberwachers in Bad Segeberg
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10:52 25.09.2019
Direkt vor der KfZ-Zulassungsstelle herrscht Halteverbot: Verkehrsüberwacher Heiko Kohnert verteilt ein Knöllchen. Quelle: Sven Wehde
Bad Segeberg

Die schwarze Limousine steht direkt gegenüber dem Rathaus im eingeschränkten Halteverbot. Ein Mann lädt schnell noch ein paar Akten ein und braust davon. Ist das nicht? Na klar, Bad Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld. „Da hat er aber Glück gehabt, dass ich mein Diensthandy noch nicht abgeholt habe“, scherzt Verkehrsüberwacher Heiko Kohnert (53). Denn mit dem Gerät werden heutzutage auch die Verkehrssünden erfasst.

Tatsächlich dürfe man als Verkehrsüberwacher keine Unterschiede zwischen prominenten und anderen Bürgern machen. Das Ticket wäre dem Verwaltungschef trotzdem erspart geblieben, denn zum einen darf er bis zu drei Minuten im eingeschränkten Halteverbot stehen, und zum anderen können die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, wenn sie die Autofahrer direkt antreffen und diese einsichtig sind, es auch bei einer mündlichen Ermahnung belassen.

Vom Hausmeister zum Verkehrsüberwacher

Seit zwei Jahren macht der 53-Jährige schon den Job als Verkehrsüberwacher, früher war er Hausmeister an einer Schule. Als Ordnungsamtsmitarbeiter, der Strafzettel verteilt, ist man natürlich nicht überall beliebt. „Am Anfang hat es sich schon merkwürdig angefühlt, aber da gewöhnt man sich schnell dran“, erinnert sich der Verkehrsüberwacher und macht sich auf den Weg zu einem Parkscheinautomaten am Seminarweg. Bei der Stadt hatten sich Bürger gemeldet, dass der Automat kaputt sein soll.

Als der Verkehrsüberwacher den Parkplatz erreicht, stehen schon die ersten Menschen etwas unsicher vor dem Gerät. „Bitte benutzen sie den anderen Automaten 100 Meter weiter vor der Dahlmannschule“, erklärt Kohnert. Die meisten machen sich gleich auf den Weg, nur wenige verdrehen etwas die Augen. Sie hatten offenbar gehofft, jetzt umsonst parken zu dürfen, stattdessen müssen sie nun erstmal ein wenig laufen.

„Meist steht auf dem Automaten, was zu tun ist. Wenn es nur einen Parkscheinautomaten gibt und der ausfällt, reicht eine Parkscheibe. Wenn es aber einen zweiten gibt, muss dieser genutzt werden“, erklärt Kohnert. Als er den Automaten öffnet, entdeckt er schnell die Ursache für den Defekt. Jemand hat einen großen Silvesterböller in der Öffnung für das Wechselgeld gezündet. „Eigentlich sieht alles noch ganz gut aus, aber das Pulver aus dem Böller hat sich offenbar in der Elektronik verteilt“, sagt Kohnert. Es hilft nichts, da muss ein Techniker kommen.

Ein Zettel ist keine Parkscheibe

Wer seine Parkscheibe verbummelt hat, sollte sich schnellstmöglich eine neue besorgen. „Denn ein Zettel mit der Uhrzeit ersetzt die Parkscheibe nicht“, erklärt Verkehrsüberwacher Heiko Kohnert. Mittlerweile gebe es auch pinke Parkanzeiger und Ähnliches zu kaufen, doch auch diese sind nicht erlaubt. „Die Straßenverkehrsordnung erlaubt tatsächlich nur die orginale blaue Parkscheibe, da ist sogar die Größe der Ziffern festgelegt“, sagt Kohnert. Das Bußgeld für eine vergessene oder nicht zulässige Parkscheibe liegt zwischen 10 und 30 Euro, je nachdem wie lange falsch geparkt wird.

Beschimpfungen sind selten

Solche massiven Aggressionen sind beim direkten Zusammentreffen mit den Verkehrssündern selten. Nur einmal sei er von einem Radfahrer beschimpft worden, den er darauf hingewiesen hatte, dass er nicht mitten über den Wochenmarkt fahren könne, sondern absteigen muss. „Meistens sind die Leute freundlich und ärgern sich eher über sich selbst“, sagt Kohnert. Und wenn sie mal ein bisschen meckern, stört ihn das auch nicht so sehr. „Es ist ja auch ärgerlich, wenn man einen Strafzettel bekommt“, zeigt der 53-Jährige viel Verständnis, obwohl die Verkehrsüberwacher ja eigentlich nie etwas dafür können, denn sie machen die Straßenverkehrsordnung ja nicht, sondern der Gesetzgeber. „Wir überwachen nur die Einhaltung“, sagt er. Und ob jemand sich an die Regeln hält, ist am Ende immer die eigene Entscheidung.

Doch was ärgert eigentlich die Verkehrsüberwacher selbst am meisten? „Wenn Leute einfach ohne Berechtigung den Behindertenparkplatz benutzen, oder wenn Gehwege zugeparkt werden, so dass Eltern den Kinderwagen über die Straße schieben müssen“, braucht er nicht lange zu überlegen. Solche Verkehrssünder spreche er sogar an, wenn er nicht im Dienst sei. Und da lässt er auch nicht Gnade vor Recht ergehen.

Fingerspitzengefühl ist am wichtigsten

Ansonsten verlässt er sich auf sein Gefühl. Ein kleiner Toyota steht hinter dem Kreishaus auf einem Parkplatz, der eigentlich nur für Lkw vorgesehen ist. Kohnert macht Beweisfotos und schreibt den Strafzettel. Als das Knöllchen schon hinter dem Scheibenwischer klemmt, kommt eine junge Frau angelaufen. „Bitte, ich habe nur ganz kurz einen Zettel eingeworfen“, sagt sie fast flehend. „Sie dürfen hier nicht stehen, das ist ein Lkw-Parkplatz“, erklärt Kohnert. Beim Arbeitsamt sei alles voll gewesen, sie sei alleinerziehend... „Na ja, ich habe Sie jetzt ja mündlich verwarnt“, sagt der Verkehrsüberwacher schließlich und nimmt das Knöllchen zurück. „Vielen vielen Dank!“, sagt die Autofahrerin. Heiko Kohnert lächelt. „Man muss immer Mensch bleiben“, sagt er.

Von Sven Wehde

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