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Segeberg Ausschluss der Jugend: Segebergs Südstadtbeirat fühlt sich übergangen
Lokales Segeberg Ausschluss der Jugend: Segebergs Südstadtbeirat fühlt sich übergangen
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19:00 26.06.2019
Die Anlieger am Südstadtpark und der Beirat fordern abschließbaren Zaun und Einhaltung der Ruhezeiten beim Multifunktionsfeld. Quelle: Wolfgang Glombik
Bad Segeberg

„Nun ist der Drops gelutscht, die Entscheidung ist durch“, meinte ein Teilnehmer des Südstadtbeirats frustriert. Auf der Tagesordnung stand das Thema „Lärmschutz am Südstadtpark“ im Bad Segeberger Südstadtbeirat. Es ging hitzig zu, nicht nur wegen des Wetters. Denn die Stadtvertretung hat schon vor über einer Woche entschieden, den Multifunktionsplatz aus Lärmschutzgründen wegen drohender Klagen der Anlieger für Kinder und Jugendliche im Alter ab 14 Jahren zu schließen. Die Empfehlung des Beirats, der sich früher gegen eine derartige Altersbegrenzung ausgesprochen hatte, war im Bürgersaal komplett ignoriert worden. Zudem war der Beirat nicht einmal zur Sitzung ins Rathaus eingeladen worden. Das wurde als Affront, ja als Missachtung dieser demokratischen Vertretung der Anlieger gewertet. Gegenüber den LN hatte sich Beiratssprecher Tim Schnoor schon empört gezeigt, dass der Beirat einfach übergangen worden sei. Er habe mit dem Gedanken gespielt, deshalb zurückzutreten.

Aufstand gegen Stadtvertreter-Beschluss

Ein bisschen mutete es Dienstag an wie „der Aufstand der Zwerge“ gegen das höchste Gremium der Stadt. Doch nicht nur die Beiratsmitglieder, sondern auch Stadtpolitiker von vier im Rathaus vertretenen Fraktionen nahmen es in der Sitzung hin oder befeuerten es sogar, die Stadtvertretung zu einer schnellen neuen Entscheidung zu bewegen, ja die Politiker zur Sondersitzung aus dem Urlaub zu zitieren. Zwar hatte das höchste Gremium der Stadt ausdrücklich gegen einen abschließbaren Zaun gestimmt, aber Gabriele Abel, selbst betroffene Anliegerin am Multifunktionsplatz, forderte ihn weiter als „Zwischenlösung“: „Das ist der dritte Sommer, in dem wir nicht mehr rauskommen. Es fällt auch nach drei Jahren schwer, den Lärm auszuhalten.“

David gegen Goliath: Der Bad Segeberger Südstadtbeirat fordert eine neue Entscheidung der Stadtvertreter für die Zaun-Lösung. Quelle: Glombik

Sie plädiere dafür, den von der Verwaltung in Aussicht gestellten abschließbaren Zaun, der 11 000 Euro koste, aufzustellen und die Altersbegrenzung zur Nutzung des Feldes bis zum Alter von nur 13 Jahren zurückzunehmen. „Wir Anlieger haben keinerlei Interesse, dort Jugendliche zu vertreiben.“ Es gehe jetzt darum, wenn schon die Lämschutzwand jetzt zu teuer sei, wenigstens abends und sonntags Ruhe zu haben. Anlieger Erwin Frese forderte, dass die überraschende Kostensteigerung von nun 140 000 Euro für die Lärmschutzwand von der Verwaltung genau begründet werden müsse.

Kindergeschrei bis 13 Jahre gilt nicht als Lärm

Ute Heldt Leal vom Bauamt sah den Zaun nur als Übergangslösung, die Stadt habe weiterhin Bauanträge für eine Lärmschutzwand und ein neues Multifunktionsfeld im Gewerbegebiet beim Kreis eingereicht, teilte sie mit. Anna-Patricia Thomsen (FDP): „Ich hab da auch kein Patentrezept, wir müssen andere Ideen entwickeln.“ Solange die juristische Möglichkeit einer Klage offenstehe, sei dieses Problem nicht aus der Welt. Tatsächlich hat Anlieger Erwin Frese in einem Leserbrief von einer „gesetzeswidrigen Situation“ gesprochen, weil der Lärmpegel die gutachterlich festgestellten Höchstwerte überschreite. Die Stadtvertretung hatte indes eine Altersbegrenzung beschlossen, aus Angst vor drohenden Klagen der Nachbarn. Denn Kindergeschrei bis 13 Jahre gilt juristisch nicht als Lärm. Diese Altersbeschränkung wollen die Anlieger nun kippen.

Sondersitzung in der Urlaubszeit?

Die nächste Stadtvertretersitzung sei erst Anfang September, viel zu spät für eine schnelle Entscheidung, sagte Thomsen. Kirstin Tödt (SPD) schlug vor, eine Sondersitzung der Stadtvertretung einzuberufen. Michael Hintz (CDU) wand ein, ob das Gremium in der Urlaubszeit überhaupt beschlussfähig sei. Doch der Unmut darüber, dass der Beirat nicht gehört worden war, war immens. Anlieger und Beirat forderten einhellig, einen Zaun um das Spielfeld zu bauen – noch in diesem Sommer. So ein Antrag müsse sofort auf den Tisch der Fraktionsvorsitzenden, „sonst ist der Sommer um“, forderte Anna-Patricia Thomsen. Sie setzte sich quasi an die Spitze der Bewegung. Ob nun per Beschluss einer Sonder-Stadtvertretersitzung oder auf anderem Wege: Einstimmig bei einer Enthaltung wurden Zaun-Lösung und Abschaffung der Altersbegrenzung gefordert. Der Drops ist also offenbar noch nicht ganz gelutscht. . .

Wolfgang Glombik

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