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Segeberg SPD-Mann Gustav Böhm soll einen eigenen Platz bekommen
Lokales Segeberg SPD-Mann Gustav Böhm soll einen eigenen Platz bekommen
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20:00 14.05.2019
Den Bau der von ihm initiierten Wohnsiedlung hat er nicht mehr erlebt: Sozialdemokrat und Gewerkschafter Gustav Böhm starb schon 1950 mit 62 Jahren. Quelle: Familienbesitz
Bad Segeberg

Nein, schön sieht es derzeit nicht aus zwischen Theodor-Storm-Straße, Ostlandstraße und Hamburger Straße: Parkplatz, etwas Rasen, ’ne Bank. Kein Platz, dem man einem verdienten Menschen widmen möchte. Doch die Fläche wird für rund eine Million Euro umgestaltet, in eine grüne Oase mit Sitzgelegenheiten und hochwertiger Pflasterung, die das Eingangstor in die Südstadt von ihrem Schmuddel-Image befreit. Der Arbeitstitel „Westtor“ dafür wird abgelehnt, die SPD favorisiert den Namen Gustav Böhm, nach dem auch vor 68 Jahren die große Wohnsiedlung in der Südstadt benannt wurde. Auch die CDU ist nicht abgeneigt, den Sozialdemokraten als Namenspatron für den Platz zu nehmen.

Für rund eine Million Euro soll dieser Platz zum Schmuckstück für die Südstadt umgestaltet werden. Sein Name soll Gustav-Böhm-Platz sein. Quelle: Glombik

Doch wer war dieser Mann, dem man 1950 kurz nach seinem Tod ein ganzes Wohngebiet in der Südstadt widmete? In den vergangenen Monaten hat sich Heimatforscher Axel Winkler intensiv mit dieser Persönlichkeit beschäftigt. Bis vor kurzem existierte selbst im SPD-Archiv nicht einmal ein Foto Böhms. Axel Winkler bekam Bilder aus dem Familienbesitz. Nach Winklers Recherchen, die er jetzt in der Broschüre „Gustav Böhm und seine Siedlung“ veröffentlicht, sei es Böhm „grundsätzlich um die Sache gegangen, die anderen Menschen weiterhalf“. Wenn man Gustav Böhm charakterisiere, dann sei er „bescheiden als Mensch und bedeutsam für Bad Segeberg“. Im ersten Weltkrieg wurde Böhm in der Kriegsmarine verwundet. Mitte der 1920er-Jahre verließ der gebürtige Hitzhusener Kiel und kam nach Bad Segeberg, wohnte im Haus Kalkberg 8.

Böhm setzte sich für Arbeiter ein

Der Gewerkschaftsangestellte Böhm kandidierte 1925 für Kreistag wie für die Stadtvertretung auf der Liste der SPD: In Bad Segeberger Magistrat vertrat Böhm nach Forschungen von Winkler als einziges Mitglied das linke Lager, musste sich gegenüber einem stramm rechten Bürgermeister behaupten. Böhm setzte sich als SPD-Mitglied für die ärmere Bevölkerung ein, als Gewerkschafter kämpfte er für bessere Lebensbedingungen der Landarbeiter. Böhm setzte sich in der Stadtpolitik für den Ausbau der städtischen Straßen ein, die sich damals in einem katastrophalen Zustand befanden, auch um Erwerbslosen zur Arbeit zu verhelfen.

Die Gustav-Böhm-Siedlung in der Südstadt. Quelle: Glombik

Doch in Bad Segeberg gewannen die Nationalsozialisten immer mehr die Oberhand, am 30. Januar 1933 wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt, sechs Wochen später standen Kommunalwahlen an. Trotz des Naziterrors wurde Böhm zum dritten Mal hintereinander in Kreistag und Stadtvertretung gewählt. Seine politischen Ämter durfte er nicht antreten. Chronist Winkler vermutet, dass Böhm um 1933 in Haft kam, „wahrscheinlich im völlig überfüllten Stadtgefängnis“ interniert gewesen sei. Der NS-Ortsgruppenleiter Otto Gubitz tönte damals, dass „die Linken, die rund um den Kalkberg wohnten“ in umliegende Dörfer geflohen sein. Dort hätten sie in Scheunen nachts von ihren Frauen das Essen gebracht bekommen.

Ein neues Zuhause für fast 700 Menschen

Böhm ging wieder nach Kiel, arbeitete dort, sei auch drangsaliert worden. Nach dem Krieg zog das Ehepaar Böhm zurück nach Bad Segeberg, dessen Einwohnerzahl durch Flüchtlinge und Vertriebene sich verdoppelt hatte. Winkler: „Wohnungen, Schulplätze und Krankenhausbetten fehlten in einem unvorstellbaren Ausmaß“. 1949 ließ sich Böhm zum vierten Mal für den Stadtrat aufstellen Er wurde gar Fraktionsvorsitzender der SPD und setzte seine Verbindungen und Kenntnisse als Gewerkschafter ein, um die zum Bau einer Siedlung nötigen Mittel der amerikanischen Marshall-Hilfen aus dem European Recovery Program (ERP) nach Bad Segeberg zu holen, immerhin 1,8 Millionen DM. In 200 Wohnungen fanden 1951 nach der Fertigstellung 680 Menschen, darunter fast 200 Kinder, ein neues Zuhause. Böhm selbst hat das nicht mehr erlebt, er starb im Krankenhaus von Rickling am 12. März 1950, „liebevoll begleitet von seiner Frau Friederike, genannt Friedel“, schreibt Winkler. Böhm hatte das Geld für die Neubauten organisiert. Im August 1950 beschlossen die Stadtvertreter, die Wohnblocks zur „Gustav-Böhm-Siedlung“ zu benennen.

Wolfgang Glombik

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