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Segeberg Azubi fährt betrunken Dienstwagen zu Schrott
Lokales Segeberg Azubi fährt betrunken Dienstwagen zu Schrott
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21:10 13.12.2016
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Norderstedt

Betrunken, ohne Führerschein und ohne Erlaubnis des Eigentümers in einem fremden Wagen, nämlich dem Ford-Transit seines Arbeitgebers, war der Auszubildende Nikolas R. (21, abgekürzte Namen von der Redaktion geändert) Mitte Juli letzten Jahres in den frühen Morgenstunden auf Norderstedts Straßen unterwegs.

Ein Anwohner hörte einen Knall, sah aus dem Fenster und erkannte, dass R. erst einen am seitlichen Fahrbahnrand am Hummelsbütteler Steindamm abgestellten Wohnanhänger gerammt hatte – und dann in dem Ford auf die andere Straßenseite gegen einen parkenden Audi geschleudert war. R. fuhr noch circa 400 Meter weiter, ließ dann den Transit mit gestecktem Zündschlüssel an der Straße stehen und setzte seinen Weg zu Fuß fort. Die Liste der verursachten Straftaten erweiterte sich damit neben Trunkenheitsfahrt und Straßenverkehrsgefährdung noch um eine Fahrerflucht.

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Das Nachspiel fand gestern vor dem Jugendgericht in Norderstedt statt, denn der Angeklagte war damals 19 Jahre alt und damit Heranwachsender.

An viel kann sich der junge Norderstedter in der Verhandlung nicht mehr erinnern. Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr war er damals auf dem Gelände seines Arbeitgebers am Aufbau für ein Sommerfest beteiligt, das am nächsten Tag stattfinden sollte. Während der Arbeiten wurde ordentlich gebechert. „Ich trank ein paar Bier und einige Mischgetränke mit Whiskey“, erzählt R. Damals habe er fast täglich Alkohol getrunken. Das ist erkennbar. Bei der Polizeikontrolle waren dem damals 19-Jährigen normale Reaktionen attestiert worden – trotz 1,7 Promille Blutalkohol. Zur Tatzeit muss der Angeklagte fast zwei Promille Alkohol im Blut gehabt haben.

„An ihrer Täterschaft besteht kein Zweifel“, erklärt Jugendrichterin Claudia Naumann dem zerknirscht wirkenden jungen Mann. Die Ermittler der Polizei hatten einen Personenkreis ausfindig gemacht, der Schlüssel und Zugang zu den betriebseigenen Fahrzeugen besaß. Endgültig überführt wurde der Angeklagte anhand von Textilfasern seiner Kleidung, die mit Fasern auf dem Fahrersitz des Ford übereinstimmten.

„Obwohl ich mich nicht daran erinnere, kann ich mir vorstellen, dass ich es war“, so der Angeklagte. Er wisse aber nur noch, dass er im Park Bekannte treffen wollte.

Der Preis, den der Angeklagte für seine Verfehlungen zahlen muss, ist hoch: Er verlor seinen Ausbildungsplatz, jobbt zurzeit als Gärtner. Sein ehemaliger Arbeitgeber verlangt zudem 30 000 Euro Schadenersatz von ihm. Angesichts des verursachten Schadens keine ungewöhnlich hohe Summe: Wie die Richterin in der Anklage verliest, war bei dem Wohnanhänger die gesamte Unterseite weggerissen, die Teile lagen auf der Straße verteilt. Auch der parkende Audi und der Firmenwagen waren stark beschädigt.

Der Schock saß bei ihm offenbar tief, denn Nikolas R. trank bis vier Monate nach dieser Nacht keinen Alkohol mehr. Und auch jetzt noch deutlich weniger, wie er das Gericht wissen lässt. Das Urteil fällt milde aus, verstärkt aber das finanzielle Desaster: Der Angeklagte wird verwarnt und muss 900 Euro an das Deutsche Rote Kreuz zahlen sowie die Prozesskosten tragen. Auf einen Führerschein muss er mindestens ein weiteres Jahr warten, denn so lange gilt für ihn noch eine Erteilungssperre.

 Martina Kausch