Bad Segeberg: Illegale Abfallentsorgung auf dem Reitplatz der Rennkoppel?
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Segeberg Illegale Abfallentsorgung auf dem Reitplatz der Rennkoppel in Bad Segeberg?
Lokales Segeberg

Bad Segeberg: Illegale Abfallentsorgung auf dem Reitplatz der Rennkoppel?

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08:00 18.09.2020
Auf den ersten Blick sieht der Reitplatz, der gerade für das Landesturnier vorbereitet wurde, tipptopp aus. Doch wegen synthetischer Zuschlagstoffe im Sand warnt eine Gutachterin vor Gesundheitsgefahren. Außerdem werde die Natur durch herumfliegende Plastikteile verschmutzt. Quelle: Wolfgang Glombik
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Bad Segeberg

Ist der Reitplatz auf der Rennkoppel gesundheitsgefährdend für Reiter und Pferde? Handelt es sich bei dem verwendeten Material gar um illegale Abfallentsorgung? Diese Fragen wirft in einer E-Mail, die den LN vorliegt, die vereidigte Sachverständige für Zucht, Haltung und Turniersport, Dr. Cornelia Dreyer-Rendelsmann, auf, die auf Anfrage der Segeberger Grünen eine Stellungnahme abgegeben hat.

Bereits im Juni hatte sich herausgestellt, dass Krähen Kunststoffteile vom Reitplatz als Nistmaterial verwendeten. Bis auf den Großen Segeberger See hinunter sind Plastikteile verweht worden. Der Pferdesportverband hatte auf der städtischen Rennkoppel einen Turnier-Platz mit einem Gemisch aus Sand und Vlies frisch bedeckt. Dabei sei auch Material verwendet worden, das Kunststoffteile von geschredderten Teppichresten enthalte, schlugen die Segeberger Grünen Alarm. Nun scheinen sich ihre Bedenken zu bewahrheiten.

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Kreisbehörden sind alarmiert und prüfen

Zumindest sind die zuständigen Behörden aufgeschreckt. Auf die Frage nach Vorsorgemaßnahmen beim Landesturnier, das coronabedingt ab Freitag, 18. September, an zwei Wochenenden nur in abgespeckter Form stattfinden soll, antwortete der Kreis-Pressesprecher vor einigen Tagen, dass aktuell geprüft werde, ob eine Gefährdung vorliege und Vorsorgemaßnahmen zu treffen seien. Eine Gefährdung von Boden und Grundwasser liege nach bisherigen Erkenntnissen nicht vor. „Der Fachdienst Infektionsschutz und umweltbezogener Umweltschutz wurde beteiligt. Es wird weiter geprüft.“

Bei näherem Betrachten sieht man die zentimetergroßen Vlies-Stücke im Sand. Für die Sachverständige Dr. Cornelia Dreyer-Rendelsmann ist das illegale Müllentsorgung in der Natur. Die Behörden ermitteln nach ihrem Hinweis. Quelle: Bad Segeberg

Inzwischen liegt auch eine Anzeige wegen unerlaubter Abfallentsorgung vor. Die Umweltpolizei habe Proben entnommen, teilt Polizeisprecher Lars Brockmann mit. Der Fall sei an Kreis und Stadt zur weiteren Prüfung abgegeben worden. Jetzt müsse klargestellt werden, ob es sich bei dem Material auf dem Reitplatz um gesundheitsgefährdenden Abfall handele.

Sachverständige warnt vor möglichen Gesundheitsgefahren

Für die Sachverständige Cornelia Dreyer-Rendelsmann gibt es da keinen Zweifel. Sie warnt in einem Schreiben an die Bad Segeberger Grünen davor, dass Sand und Zuschlagstoffe im Alterungsprozess eines Platzes „zu lungengängigen Kleinstpartikel zerrieben würden“. Diese Teilchen tangierten nicht nur die Lungen von Mensch und Pferd, „sondern werden über Luft und Wasser in die Umwelt ausgetragen“. Das Sicherheitsdatenblatt, das der Stadt und dem Verband der Reiter vorliege, zeige gleich in mehreren Punkten, dass dieses Gemisch nicht als Material für den Reitplatz geeignet sei.

Tatsächlich liest sich das Ganze wie eine „Gebrauchsanleitung“ im Umgang mit Giftstoffen oder Sondermüll: Das Vliesmaterial solle trocken gelagert werden, bei der Reinigung eine Schutzausrüstung getragen werden, Augen sollen mit Wasser gespült werden. Bei dem Umgang mit dem Material dürfe man nicht essen oder trinken. Die Verbreitung durch Wind soll vermieden werden. Doch genau das ist nach dem Aufbringen des neuen Material passiert. „Dabei ist es offensichtlich zu Verschmutzungen in der Umgebung gekommen,“ teilt Bauamtsleiterin Antje Langethal mit. Diese habe aber der Pferdesportverband inzwischen selbst beseitigt.

Illegale Müllentsorgung? Aus der Vogelperspektive sieht die Reitanlage auf der Rennkoppel kurz vor dem Freitag beginnenden Landesturnier perfekt aus, doch die Tretschicht auf dem Reitplatz muss jetzt auch nach Meinung der Behörden genau untersucht werden. Quelle: Wolfgang Glombik

Eigentümer der Rennkoppel ist die Stadt Bad Segeberg, steht also mit in der Pflicht. Der Pferdesportverband habe ihr versichert, dass jetzt eine ausreichende Bewässerung vorgenommen werde, dass keine Gesundheitsgefahren bestehen, sagte Antje Langethal auf LN-Nachfrage. „Es sollen keine Teilchen in die Luft kommen und sich weiter verbreiten, wir wollen eine Gefährdung ausschließen. “

Stadt fordert vom Sportverband Kontrolluntersuchungen

Kreis und Stadt haben danach dem Pferdesportverband dringend empfohlen, Kontrolluntersuchungen des Materials auf dem Reitplatz vorzunehmen. Die Frage sei jetzt noch, wohin das Material gegebenenfalls entsorgt werden müsste, fragt sich Langethal. Die Stadt werde sich hier aber keinesfalls an einer teuren Entsorgung finanziell beteiligen. Das sei allein Sache des Reitsportverbandes. Sie gehe nicht davon aus, dass die Stadt hier zur Kasse gebeten werden könnte. Für sie sei aber der Fall Anlass zu prüfen, dass auf städtischen Boden nur Beläge verwendet werden, „die eine entsprechende Zulassung haben“.

Bauamtsleiterin Antje Langethal will bei den zu verwendenden Beläge auf dem Reitplatz dem Landesreitsportverband mehr auf die Finger schauen. Quelle: Glombik

Pferdesportverband: Seit Jahren bewährter Belag

Beim Pferdesportverband verweist man auf das Sicherheitsdatenblatt des Hersteller. „Wir gehen davon aus, dass das korrekt ist“, teilt Geschäftsführer Matthias Karstens auf LN-Nachfrage mit. Das sei seit Jahren ein bewährter Belag für Turniersportanlagen auch andernorts. Bei der Erneuerung des Belages im Frühjahr sei ein Teil der bisherigen Tretschicht abtransportiert worden und neues Material mit einer Vlies-Sandmischung hinzugekommen.

Für den grünen Stadtvertreter Dr. Henning Vollert ist es hingegen „der Hammer“, dass der Pferdesportverband trotz Gutachter-Bedenken hier dieses Material mit Kunststoffteilen ausgetauscht habe. „Die haben nicht darüber nachgedacht und das Zeug wieder neu verteilt.“ In einer geschlossenen Reithalle wäre es vielleicht möglich, so ein Material zu verwenden, „aber in der offenen Natur ist das Abfall“. Er forderte die Stadt auf zu prüfen, ob „der eingebrachte Boden ein Verstoß gegen Paragraf 326 (Unerlaubter Umgang mit Abfällen) oder andere Gesetze“ darstelle.

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Von Wolfgang Glombik