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Segeberg Müssen für die Lärmschutzwand Bäume weichen?
Lokales Segeberg Müssen für die Lärmschutzwand Bäume weichen?
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16:54 04.04.2019
Diese drei großen Bäume um das Spielfeld stehen zur Debatte.
Diese drei großen Bäume um das Spielfeld stehen zur Debatte. Quelle: Irene Burow
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Bad Segeberg

Klettern, kokeln oder Graffiti: Ganz auszuschließen ist keine Art von Vandalismus bei der neuen Lärmschutzwand im Südstadtpark. Der örtliche Beirat hat sich jetzt dennoch für eine Variante entschieden. Sie kommt mit einem schmalen Erscheinungsbild daher, kann bepflanzt werden und mit durchsichtigen Elementen gemischt werden. „Sie ähnelt den Lärmschutzwänden an Autobahnen“, erklärte Stephan Gosch von der Ingenieurgesellschaft GSP in Bad Oldesloe. Dabei werden 5,5 Meter lange Stahlstützen in den Boden eingelassen, damit die Schutzwand am Ende vier Meter herausragt.

Drei Bäume auf dem Prüfstand

„Es muss geprüft werden, ob die Bäume stehen bleiben können“, sagte er am Mittwoch auf der Sondersitzung des Beirats. Denn die Wand wird von oben befüllt. Die Äste von mindestens zwei, vielleicht sogar drei Bäumen ragen recht weit über den Sportplatz. Um die Parameter des Gutachtens zu erfüllen, muss die Wand einen halben Meter neben dem Spielfeld stehen.

Die Lärmschutzwand wird das Bild des 2016 aufgewerteten Parks verändern. Quelle: Irene Burow

Dessen lautstarke Nutzung des Spielplatzes zehrt seit fast drei Jahren an den Nerven der Anwohner. „Das Gegröle und Getobe ging den ganzen Winter durch. Wir werden wahnsinnig“, sagte eine Anwohnerin. „Wenn nicht immer mal einer von uns Nachbarn hingehen würde, hätten wir gar keine Ruhe mehr. Es ist nicht unser Bestreben, dass die Jugendlichen weg sollen. Aber wir müssen alle miteinander zurechtkommen. Wir werden immer älter und wollen im Sommer auch mal draußen sitzen.“

Ballfangzäune sollen abgebaut werden

Gitter und eine Schicht Steinwolle sollen den Lärm bei der nun präferierten Wand schlucken. Pflanzen können daran hochranken. „Es können durchsichtige Scheiben aus Kunststoff eingebaut werden, damit man eine soziale Kontrolle bekommt“, sagte Stephan Gosch. Momentan wird davon ausgegangen, dass die jetzigen Ballfangzäune abgebaut werden.

Kosten für die reine Wand: Rund 60 000 Euro. Das bezieht sich auf Flächen, die gut erreichbar sind. „Im Südstadtpark kommen wir aber nur schwer an die Stelle heran“, sagte Gosch. Weiter draufgerechnet werden müssten der Umbau, eine neue Pflasterung und Zuwegung, womöglich noch Beleuchtung und die Pflege der Pflanzen.

Drei Jahre Lärm für die Anwohner

Juli 2015: Das neue Gesicht des Südstadtparks steht fest.

September 2016: Der neue Südstadtpark entsteht.

Juli 2017: Erste Proteste werden laut.

November 2017: Anwohner beschweren sich bei der Stadt.

Juni 2018: Ein Gutachter gibt den Anwohnern Recht, Lärmwerte werden überschritten. Er empfiehlt eine vier Meter hohe Lärmschutzwand.

September 2018: Der Südstadtbeirat stimmt für die Lärmschutzwand, die an drei Seiten des Spielfeldes Lärm minimieren soll.

Februar 2019: Die Schutzwand kommt frühestens im Herbst.

„Erst wenn wir Kontakt zu Herstellern aufgenommen haben, können wir die Frage mit den Bäumen klären und das Projekt konkret mit Kosten belegen“, sagte Bad Segebergs Stadtplanerin Ute Heldt Leal.

Die andere Variante wäre nur ungleich günstiger geworden. Die pyramidenförmige Schutzwand mit Pflanzen wurde abgelehnt, weil sie zu wuchtig aussieht. Zwar ist sie weniger anfällig für Graffiti. Dafür erschien dem Beirat eine 60 Zentimeter große, obere Sitzfläche eine zu große Motivation zum Klettern zu sein. „Ich hätte Bedenken, dass die Setzlinge herausgerupft werden“, sagte Gosch. „Wenn sich fünf bis sechs Leute langweilen, ist es nur eine Frage der Zeit, dass die Pflanzen zurückgehen“, sagte Luzian Roth (CDU).

Dunkelheit zieht Kriminelle an

Auch bei der schmalen Wand gibt es noch Bedenken. Durchsichtige Scheiben würden das Unterfangen noch teurer machen. Ohne sie würde der Platz jedoch recht dunkel. „Ich bin überzeugt davon, dass die Kriminalität zunehmen wird. Es ist eine Einladung für merkwürdige Machenschaften“, sagte Victor Kuhrt vom Jugendbeirat. Dann müsse Beleuchtung angebracht werden, warf Annelie Eick (Grüne) ein.

Aufgrund von Anwohnerprotesten sind Schilder mit „Öffnungszeiten“ angebracht worden. Quelle: Irene Burow

Dorina Klaus (CDU) schlug vor, die Jugend mit einzubeziehen, etwa eine Fläche für Graffiti freizugeben und Künstler zu fördern. Die Wand soll maßgeblich von außen bepflanzt werden.

Mit großer Mehrheit wurde für diese Variante gestimmt – mit einer Enthaltung und einer Gegenstimme. „Für mich ist das nicht durchdacht genug. Das Erscheinungsbild des Parks wird sich verändern. Die Kosten werden immens. Es ist unklar, ob Bäume weg müssen. Das will und kann ich nicht vertreten“, sagte Ulrike Schaffer im Bezug auf ihre Gegenstimme. Das alles brachte sie zwischenzeitlich zu einer weiteren Variante: „Die Stadt hat nicht unendlich viel Geld. Was kostet es, das Spielfeld abzubauen?“ Doch das stand am Mittwochabend in der Versöhnerkirche nicht zur Debatte.

Stadt im Gespräch mit Sicherheitsdienst

Gabriele Abel von der Anti-Lärm-Initiative „Schalldämpfer“ wollte noch einmal wissen, wann mit der Wand zu rechnen sei. „Uns ist bewusst, wie eilig es Ihnen ist. Es geht straff weiter, ich hoffe im Herbst“, sagte Stadtplanerin Ute Heldt Leal. Die Anwohner wünschen sich solange den Sicherheitsdienst Mebo zurück. Die Stadt ist mit dem Unternehmen im Gespräch. „Ich weiß, dass das mit Kosten verbunden ist. Aber für uns bedeutet er Lärm einen großen Einschnitt in unsere Lebensqualität“, sagte Gabriele Abel.

Der Park war 2016 im Rahmen des Projektes „Soziale Stadt“ für eine halbe Million Euro zu einer attraktiven Grünanlage mit Spielgeräten umgestaltet worden. Das Kleinod wurde zum Anziehungspunkt, jedoch auch für lautstarke Jugendliche (siehe Info-Text).

Irene Burow