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Segeberg Kein Ehrengrab für Segebergs toten Konsul
Lokales Segeberg Kein Ehrengrab für Segebergs toten Konsul
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18:00 16.05.2019
Der Grabstein ist weg: Peter Sauer an eingeebneten Ruhestätte von Bad Segebergs Ehrenbürger Otto W. Jürgens Quelle: Wolfgang Glombik
Bad Segeberg

Es ist schon tragisch, dass seine großzügigen Geschenke, mit denen er Bad Segeberg und das Umland vor Jahrzehnten bedachte – unter anderem eine Soldaten-Skulptur, ein Bronze-Engel, eine Kirchenglocke und ein Kirchenfenster – meist verkramt, versenkt und verbuddelt wurden. Nun wurde auch das Grab von Konsul Otto W. Jürgens, seines Zeichens Mäzen und hochgeachteter Ehrenbürger Bad Segebergs, umgepflügt. Es wurde vom städtischen Bauhof auf Anweisung der Verwaltung eingeebnet. Jürgens Grabplatte wird im Bauhof gelagert.

Der Grabstein des Ehrenbürgers Otto W. Jürgens wurde entfernt, wird jetzt im Bauhof gelagert. Quelle: Privat, hfr

„So also hält die Stadt das Gedenken an ihre Ehrenbürger aufrecht“, wundert sich Heimatkundler Peter Sauer, der sich seit Jahren besonders der verstorbenen Ehrenbürger annimmt. „Leichenforscher“ sei der nimmermüde Daten-Sammler deshalb scherzhaft im Rathaus genannt worden. Sauer schmunzelt darüber. Nicht aber über die Geschichtsvergessenheit gegenüber lokalen Größen. Andere Städte würden nicht so mit ihren Ehrenbürgern umgehen, weiß er. Vor wenigen Tagen wollte Peter Sauer die Blumen „seiner Ehrenbürger“ auf Bad Segebergs Friedhof, Otto Flath und Otto W. Jürgens, gießen. Doch die Grabplatte von Jürgens war futsch, die Blumen entsorgt, das Grab umgepflügt. Sauer war fassungslos.

Stadt will Grab nicht weiter finanzieren

Bei der Stadtverwaltung hat man entschieden, das Grab von Otto W. Jürgens nicht weiter zu finanzieren. Seit 27 Jahren, so berichtet der stellvertretende Amtsleiter Torsten Link auf LN-Nachfrage, habe die Stadt freiwillig die Kosten für die Grabstelle getragen. Dazu sein man nicht mehr bereit. Das Grab sei eingeebnet worden, zumal es offensichtlich auch keine Erben gebe, die bereit seien, dafür aufzukommen. Link: „Es besteht keine Verpflichtung seitens der Stadt, die Kosten weiterhin zu tragen.“ Der Grabstein werde jetzt im Bauhof zwischengelagert. Bevor der Stein in Vergessenheit gerate oder verschwinde, würde ihn Peter Sauer „lieber zu mir nehmen“. Einen Platz in seinem Garten werde sich schon dafür finden.

So kannte man Konsul Otto W. Jürgens: Hier bei der feierlichen Einweihung einer seiner geschenkten Skulpturen. Quelle: Glombik

Auf den Ehrenbürger von 1924 war Sauer gestoßen, als er im Grundbuch des väterlichen Hauses in der Schillerstraße 9 feststellte, dass Jürgens dieses 1921 von dem Kunst- und Handelsgärtner Carl Stämmler (1839 bis 1926) gekauft hatte. Das Haus blieb bis 1962 im Besitz von Jürgens. Der 1874 geborene Segeberger war 1891 nach Amerika ausgewandert, hatte es vom Tellerwäscher zum Anwalt in Chicago gebracht.

Edler Spender für Bad Segeberg

1959 würdigte die Segeberger Zeitung den Sohn der Stadt bei einem Besuch in Bad Segeberg und hob hervor, dass „seine Gattin“ Nachkomme von Johann Strauß, dem Walzerkönig sei. Bad Segeberg verdanke dem Ehrenbürger viel, teilte das Blatt mit. „Besonders in der Inflationszeit hatte er stets eine hilfreiche Hand und schickte der Vaterstadt wertvolle Spenden. Außerdem schenkte er ihr bedeutsame Liegenschaften.“

Die Stadt erwies sich als dankbar und kürte ihn am 17. September 1923 zum Ehrenbürger. Die Präsente von Jürgens hörten indes nicht auf: 1926 schenke der Konsul dem Segeberger Militärverein eine Bronzefigur, eine Nike (Siegesgöttin). Die Skulptur wurde 1934 von Unbekannten vom Sockel abgesägt und im Segeberger See versenkt. Angeblich, weil sich junge Segeberger an dem entblößten Busen der Göttin auf dem Ehrenfriedhof störten. In der Dahlmannschule hängt eine Plakette, die Jürgens dem 15-jährigen Erhard Saager widmete, der 1946 vergeblich versucht hatte, einen im Eis auf dem Segeberger See eingebrochenen Kind das Leben zu retten und dabei selbst im See versank.

Umstrittener Wohltäter in Garbek

Vor neun Jahren hatte sich der inzwischen verstorbene Heimatchronist Christoph Frommhagen auf die Spur des Bad Segeberger Ehrenbürgers Otto W. Jürgens gemacht. Es sei durchaus denkbar, dass Jürgens selbst Legenden in Umlauf gebracht und so sein Persönlichkeitsbild aufpoliert habe, kam Frommhagen zum Schluss in den LN. Tatsächlich schienen einige seiner Wohltaten eher kurioser Natur zu sein. Der Garbeker Schule – dort hatte sein Großvater 40 Jahre unterrichtet – spendete er jedes Jahr zehn Mark für Vogelfutter. Für die Marienkirche gab es eine Stahl-Glocke, wo er seine Eltern mit Inschrift verewigte. Doch die Stahlglocke war schnell defekt. Nachdem die von ihm gestiftete Nike 1934 im Segeberger See versenkt worden war, ließ Jürgens 1951 den alten Sockel nach Garbek transportieren und dort eine Soldatenfigur aus Österreich aufstellen. Frommhagen berichtete, dass diese Figur 1962 von Unbekannten auf einem Acker bei Garbek verscharrt worden sei.

Sauer plädiert nun dafür, den Grabstein Jürgens nicht zu entsorgen, sondern auf der Südseite der Marienkirche würdig aufzustellen. Andere verstorbene Ehrenbürger wie Carl Wilhelm Ludwig von Rosen (1788 - 1853), Johann Phillip Ernst Esmarch (1794 - 1875), Christian Friedrich Heinrich Wulff (1870-1936), Otto Flath (1906 - 1987), Artur Kraft (1903 - 1981) und Uwe Bangert (1927 - 2017) könnten dort auch geehrt werden. Auf einigen Gedenksteinen seien die Inschriften ohnehin nicht mehr lesbar, sie müssten gereinigt werden. Peter Sauer: „Bad Segeberg darf seine lokalen Größen der Geschichte nicht in Vergessenheit geraten lassen.“

Wolfgang Glombik

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