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Segeberg Bad Segeberg soll Museumsstadt werden
Lokales Segeberg Bad Segeberg soll Museumsstadt werden
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20:00 09.09.2019
Das Gebäude der Wollspinnerei (li.) und das Wohnhaus (re.) mit dem Café Spindel gehören jetzt dem Förderverein der Wollspinnerei. Quelle: Petra Dreu
Bad Segeberg

Das freute die Mitglieder des Fördervereins der Wollspinnerei Blunk, der erst seit wenigen Tagen Eigentümer des Industriedenkmals ist: Am Sonntag, zum Tag des offenen Denkmals, kamen viele Besucher vorbei, um sich ihren Schatz in Form historisch wertvoller Maschinen in alter und sanierungsbedürftiger Bausubstanz anzusehen, die der Förderverein nicht nur erhalten, sondern zu einem Museum ausbauen möchte.

Industriedenkmal öffnete am Sonntag seine Türen

Bis es soweit ist, wird zwar noch viel Zeit ins Land gehen und viel Überzeugungsarbeit nötig sein, dennoch sind die Chancen dafür keineswegs schlecht. Die Gutachter seien bislang begeistert gewesen. „Sie sehen nicht nur die Maschinen, sondern das Gesamtpaket mit allem Drum und Dran. Dazu gehört vor allem die soziale Komponente. Wie lebten die Arbeiter und die Eigentümer-Familie? Wie sah ihre Wohnung aus? Das macht für die Gutachter den besondern Reiz aus. Sie setzen auf diese soziale Komponente“, sagt Thomas Krüger, Vorsitzender des bislang 30 Mitglieder starken Fördervereins.

Firmeneintrag wird gelöscht

In den nächsten Tagen soll die immer noch ins Firmenregister eingetragene „Wollspinnerei C. & F. Blunck KG“ gelöscht und der Auftrag für eine Machbarkeitsstudie inklusive Museumskonzept in Auftrag gegeben werden. 15 000 Euro übernimmt das Land für die Begutachtung der tonnenschweren Präzisionsmaschinen, weitere Komponenten der Studie sind die pädagogischen Aspekte der Wollspinnerei als Museum und die Analyse der Bausubstanz, deren Sanierung vor zehn Jahren auf 1,5 Millionen Euro geschätzt worden war. Für die dringendsten Arbeiten sind damals bereits 500 000 Euro investiert worden.

Thomas Krüger ist froh, dass die Eigentümerfamilie sowohl das Fabrikgebäude als auch das Wohnhaus mit dem gewerblich genutzten Teil des Cafés „Spindel“ zu einem „Freundschaftspreis“ an den Förderverein veräußert hat. Friedrich-Georg Blunk wurde ein lebenslanges Wohnrecht eingeräumt. An der Vermietung des Erdgeschosses an das Diakonische Werk mit dem Cafébetrieb soll sich nichts ändern. Die Mieteinnahmen dienen zur Tilgung des Darlehens, das der Förderverein für den Kauf aufnehmen musste.

Das Lebenswerk einer Familie

„Als Verein werden wir es einfacher haben, Fördergelder beantragen zu können“, glaubt der Vorsitzende. Er und seine Mitstreiter hoffen weiterhin auf die Unterstützung von der Politik. Vor allem der SPD-Bundestagsabgeordnete Franz Thönnes habe sich bis zu seinem Ausscheiden aus dem Bundestag 2018 für den Erhalt der Wollspinnerei eingesetzt. Im Oktober wolle die SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn der Industriebrache einen Besuch abstatten und wahrscheinlich auch nicht mit leeren Händen kommen.

Die Wollspinnerei und ihr Förderverein

Die Wollspinnerei Blunckwurde 1852 gegründet und war bis vor wenigen Tagen ununterbrochen im Besitz der Familie, die es einer Unachtsamkeit eines Standesbeamten zu verdanken hat, dass der Name eines Teils der Familie „Blunck“, eines anderen Teils aber „Blunk“ geschrieben wurde. Sowohl das Wohn- und Geschäftshaus an der Hamburger Straße mit dem Café „Spindel“ als auch das Produktionsgebäude stehen unter Denkmalschutz. Der Förderverein der Wollspinnerei hat es sich zur Aufgabe gemacht, den komplett erhaltenen Spinnereibetrieb als „arbeitendes Museum“ für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Weitere Infos zum Förderverein und zu Führungen gibt es im Internet unter www.wollspinnerei-blunck.de.

Anne-Katrin John und ihrem Bruder Friedrich-Georg Blunk liegt der Erhalt des Lebenswerkes ihrer Familie am Herzen. Beide hoffen auf den Ausbau zu einem Museum. Anne-Katrin John: „Mit Bad Segeberg verbindet man immer nur Karl May. Dabei hat die Stadt hier einen einmaligen Schatz, der nicht genutzt wird. Man könnte so gut einen Bogen von der Synagoge über das Museum Wollspinnerei bis hin zum Alt-Segeberger Bürgerhaus und dem geplanten Kreis– und Stadtmuseum schlagen und touristisch vermarkten.“

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Von Petra Dreu

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