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Segeberg Lärmschutz im Südstadtpark: Jetzt sollen Spielgeräte abgebaut werden
Lokales Segeberg Lärmschutz im Südstadtpark: Jetzt sollen Spielgeräte abgebaut werden
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17:40 05.06.2019
Beratung im Ausschuss um Bad Segebergs beliebten aber lauten Südstadtpark. Quelle: Wolfgang Glombik
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Bad Segeberg

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte es auch eine Posse für Satire-Sendungen sein: Es scheint in Bad Segeberg fast unmöglich zu sein, Kinder, Jugendliche und Senioren zusammenzubringen. Die Suche nach einem geeigneten Skaterplatz hat die Stadt wegen drohender Belästigungen von Anwohnern im Mittelzentrum nach zehnjähriger Suche ermattet aufgegeben. Jetzt droht wegen der Lärmbelästigung der Nachbarn die Demontage des in Bad Segeberg für Jugendliche einzig zugänglichen öffentlichen Bolzplatzes, dem beliebten Multifunktionsplatz im Südstadtpark. Im Ausschuss für Soziales und Kultur wurde dazu ein Anfang gemacht.

Basketballkörbe sollen abgebaut werden

Die zuerst geplante Lärmschutzwand würde 140 000 Euro kosten. Doppelt so viel wie ursprünglich angenommen. Die Politiker fordern nun (bei zwei Enthaltungen im Ausschuss) die Verwaltung auf zu prüfen, ob man nicht wenigstens die Basketballkörbe dort abbauen könne. Auch sollen die Hinweisschilder am Ballfanggitter mit Gummimatten gedämmt werden. Kurios: Ausgerechnet die Schilder, die zur Ruhe mahnen, sind eine der Hauptlärmquelle, wenn dort Jugendliche mit Schwung die Bälle drauf knallen. Zudem empfahl der Ausschuss, die Ballfang-Gitter durch – leisere – Netze oder Stahlnetze zu ersetzen.

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Kinder auf dem umstrittenen Multifunktionsplatz der Stadt Bad Segeberg Quelle: Wolfgang Glombik

Kompletter Rückbau für 280 000 Euro

Ausgerechnet Magnus Wittern, jüngster Vorsitzender der Bad Segeberger SPD aller Zeiten, hatte auch den vollständigen Rückbau ins Spiel gebracht. Der Zahn wurde ihm allerdings schon im Vorwege von Bauamtsleiterin Antje Langethal gezogen. Die ließ im Ausschuss durch die Vorsitzende Kirsten Tödt (SPD) mitteilen, dass der Abbau der Spielfläche 40 000 und der Abriss der gesamten Anlage etwa 280 000 Euro kosten würde.

Für Ralf Schaffer (BBS) ist das ohnehin „der falsche Weg“. Laut dem „teuer bezahlten Gutachter“ gehe es bei der Lärmbelästigung ja nicht in erster Linie um das von Anliegern beklagte Scheppern von Zäunen und Körben der Anlage. Vielmehr sei es nun einmal laut, wenn „Jugendliche beim Ballspiel rufen, schreien und einfach Spaß haben“. Die Problematik sei folglich die generelle Nutzung des Südstadtparkes durch jüngere Menschen. Da helfe auch keine Altersbeschränkung und kein abschließbarer Zaun, wenn Schüler ihre Ranzen wegschmeißen, sich den Ball holen, „und schreien wie die Großen“. Der Platz werde eben sehr gut angenommen.

Klage der Anlieger befürchtet

Doch Anna Patricia Thomsen (FDP) warnte davor, die Hände in den Schoß zulegen. „Für diesen Sommer müssen wir schon aus rechtlichen Gründen eine Lösung finden. Es macht doch keinen Sinn auf eine Klage von Anliegern zu warten.“ Diese können sich übrigens nicht dagegen wehren, wenn dort der Platz nur für Kinder bis zu einem Alter von 13 freigegeben wird. Denn Kinderlärm gilt nicht als Lärm.

Wenn Kinder auf dem Multifunktionsplatz toben, kann es lauter werden. Quelle: Wolfgang Glombik

Udo Nickel (Grüne) beschwerte sich: „Ich bekomme hier nur mit, dass Kinder und Jugendliche vertrieben werden sollen, weil sie laut sind und Spaß haben.“ Annelie Eick (Grüne): „Wir haben einen schönen Park, nur die Menschen passen da nicht rein.“ Sie schlug vor, andere „vergessene Spielflächen“ am Hamdorfer Weg und An den Fischteichen aufzuwerten und den Jugendlichen als Alternative zur Verfügung zu stellen. Auch solle geprüft werden, schlug Dorina Klaus (CDU) vor, ob nicht die Basketballkörbe an der Schule am Burgfeld aufgestellt werden könnten. Ach ja: Kurz vor dieser Diskussion um Segebergs „lautesten Spielplatz“ war der Politik eine Umfrage zum Thema „Wie familienfreundlich ist Bad Segeberg?“ vorgestellt worden. Eine wichtige Erkenntnis daraus: In Bad Segeberg fehlen Bolzplätze für Jugendliche. . .

Wolfgang Glombik