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Segeberg Bad Segeberger Grundschule leidet massiv unter Lehrermangel
Lokales Segeberg Bad Segeberger Grundschule leidet massiv unter Lehrermangel
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19:00 27.06.2019
Göntje Braren, Leiterin der Grundschule und des Förderzentrums in der Südstadt, Quelle: Wolfgang Glombik
Bad Segeberg

Der Schulhof der Franz-Claudius-Schule ist eine Pracht. Überall blühende Wildblumen, Kinder haben ein tolles Areal zum Rumtoben. Es ist eine Schule mit guter räumlicher Ausstattung. Doch das schöne Bild trügt. Die Schule ist in der Krise. Es zeichnet sich ab, dass hier im kommenden Schuljahr viel zu wenig Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Der landesweit grassierende Lehrermangel hat die Südstadt-Schule voll im Griff. Schulleitung und Eltern sind alarmiert, gleichzeitig aber ratlos und wütend.

Der Südstadtbeirat ist informiert. Die stellvertretende Vorsitzende des Beirates, Tina Stahl, berichtete, dass in der Grundschule mit knapp 300 Schülern im kommenden Schuljahr akuter Lehrermangel drohe. Lehrerstellen seien nicht besetzt, ein Drittel der Unterrichtsstunden könne nicht mit regulärem Lehrerpersonal besetzt werden. Noch sei unklar, ob man halbwegs qualifizierte Aushilfen finden werde. Gedacht werde an Zusammenlegungen zu Klassen mit 30 oder 31 Schülern, berichtete Tina Stahl. Und das in einer Schule mit sozial heterogen Lerngruppen. Schon soll es Listen von Müttern und Vätern geben, die sich bereit erklärt haben, bei einem Worst-Case-Sze­na­rio, wenn auch noch Lehrkräfte erkranken, einzuspringen.

Können die Kinder an der Franz-Claudius-Schule trotz des Personalmangels auch im kommenden Schuljahr angemessen unterrichtet werden? Quelle: Wolfgang Glombik

„Es müssen nur zwei Kollegen oder Kolleginnen ausfallen, dann bricht hier alles zusammen“, warnt Schulleiterin Göntje Braren. Zur Klarstellung: „Keine der Kolleginnen verlässt unsere Grundschule, weil sie gerne versetzt werden möchten.“ Drei Lehrkräfte gingen in den Ruhestand, zwei möchten eine Fortbildung zur Sonderschulpädagogin antreten. Unbefristete Vollzeitstellen seien ausgeschrieben worden, aber niemand habe sich gemeldet. Kiel, Lübeck oder auch der Hochschulstandort Flensburg seien bei jungen Lehrkräften halt beliebter als Kleinstädte wie Bad Segeberg. Schulleiterin Braren muss jetzt den Mangel verwalten, ist mächtig im Stress, weil das Land die Suche nach Personal an die Schulleitungen delegiert hat.

Lernschwächere Kinder werden leiden

Und Braren muss reagieren. „Die jetzigen zweiten Kassen wird es treffen“, sagt sie auf LN-Nachfrage. Diese drei werden zu zwei Klassen zusammengelegt. Mit Folgen gerade für lernschwächere Kinder. Auch der Vorsitzende des Schulverbandes Bad Segeberg, Dieter Schönfeld, sei über die dramatische Personalsituation informiert. Es werde noch in den Ferien ein Gespräch zwischen Schulamt und Schulträger geben. Göntje Braren macht die Dimension deutlich: „Wir verlieren im kommenden Schuljahr drei Klassenlehrkräfte und vier Deutschlehrkräfte in der Grundschule.“ 84 Lehrerwochenstunden, ein Drittel der gesamten Lehrerwochenstunden sei das. Unmöglich zu kompensieren, zumal die Aushilfen, die sich bei ihr bis jetzt vorgestellt haben, „über keinerlei Unterrichtserfahrung“ verfügten. Sie könne noch nicht sagen, ob die im Schulgesetz vorgeschriebene Verlässlichkeit erhalten werden könne. Selbst das Stunden-Pflichtprogramm der Schule in den Fächern Deutsch und Mathematik stehe infrage. „Wir schauen, wie wir ein Schuljahr überstehen, aber so geht es nicht weiter.“

Unterricht wird mit Hilfskräften aufrecht erhalten. Schulrat Odert Schwarz. Quelle: Glombik

Im Segeberger Schulamt wird das alles nicht so dramatisch gesehen. Schulrat Odert Schwarz berichtete, dass es überall an Schulen schon Seiteneinsteiger, Quereinsteiger und Nicht- Lehrkräfte gebe, die den Unterricht gestalteten. „Auch in der Franz-Claudius-Schule wird so der Unterricht aufrecht erhalten bleiben.“ Schwarz verstehe die Sorgen der Schule, aber noch sei man ja im Besetzungsverfahren. Er habe auch schon eine Lehrkraft besorgt. „Wir arbeiten daran.“

Sechs oder sieben Schulen im Kreis sollen sich in ähnlichen Situationen befinden, weiß hingegen Schulleiterin Braren. Das sei kein Einzelfall. Doch für sie stehe der Ruf ihrer Schule auf dem Spiel, darüber mache sich auch der Schulträger große Sorgen. „Individuelle Förderung, eine gute Versorgung werden wir so nicht mehr hinbekommen.“ Die Elternschaft will jetzt Briefe an Schulamt und das Ministerium schicken. Göntje Braren nimmt als erfahrene Schulleiterin kein Blatt vor den Mund: Es könne doch nicht sein, dass die Personalbeschaffung an die Schulleitungen delegiert worden ist. Damit könne das Land selbst nicht mehr regulieren. Schon wegen der Personalknappheit könnten sich Bewerber, junge Lehramtsanwärter aussuchen, wohin sie gingen.

Das Land müsse Anreize geben

„Aufgabe des Landes sollte es doch sein, für eine einigermaßen ausgeglichene Lehrerversorgung im Land zu sorgen.“ So könne die Schulaufsicht verbeamtete Lehrkräfte versetzen, oder das Land müsse Anreize geben, in ländlichen Regionen zu unterrichten. Braren: „Ich habe als Schulleitung eine große Verantwortung gegenüber den Kindern, die hier zur Schule gehen.“ Mit den Rahmenbedingungen, die jetzt drohten, sei das nicht mehr leistbar. „Das wird alles auf dem Rücken der Kinder ausgetragen.“

Wolfgang Glombik

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