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Segeberg Segebergs „Westtor“ soll Gustav-Böhm-Platz heißen
Lokales Segeberg Segebergs „Westtor“ soll Gustav-Böhm-Platz heißen
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16:33 13.02.2019
Feierlich 1992 enthüllt: Horst Busch (l.), Klaus Knütter stellen mit Bürgermeister Jörg Nehter ein Holzschild zur Erinnerung an Gustav Böhm auf. Quelle: PRIVAT
Bad Segeberg

 Die SPD möchte den zur Neugestaltung vorgesehenen Platz „Westtor“ nach Gustav Böhm neu benennen. Doch wer war dieser Mann, dem man sogar ein ganzes Wohngebiet in der Südstadt widmete? Es gab am 15. März 1950 nur eine kleine Notiz in den Lübecker Nachrichten über den Tod des Gewerkschaftsekretärs Gustav Böhm. Der sei im Krankenhaus Rickling „nach einem kurzen Krankenlager gestorben“. Böhm, der 62 Jahre alt war, „erfreute sich allgemeiner Beliebtheit und hatte sich durch seine gerade Haltung und saubere Gesinnung auch die Achtung seiner politischen Gegner erworben“, hieß es damals.

„Saubere Gesinnung“, das konnte man so kurz nach der Nazi-Gräuel nur wenigen Deutschen zubilligen. Aber Gustav Böhm war so einer. Er war 1933 von den Nazis als SPD-Mitglied in Haft genommen worden. Nach dem Krieg hatte er sich in seiner Heimatstadt große politische Verdienste erworben. Nun haben Bad Segebergs SPD-Vorsitzender Magnus Wittern (20) und Georg Oehlrich (80) aus dem Vorstand des Ortsvereins eine Initiative gestartet. Der Stadtteilbeirat begrüßte am Dienstag diese Anregung von Wittern und schloss sich der Forderung mit neun Stimmen und einer Enthaltung an.

Oehlrich erinnert sich noch daran, dass die SPD 1992 zum hundertjährigen SPD-Jubiläum ein Holzschild mit der Aufschrift „Gustav-Böhm-Siedlung“ beim damaligen Stellmacher Tödt bestellt hatte, um es in der Ostlandstraße aufzustellen. Das Schild habe damals 700 Mark gekostet, erinnert sich der damalige Kassenwart noch lebhaft. Zusammen mit den früheren SPD-Größen Klaus Knütter und Horst Busch sowie Bürgermeister Jörg Nehter hatte man damals das Schild feierlich enthüllt.

Für Magnus Wittern liegen die größten Verdienste von Böhm darin, dass auf sein Betreiben hin Mittel aus dem Marshall-Plan nach Bad Segeberg gelenkt wurden und hier für dringend erforderlichen sozialen Wohnungsbau verwendet wurden. Wittern: „Die Einwohnerzahl Bad Segebergs stieg damals rasant von 6000 Einwohnern auf über 14 000 an.“ Auf die Idee, die Person Gustav Böhm mehr in den Fokus zu rücken, war der SPD-Vorstand gekommen, als die Südstadt-Initiative plante, zu Ehren von Gustav Böhm ein großes Nachbarschaftsfest zu organisieren.

Von den Nazis verfolgt: Gustav Böhm

Wenn er nach der Verhaftung nicht die Stadt verlassen hätte, wäre er im extrem braunen Segeberg später eingekerkert und womöglich noch in ein Konzentrationslager verfrachtet worden. „Um weiteren Nachstellungen zu entgehen, zog er nach Kiel“, heißt es in dem lesenswerten Heft „Oft wurden wir mit Hunden vom Hof gejagt“ der Bad Segeberger SPD zur ihrer 100-jährigen Geschichte aus dem Jahre 1992.

In Kiel wurde Böhm nach Jahren der Arbeitslosigkeit Metallarbeiter, kehrte 1947 nach Bad Segeberg zurück, wo er seine Tätigkeit im DGB wieder aufnahm. 1948 wurde er Stadtvertreter, übernahm den SPD-Fraktionsvorsitz. Bad Segeberg hat Böhm viel zu verdanken. Ihm war schnell klar, was die Marshallplan-Gelder für die britische Zone bedeuteten. „Man stellt hartnäckig Anträge, und schließlich wurde Geld für den Bau von Sozialwohnungen zugesagt“, heißt es in der SPD-Schrift. In der Ostlandstraße entstanden die ersten kleinen Wohnungen für Segebergs Flüchtlinge. Nach der ersten Mitgliederversammlung der SPD nach dem Zweiten Weltkrieg, die am 12. Januar 1946 in der Bürgerschule stattfand, „erkannte man schnell, dass man seiner Unterstützung bedurfte“, schrieb Peter Zastrow später in einem Artikel.

Am 1. Mai 1950 gab es den ersten Spatenstich für 200 Wohnungen der so genannten ERP-Siedlung in der Südstadt an der Ostlandstraße. Ihr entscheidender Initiator starb am 12. März 1950. Über zwei Jahre später wurde der SPD-Vorschlag in der Stadtvertretung umgesetzt, die ERP-Siedlung in Gustav-Böhm-Siedlung umzubenennen. wgl

Der noch gültige Begriff „Westtor“ für den Platz sei sehr umstritten, werde oft abgelehnt in der Südstadt, betonen Wittern und Oehlrich. Die bald komplett umgestaltete Ecke nach dem Genossen Böhm zu benennen, sei eine Forderung des SPD-Vorstandes, stellt Wittern klar. Er sei sich sicher, dass dieser Vorschlag in der Bad Segeberger Stadtvertretung viele Anhänger finden werde.

Auch Oehlrich ist davon überzeugt. Hier müssten keine Adressen, keine Visitenkarten geändert werden, die Namensänderung tue keinem weh. „Das könnte ein wunderbares Projekt werden, an dem alle Fraktionen der Stadtvertretung mitwirken“, ist Wittern überzeugt. Für ihn ist die Namensgebung für den Platz auch ein Zeichen, wie wichtig die Südstadt für Bad Segeberg sei. Oehlrich: „Das hat mit unserer Geschichte zu tun.“ Es wäre wünschenswert, eine Info-Tafel zum Wirken des fast vergessenen Gustav Böhm an dem Platz aufzustellen. Die schöne Holztafel, die die SPD vor 27 Jahren hier enthüllte, konnten Wittern und Oehlrich nicht mehr finden. Sie muss wohl entfernt worden sein.

Wolfgang Glombik

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