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Segeberg Bad Segeberger Wirtschaftsverein will mehr kleine Geschäfte als große Filialen
Lokales Segeberg Bad Segeberger Wirtschaftsverein will mehr kleine Geschäfte als große Filialen
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09:58 26.10.2019
„Hier gibt es ein Parkplatzproblem“: Die erste Vorsitzende Marlis Stagat und der zweite Vorsitzende Dieter Koep in der Kurhausstraße. Quelle: Sven Wehde
Bad Segeberg

Ob verkaufsoffene Sonntage oder Weihnachtsbeleuchtung: Ohne den Verein „Wir für Segeberg“ (WfS) wäre in der Bad Segeberger Innenstadt deutlich weniger los. Die Unternehmer und Geschäftsinhaber, die sich in dem Verein zusammengeschlossen haben, tun viel für die Stadt. Dafür wollen sie auch ein Wörtchen mitreden und sind im ständigen Kontakt mit der Politik. Was sich die Geschäftsleute für die Innenstadt wünschen, erzählen die Vorsitzende Marlis Stagat (Provinzial Versicherung) und ihr Stellvertreter Dieter Koep (Steuerberater) im LN-Interview.

In der Debatte um die Ansiedlung des Discounters „Action“ haben Sie darauf hingewiesen, dass auch Qualität eine wichtige Rolle spielt. Was macht für Sie Qualität in der Geschäftswelt Bad Segebergs aus?

Marlis Stagat: Ich meine damit, dass die Geschäftswelt für Gäste und Bürger attraktiv sein muss. Das heißt nicht automatisch hochpreisig, sondern es muss in der Innenstadt Dinge zu kaufen geben, die man nicht in jedem Einkaufszentrum bekommt. Es muss Spaß machen zu stöbern.

Wer ist „Action“?

Der internationale Non-Food-Discounter hat über 1400 Filialen in den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, Österreich und Polen. Action hat seinen Sitz in den Niederlanden und beschäftigt europaweit nach eigenen Angaben mehr als 46 000 Mitarbeiter.

In 2018 betrug der Umsatz 4,2 Milliarden Euro. Ein Drittel des 6 000 Artikel umfassenden Sortiments stehen dauerhaft im Angebot. Die übrigen zwei Drittel sind dynamisch und wechseln ständig.

Zu dem Sortiment gehören die Bereiche Dekoration, Heimwerken, Spielzeug & Unterhaltung, Büro & Hobby, Multimedia, Haushaltswaren, Garten & Outdoor, Waschen & Reinigen, Essen & Trinken, Körperpflege, Haustiere, Mode & Heimtextilien und Sport.

Filialen gibt es in der Region bereits in Trappenkamp, Lübeck, Reinfeld, Henstedt-Ulzburg und Bad Bramstedt.

Und wie gut ist die Qualität in Bad Segeberg aus ihrer Sicht?

Stagat: Ich bin sehr zufrieden mit der Mischung. Wir haben hier bisher noch eine Deluxe-Situation. Es gibt viele Geschäfte und Vielfalt in der Stadt. Das ist wichtig, denn es geht in einem Nahversorgungszentrum auch darum, dass wir alle die Dinge bekommen, die wir benötigen. Wenn ein Unternehmer Kopierpapier kaufen will, dann sollte es ein Geschäft geben, das welches anbietet, damit er nicht alles online kauft oder woanders hinfährt.

Alles gibt es in Bad Segeberg aber nicht...

Stagat: Richtig, es sind leider auch Traditionsgeschäfte wie Leder Böttger weggebrochen. Für die gibt es noch keinen Ersatz. Ich hätte zum Beispiel gerne wieder ein Geschäft, in dem man für unsere Kinder Schulranzen einkaufen kann. Das geht nicht mehr, seit Leder Böttger weg ist.

Oft ist zu hören, dass sich die Wirtschaftsvereinigung lieber inhabergeführte Geschäfte als Filialisten wünscht. Was ist das Problem mit Filialen?

Dieter Koep: Für uns als Verein ist es schwer, die Geschäftsführer von Filialisten von einer Mitarbeit zu überzeugen. Sie sind nur Angestellte ihrer Unternehmen, und so weit geht das Engagement dann selten, dass sie sich an Aktionen wie dem Kartoffelfest oder dem Frühlingsfest, die von einer sehr aktiven Gruppe aus der Hamburger Straße organisiert werden, beteiligen. Eventuell haben sie zumindest auch finanziell gar nicht die Freiheiten, sich zu beteiligen. Das können Inhaber natürlich für sich selbst entscheiden.

Stagat: Auf der anderen Seite brauchen wir natürlich auch die Filialisten, wir wollen deren Angebot haben. Die Besucher und Bewohner wollen da ja auch einkaufen und würden sonst woanders hinfahren, wenn es die bei uns nicht gibt. Wir könnten aber zurzeit tatsächlich noch mehr inhabergeführte Geschäfte gebrauchen.

Die Vermieter der Immobilien setzen aber vermutlich lieber auf große Unternehmen.

Stagat: Ja, zum einen hoffen sie auf mehr Mietsicherheit, und zum anderen können sie bei einem großen, solventen Filialisten natürlich eine höhere Miete pro Quadratmeter durchsetzen, als wenn sich jemand mit einem kleinen Sockengeschäft selbstständig machen möchte. Aber das ist ein Teufelskreis.

Warum?

Stagat: Wenn die Vermieter nur Filialisten nehmen, verliert die Innenstadt an Attraktivität. Daraufhin bleiben die Kunden weg und die nächsten Geschäfte geben auf. Dieser weitere Leerstand sorgt für noch weniger Kunden, und am Ende gehen dann auch die Filialisten. Die haben nur den längeren Atem, daher gehen sie zuletzt. Das kann man zum Beispiel in Lübeck sehen, ich denke, dass wir derzeit sogar den Wettstreit mit der Hansestadt aufnehmen können.

Wie soll das gehen?

Stagat: Ich meine das ernst. In Lübeck gibt es inzwischen viele Leerstände, die sind nämlich schon eine Stufe weiter, da gehen schon die ersten Filialisten raus aus der Stadt. Da wollen wir gar nicht erst hinkommen. Abgesehen von den großen Einkaufscentern ist es in der Innenstadt dort dünn geworden und nicht mehr so attraktiv wie früher. Ich denke, da können wir locker mithalten. Okay, dafür hat Lübeck den schöneren Weihnachtsmarkt, aber unser Punschstand ist besser (lacht).

Zurück zu Bad Segeberg: Wie bekommen sie dort mehr inhabergeführte Geschäfte?

Koep: Es ist schwierig. Wir haben eine Gruppe Unternehmer, die gleichzeitig Eigentümer der Immobilie sind. Dadurch müssen sie keine Miete zahlen und können überleben. Aber das ist eine Generation, die bald aus Altersgründen aufhören wird. Wenn sie dann das Geschäft verpachten wollen, müssen sie jemand finden, der so viel erwirtschaftet, dass er auch die Miete zahlen kann. Das kann für kleine Läden schwierig sein.

Stagat: Aber es gibt auch immer wieder positive Nachrichten. So will am 1. Dezember ein Unverpacktladen in Bad Segeberg eröffnen. Dieses Geschäft, es heißt Nixdrumrum, ist so ein inhabergeführtes Unternehmen. Da freue ich mich riesig, denn unsere Geschäftsinhaber in Bad Segeberg sind alles Menschen, die mit ganz viel Herzblut dabei sind. Diese Menschen achten auch auf ihr Umfeld. Wenn da etwas in der Fußgängerzone rumliegt, sind das die ersten, die das von alleine wegräumen.

Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind mittlerweile ein großes Thema, das auch bei der Diskussion um die Neugestaltung des Marktes eine große Rolle spielt. Klimaschützer fordern mehr Bäume als bisher. Wie viel Grün wünschen Sie sich für die Innenstadt?

Koep:Die Hamburger Straße und auch die anderen Innenstadtstraßen leben uns das doch schon vor. Wir haben dort zusätzliche grüne Inseln mit Sitzgelegenheiten geschaffen. In diesem Jahr waren da überall Hochbeete, in den vorigen Jahren gab es eine Rasenfläche in der Hamburger Straße. Aber es wäre natürlich schön, wenn das noch ausgeweitet wird.

Stagat: Mehr Bäume finde ich persönlich schön. Aber wir müssen uns fragen, an welchem Platz sie genau stehen sollen und was für eine Art von Baum es sein soll. Wenn wir einen haben, der Früchte trägt, dann fallen die irgendwann ab. Wer hält das in Ordnung? Diese Frage muss zwingend geklärt sein, bevor wir irgendwelche Bäume pflanzen. Unter den letzten trockenen Sommern haben einige Bäume auch sehr gelitten, weil nicht klar war, wer sich kümmert. Das ist unnötig: Warum sollen wir einen teuren Baum dort hinsetzen, wenn der nachher eingeht und sich keiner darum kümmert.

Wie würden Sie persönlich den Markt schön finden?

Stagat: Ich finde unseren Markt bereits wunderschön. Ich finde, dass das Pflaster nicht barrierefrei ist, das müsste geändert werden.

Koep: 2009 zum Stadtjubiläum gab es auf dem Marktplatz das Brunnencafe. Das wünschen sich viele Bürger zurück, damit mehr Leben auf den Markt kommt.

Wie sehen sie die Situation in der Kurhausstraße?

Koep: Wenn sie da zu Fuß gehen, müssen sie die Beine schon ein bisschen anheben. Außerdem ist es ein sehr enges Nebeneinander der Verkehrsteilnehmer. Dadurch gibt es viele kritische Zonen, da wundert es mich, dass noch nichts passiert ist.

Stagat: Dazu kommen noch die ganzen Rettungswagen und Notärzte, die zur Klinik müssen. Jeder will seinen Platz haben. Es ist aber viel gebaut worden, auch in zweiter Reihe. Dadurch gibt es auch kaum Parkplätze, es ist alles sehr eng.

Haben Sie denn Vorschläge für weitere Parkplätze?

Stagat:Wir arbeiten zusammen mit den Politikern an diesem Thema. Wir schauen uns an, wo die Möglichkeiten sind und wie das finanziert werden kann. Aber wenn man im Ort alte Segeberger fragt, wünschen sich die meisten ein neues Parkhaus da, wo das alte stand, also vorne bei dem Rewe-Parkplatz.

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Von Sven Wehde

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