Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Einzigartiges Industriedenkmal wartet dringend auf Rettung
Lokales Segeberg Einzigartiges Industriedenkmal wartet dringend auf Rettung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:29 15.08.2019
Hier geht es zum historischen stillen Örtchen der Wollspinnerei: Friedrich-Georg Blunk von der Inhaber-Familie, Kai Gräper von der Sparkasse Südholstein, Thomas Krüger vom Förderverein Wollspinnerei (von links). Quelle: Wolfgang Glombik
Bad Segeberg

 „Rettet dieses Industriedenkmal!“ möchte man schreien, wenn man das marode Dach der Bad Segeberger Wollspinnerei in der Kurhausstraße (hinter dem Cafè Spindel) sieht. Hier stehen unersetzliche Denkmalschätze und das Dach sieht an manchen Stelle aus, als könnte es jederzeit einbrechen. Da muss sogar eine Schüssel her, um Regentropfen aufzufangen.

Tonnenschwere, historisch wertvolle Maschinen gibt es hier. Die Wollspinnerei sieht aus, als wenn gleich die Arbeiter kommen, in die Hände spucken und weitermachen. Verfilzte Wolle wurde anno dazumal in einem Krempelwolf geöffnet, gekämmt und zu Vlies verarbeitet. Für den Laien hoch komplizierte, fast 100 Jahre alte Walz-Apparate mit unzähligen Stahlnadeln sind unter diesem maroden Dach. Im Obergeschoss der Spinnerei gibt es einen Selfaktor mit einer eindrucksvollen Größe von 20 Meter und 320 Spindeln, die das Garn drehten. Überall scheinen Transmissionsriemen auf ihren Einsatz zu warten, um kleine gefettete Zahnräder in Bewegung zu bringen.

Die Wollspinnerei ist noch voll im Schuss. Sie soll eines Tages zum Museum werden. Quelle: sg

All das steht seit Jahren unter Denkmalschutz, aber die seitdem laufenden Vorbereitungen für ein „arbeitendes Museum“ kommen nicht voran. Es fehlt das Geld, die Expertisen. Vorher müsse noch ein „Machbarkeits-Studie“ entwickelt werden, aber auch deren Finanzierung sei noch nicht gesichert, berichtet der Vorsitzende des Fördervereins der Wollspinnerei Thomas Krüger. Machbar ist ja vieles, aber das dauert und dauert, währenddessen die obere Gebäudehülle mit der mürben Dachpappe schlechter und schlechter wird.

Friedrich-Georg Blunk verwaltet das technische Kleinod von Bad Segeberg. Quelle: sg

Die Wollspinnerei droht vor die Hunde zu gehen

Alle sind sich einig – bis hin zum Bundesfinanzministerium –, dass dieses einmalige Industriedenkmal unbedingt erhaltenswert ist und einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden sollte. Doch jetzt geht es erst einmal um so profane Dinge wie darum, das lecke Dach zu flicken. Auch die Dachbalken sehen teilweise nicht gut aus.

Sparkassendirektor Kai Gräper sieht mit Sorge auf Balken mit Feuchtigkeitschäden. Mit Feuerwehrmitteln aus der Stiftung der Sparkasse Südholstein, 3000 Euro, und 3500 Euro vom Denkmalamt des Kreises werden Reparaturen an den Dächern der Wollspinnerei vorgenommen. Das Dach über dem Toilettenhaus der Wollspinnerei sei schon eingebrochen gewesen, berichtet Krüger. „Es droht jetzt alles vor die Hunde zu gehen, deshalb mussten wir jetzt schnell reagieren.“ Das sei von der Sparkassenstiftung sehr unkompliziert gewesen, hier schnell mit Fördermitteln zu helfen, zeigt er sich dankbar.

Die Toilettenanlage muss als Anschauungsobjekt erhalten bleiben. Quelle: Glombik

 Inzwischen werde an einer neuen machbaren „Machbarkeits“-Studie gefeilt, um an Gelder zu kommen. Warum nun unbedingt das Dach eines unbenutzten Toiletten-Schuppens so wichtig sei, erklärt Krüger mit neuen Ideen der Gutachter. Die sehen nicht mehr nur die uralte Wollspinnerei-Technik, sondern auch die Arbeiter, die damalige Eigentümer-Familie Blunk als ganz wichtig an fürs Museums-Konzept. Wie lebten die? Wo kochten sie? Wo schliefen sie? Wo gingen sie aufs Klo? Krüger: „Das wird ein einmaliges Museum, das auch die Arbeit und die Welt der Familie Blunk wiedergibt.“ Deshalb müsse alles so konserviert bleiben, auch die jetzt so eklig, nicht gerade erhaltenswert wirkende Blunksche Kloschüssel. Die stehe jetzt ganz oben beim Denkmalschutz.

 Die Fabrikhalle mit den Woll-Bergen an allen Ecken sieht tatsächlich aus, als wenn die Arbeiter gleich vom stillen Örtchen zurückkehren und weiterarbeiten. Ganz früher hat es hier sogar noch ein Plumpsklo gegeben. Die Gutachter seien begeistert gewesen, so Krüger. Das Industriedenkmal werde durch die „soziale Kompetente“ richtig wertvoll.

Das gesamte Ensemble soll gezeigt werden

Im Fokus standen bislang nur die Maschinen, nun wollen die Gutachter das gesamte Ensemble, auch die leerstehende, ziemlich spakig wirkende Wohnung der Spinnerei samt wunderschönem Klavier als Schauobjekt integrieren.

Als würde die Wollspinnerei sofort ihre Arbeit wieder aufnehmen. . . Quelle: Glombik

Indes wirkt an diesem Museums-Entwurf zur Wollspinnerei alles halb fertig. Vor über zehn Jahren wurde schon geplant, den gesamten Sanierungsbedarf schätzte man damals auf rund 1,17 Millionen Euro. Schon damals war das Papp-Dach das Sorgenkind. Die Restaurierung des Vorderhauses direkt an der Kurhausstraße 36 mit einem kleinen Wolle-Stubenladen wurde nur halb saniert. Der Fußboden ist nicht fertig, es fehlt der Innenausbau.

Führungen in der Wollspinnerei

Große Gruppen können sich derzeit sicher nur schwierig durch die engen Gänge zwischen den Maschinen der Wollspinnerei bewegen, doch Friedrich-Georg Blunk und andere Mitstreiter im Förderverein bieten auf Anfrage gerne Führungen an. Ansonsten gibt es jeweils mittwochs, 15 Uhr, für Interessierte die Möglichkeit sich die Wollspinnerei, Kurhausstraße 38 (hinter dem Restaurant „Spindel“) anzusehen.

Krüger hofft nun, dass bis Ende des Jahres die Machbarkeitsstudie nach Genehmigung durch das Landesdenkmalamt fertig ist. Doch wann hier wirklich nicht mehr nur Gutachten und Anträge produziert werden, das Geld bewilligt und das geplante Museum Wollspinnerei endlich handwerklich angepackt wird, ist offen. Bis dahin muss Friedrich-Georg Blunk als Verwalter der Spinnerei sicher noch einige Schüsseln und Eimer aufstellen, um tropfendes Wasser aus dem lecken Dach aufzufangen. . .

Von Wolfgang Glombik

Die Feuerwehr Fahrenkrug stattet für mehr Sicherheit 100 Schulkinder und 70 Krippen- und Kindergartenkinder mit gelben Überwürfen aus. An diesem Sonnabend, 17. August, gibt es zudem einen großen „Mitmachtag“.

15.08.2019

Am Mittwoch kam es im Norderstedter Stadtgebiet nach intensiven Ermittlungen zur Festnahme von drei Personen – dabei handelte es sich um einen Mann, der Drogen verkaufte und zwei „Kunden“.

15.08.2019

Bevor im nächsten Jahr die Karl-May-Saison wieder startet, sind im Mai 2020 fünf Veranstaltungen in Bad Segeberg geplant. Mit dem Felsenburg-Festival, der Schlagernacht, zwei Konzerten und „Der Kalkberg lacht“ geben sich die Künstler die Klinke in die Hand.

15.08.2019