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Segeberg Bad Segebergs Südstadt feiert ihren 70. Geburtstag
Lokales Segeberg Bad Segebergs Südstadt feiert ihren 70. Geburtstag
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15:00 14.07.2019
Ein „Himmelreich“ für die erst noch wohnungslosen Flüchtlingen: Die Südstadt mit ihrem markanten Mehrfamilienhäusern in den sechziger Jahren. Quelle: Kalkbergarchiv
Bad Segeberg

 Das 70-Jahre-Jubiläum der Bad Segeberger Südstadt im kommenden Jahr wird schon jetzt geplant. Axel Winkler, Lehrer an der Franz-Claudius-Schule und ehrenamtlicher Stadthistoriker, ist mittendrin in den Vorbereitungen für eine Ausstellung, die er zum großen Jubiläum auch zusammen mit Hans-Werner Baurycza (Kalkbergarchiv) auf die Beine stellen möchte. Sie suchen Zeitzeugen, Filmmaterial, Bilder über die Anfänge dieser großen Wohnsiedlungen. Im Südstadtbeirat hatte Winkler jüngst seine Ideen zur Aufarbeitung dieser jüngeren Stadtgeschichte vorgestellt und um Mithilfe gebeten. Seinerzeit war Bad Segeberg von 6000 auf 12 000 Einwohner gewachsen, die Wohnungsnot war immens. Es war damals eine große Herausforderung, Wohnungen zu bauen.

Axel Winkler hat Erfahrung bei der Aufarbeitung von lokaler Geschichte, vor Jahren entwickelte er eine Ausstellung über Franz Claudius. Quelle: Glombik

Beim Blick in die Lübecker Nachrichten von 3. Mai 1950 wird klar, welchen Stellenwert die Gründung dieses Stadtteils hatte. Gefeiert wurde damals auch der 60. Jahrestag zum 1. Mai. Der war damals noch „ein Kampftag für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit“. Die ganze Stadt war auf den Beinen. Just an diesem Feiertag machte der damalige Bürgermeister Rudolph Jacoby den ersten Spatenstich für Bad Segebergs neuen Stadtteil. Er war damals auch Vorsitzender des Aufsichtsrates der Wohnungsbaugenossenschaft Bad Segeberg.

Tausende kamen zum Festplatz an der Hamburger Straße

Jacoby kündigte an, dass auf einem 17 Hektar großen Siedlungsgelände ein ganzes Stadtviertel mit 200 Wohnungen und einem Kostenaufwand von 1,8 Millionen Mark neu entstehen werde. Der früh verstorbene Sozialdemokrat und Gewerkschaftsvertreter Gustav Böhm hatte damals dafür gesorgt, dass die Mittel aus dem ERP-Programm (European Recovery Program) nach Bad Segeberg flossen. Die Siedlung wurde nach ihm benannt.

Tausende sollen sich am 1. Mai, so berichteten die Lübecker Nachrichten, auf dem Festplatz an der Hamburger Straße getroffen haben, um den Startschuss für die ersehnten Bauvorhaben zu erleben. Die ganze Stadt war auf den Beinen, 500 Ausflügler aus Hamburg waren da. „Der Andrang zu den Kalkberghöhlen war ungewöhnlich groß. Auf dem Kalkkberg und im Bergschlösschen herrschte Hochbetrieb. Vor dem Kurhaus parkte eine unübersehbare Autokolonne und die Kurhausterasse war bis auf den letzten Plätzen mit Gästen gefüllt“, schrieb der LN-Reporter damals.

Die grüne Südstadt von Bad Segeberg wird heute vor allem von Mehrfamilienhäusern und Reihenhäusern geprägt. Quelle: Glombik

Das erste Richtfest wurde im September 1950 gefeiert. An Arbeitskräften habe es nicht gemangelt, es wurde auch abends und an Sonnabenden gearbeitet, schreibt Winkler auch in seiner Broschüre über Gustav Böhm. Und dennoch sei es zu Bauverzögerungen gekommen. Dieses war dem strengen Winter, Materialmangel und dem hohen Grundwasserspiegels des Geländes geschuldet, schrieb Winkler. Die Bevölkerung der Gustav-Böhm-Siedlung setzte aus den Menschen zusammen, die ihre Heimat verloren hatten. Die ersten Bewohner seien schon Ende des Jahres in die Wohnungen der Südstadt eingezogen, berichtet Winkler den LN.

Eine neue Heimat für Vertriebene und Flüchtlinge

Die Burgfeldstraße existierte schon damals, sie war für die Högersdorfer der Kirchweg zur Marienkirche. Hier befand sich auch die 1991 abgerissene Imkerschule. Ansonsten war das Land bis zur Hamburger Straße Brachland, bestenfalls Ackerfläche. Auch die großzügig angelegte Theodor-Storm-Straße sei erst 1953 als große Verbindungsstraße geplant und gebaut worden. Nicht zu vergessen: Die Bundesstraße existierte damals noch nicht.

Vom „Kuhkamp“ zur Falkenburger Straße

Die Falkenburger Straße hieß anfangs Kuhkamp. Ein dort wohnende Stadtrat habe damals durchgesetzt, dass die Straße nach dem Ort Falkenburg benannt wurde. „Er wollte nicht am Kuhkamp wohnen“, sagte Axel Winkler den LN. Das Thema sei damals im Stadtrat „heiß diskutiert“ worden. Man wollte den Vertriebenen und Flüchtlingen auch namentlich eine neue Heimat bieten. Doch nicht nur: Die acht Wege, die von der Ostlandstraße abgingen, bekamen, alphabetisch angeordnet, Segeberger Flurnamen wie Eggershorst, Kattberg oder Vogtkamp.

Die Falkenburger Straße hieß früher noch Kuhkamp. Der Name gefiel damals einem Stadtrat nicht. Nach Debatten im Rathaus wurde sie umbenannt. Quelle: Glombik

Grobe Pläne für Südstadt schon 1937

Winkler erzählt, dass es schon 1937 einen groben architektonische Plan zu einer Erweiterung der Stadt nach Süden gegeben habe. Der sei aber kriegsbedingt nicht weiterverfolgt worden. Erst als Bad Segebergs Einwohnerzahl durch Flüchtlinge von 6000 auf 12 000 anschwoll, musst man etwas gegen die Wohnungsnot unternehmen. Die Flüchtlinge waren bis dahin zwangsweise bei einheimischen Familien einquartiert oder lebten in Lagern. Man erinnerte sich an die Pläne aus der Nazizeit. Erst wurden Wohnungen gebaut, die Südstadtkirche entstand 1964, die Schule 1963. Bis dahin waren die Kinder aus der Südstadt in die Heinrich-Rantzau-Schule gegangen, die bereits 1952 öffnete. Heute kaum zu glauben: Die Kinder waren auf ihren Schulweg hochgradig gefährdet. Die Hamburger Straße hatte damals noch keinen Bürgersteig.

Wer kann noch mehr erzählen über die Südstadt? Axel Winkler sucht jetzt Zeitzeugen, die sich bei ihm unter Telefon 0152/58 19 58 03 oder per E-Mail an winkler-family@web.de melden können. Im Laufe des kommenden Jahres soll eine Ausstellung entstehen, die in der Südstadtkirche oder auch im Bad Segeberger Rathaus gezeigt werden könnte.

Wolfgang Glombik

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