Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Makler: „Baukosten fressen Zinsvorteile auf“
Lokales Segeberg Makler: „Baukosten fressen Zinsvorteile auf“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
06:00 14.10.2019
Jan Brodzinski (l.) und Frank Rohwedder beraten in ihrer „Maklerei“ in Bad Segeberg. Das Büro gibt es seit zehn Jahren. Quelle: Irene Burow
Anzeige
Segeberg

Ein modernes Einfamilienhaus in Wittenborn, das gepflegte Reihenmittelhaus in Trappenkamp, ein Mehrfamilienhaus in Fahrenkrug oder ein massives Backsteinhaus in Kükels: Was an Immobilien auf den Markt gelangt, findet aktuell schnell Abnehmer.

Wie macht sich der Bauboom beziehungsweise Wohnungsnot für Sie bemerkbar?

Anzeige

Wir haben beachtliche Wartelisten, der Bedarf ist unglaublich. Wir haben ständig Anfragen, mittlerweile aus ganz Deutschland. Vor Jahren kamen weniger aus Hamburg, jetzt sind des mehr. Wir müssen immer wieder feststellen, dass nichts wirklich frei ist. Und wenn es etwas frei ist, dann ist es in Nullkommanichts weg. Wenn wir ein Mietobjekt weit ab von der Stadt haben, rund 20 Kilometer von Bad Segeberg entfernt, und dann 50 Anfragen pro Woche – da wundern wir uns schon.

Arbeitslos werden Sie also so schnell nicht.

Das stimmt. Aber ob das eine gute Entwicklung ist, wissen wir nicht. Junge Familien müssen sich bald fragen, wie sie ihr Eigenheim bezahlen sollen. Das tut schon etwas weh. In Itzstedt liegt der Preis pro Quadratmeter inzwischen bei 230 Euro. Dazu kommen die Baukosten. Da ist eine halbe Million schnell zusammen. Vor ein paar Jahren bekam man dafür eine Luxusimmobilie. Außerdem beobachten wir, dass die Bodenrichtwerte für Baugrund schnell wieder überholt sind.

Also sollte man zuschlagen, so schnell es geht?

Viele meinen, aufgrund der guten Zinslage schnell ihre Chance ergreifen zu müssen. Dann ist es unsere Aufgabe, sie zu bremsen. Ein Haus kauft man nur einmal im Leben, das sollte gut überlegt sein. So groß sind die Vorteile nicht mehr. Die Baukosten fressen die Zinsvorteile auf. Es wird bald günstiger sein, ein älteres Haus zu sanieren, als ein neues Haus zu bauen.

Was sind die Gründe für fehlenden Wohnraum?

Es wird schnell mit den Flüchtlingen begründet. Doch da sind wir sehr vorsichtig. Immer weniger Menschen leben auf immer größeren Flächen. Dazu kommen viele Single-Haushalte, die Zinsproblematik, die gute Wirtschaft. Über die Jahre ist es versäumt worden, sozialen Wohnraum zu schaffen. Bei uns nicht so sehr, aber in Richtung Küste kommen Ferienwohnungen dazu, die acht Monate im Jahr leer stehen.

Ist der Wunsch nach Tiny-Häusern und Minimalismus nur eine Randerscheinung?

Da liegt das Problem bei der Wohnsitzfrage. Dauerhaftes Wohnen ist nicht überall erlaubt. Dafür ist Energieeffizienz und Umweltschutz ein Riesenthema: Bei Beleuchtung, Dämmung oder Material – es zieht sich über alle Ebenen. Aber es endet oft beim Geld.

Was raten Sie Familien, die dringend bauen wollen?

Wohnraum halten! Wenn man den hat. Manch einer kündigt schon und beginnt dann zu suchen. Nur nicht nervös werden. Kompromisse sind nötig, aber sie sollten nicht überwiegen. Man sollte sich nicht von den niedrigen Zinsen leiten lassen. Wer Eigentum haben möchte, sollte sich immer fragen: Kann ich mir das hier an dieser Stelle vorstellen?

Wie schnell kommen die Kommunen hinterher?

Es wird schon viel gebaut. Und die Gemeinden versuchen, neuen Baugrund zu schaffen. Einige Eigentümer von möglichem Bauland spekulieren auf noch höhere Preise, das bremst sie oft aus. Dann die Erschließung: Es ist problematisch, Firmen zu bekommen. Die Bauämter sind überlastet. An allen Ecken kneift es, das macht es so komplex. Familien, die bauen wollen, suchen derzeit über ein Jahr. Gemeinden verlosen die Flächen teilweise schon aufgrund der hohen Nachfrage. Aber es sind noch nicht alle Baulücken auf dem Schirm, es muss weiter Wohnraum entstehen.

Wie macht sich der Bauboom in Ihrem Arbeistalltag bemerkbar?

Es bindet Zeit. Das Schöne ist, dass die Technik vieles für uns erledigt. Aber die Anfragen nehmen schon viel Raum in Anspruch. Eine Rückmeldung sollte immer da sein.

Kann man lange Wartelisten überhaupt fair abarbeiten?

Es geht nur der Reihenfolge nach. Wir gleichen Wünsche zwar mit dem Angebot ab, damit es auch passt. Aber dann soll es auch der Erste bekommen. Wir wüssten nicht, wie man es sonst machen sollte.

Vielleicht den Kunden nehmen, der 10 000 Euro mehr zahlt?

So ein Angebot kommt schon mal vor. Bieterverfahren liegen im Trend, um höhere Gewinne zu erzielen. Einige Eigentümer bevorzugen diese Vorgehensweise. Aber man muss vernünftig mit den Kunden umgehen. Alle sollten die gleichen Bedingungen haben. Wir machen eine Wertermittlung, und das ist die Obergrenze. 200 000 Euro bleiben 200 000 Euro. Alles andere ist nicht fair. Wir beobachten noch einen anderen Trend: Die Eigentümer wollen mit dem Verkauf wissen, was mit ihrem Grundstück passiert. Denen ist das Geld völlig egal. Eine Immobilie ist etwas Emotionales, etwas auf Lebenszeit. Die Besitzer wollen Wertschätzung für das, was sie geschaffen haben.

Mehr zum Thema

Kreis Segeberg: Wo Baugrund am teuersten ist

Hier entsteht Baugrund im Amtsbereich Itzstedt

Groß Rönnau: Bauen auf dem Sonnenblumen-Feld?

Wie man gute Neubürger ins Dorf holt – und die „Richtigen“ aussucht

Über 100 Mobilheime am Großen Segeberger See geplant

Ein Tiny Dorf entsteht in Wittenborn

Von Irene Burow

Das Museum in der Bismarckallee soll aufgewertet werden mit Café, Shop und barrierefreien Elementen. Eröffnung soll im Februar 2020 gefeiert werden. Das ist geplant.

13.10.2019

Die Belebung der Promenade am Großen Segeberg See ist bei der SPD beschlossene Sache. Konkrete Ideen gibt es auch: Kurkonzerte schlägt etwa Elfriede Wittern vor. Die Frage ist aber: Wie will sich Bad Segeberg generell aufstellen?

13.10.2019

Die 23-Jährige und ihre Tochter waren am Donnerstag aus einer Hilfseinrichtung in Trappenkamp verschwunden. Die Polizei hatte mit einer Öffentlichkeitsfahndung nach den beiden gesucht – nun wurden sie gefunden.

13.10.2019