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Segeberg Bei Stromausfall ist kaum jemand vorbereitet
Lokales Segeberg Bei Stromausfall ist kaum jemand vorbereitet
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21:10 07.04.2015
Werkleiter Axel Gengelbach (links) sowie Joachim Seyferth und Stefanie Damm vom Amt für Katastrophenschutz hinter einem Lebensmittelvorrat, der einer Person für 14 Tage reichen soll. Quelle: Fotos: Fuchs
Norderstedt

Auf einen Stromausfall ist heutzutage kein Mensch mehr vorbereitet. Es rechnet praktisch auch niemand damit, wie jetzt eine umfassende Befragung der Norderstedter Stadtwerke bei 10000 zufällig ausgewählten Kunden ergab, an der sich 3137 Haushalte beteiligt haben.

Dabei sei ein totaler Blackout durchaus wahrscheinlich, wie die verstärkten Aktivitäten der Stromversorger bei der Sonnenfinsternis am 20. März gezeigt hätten, sagt Norderstedts Werkleiter Axel Gengelbach. „Es muss heute deutlich mehr ins Stromnetz eingegriffen und geregelt werden, was zu Fehlern im System und im schlimmsten Fall zum totalem Stromausfall führen kann.“

Zuletzt war es in der größten Stadt des Kreises Segeberg (75000 Einwohner) im September 2010 passiert. Sechs Stunden lang war der Stadtteil Glashütte in den Abendstunden völlig dunkel. Die Feuerwehr schenkte der Bevölkerung, die nicht mehr kochen konnte, Erbsensuppe aus. Das Technische Hilfswerk (THW) versorgte ein Altenheim über ein Notstromaggregat wieder mit Strom. In vielen Haushalten ging nichts mehr. Schuld daran waren zwei defekte Kabel, die dann schnell wieder repariert werden konnten.

Darüber sind sich offenbar die wenigsten Menschen im Klaren, wie abhängig die gesamte Technik im Haus von der Stromversorgung ist, wie die Umfrageergebnisse deutlich machen. Das Licht geht nicht mehr, die Heizung fällt aus, das Telefon funktioniert nicht mehr, es gibt auch keine Internet- oder Mail-Verbindungen mehr. Nun sind Kerzen und Taschenlampen angezeigt, die die meisten Bürger auch tatsächlich im Haus haben, wie die Umfrage ergab. Allerdings hat nur eine kleine Minderheit einen Camping-Gaskocher zur Verfügung, stellte Joachim Seyferth, zuständiger Amtsleiter für den Katastrophenschutz, das Ergebnis dar. Selbst ein batteriebetriebenes Radio würden nur noch die wenigsten griffbereit zu Hause haben.

Dies sei aber dringend notwendig, um von den Behörden über den Schadensumfang, die neuesten Entwicklungen oder mögliche Vorsorge-Maßnahmen informiert zu werden. Wer ein Auto hat, könne sich über das Autoradio informieren. Allerdings sei bei längerem Stromausfall auch damit zu rechnen, dass nicht mehr getankt werden könne und so womöglich auch die Trinkwasserversorgung über die Wasserwerke ausfiele, die alle über ein mit Diesel betriebenes Notstromaggregat verfügten, malte Werkleiter Gengelbach das Horrorszenario an die Wand.

Ähnlich verhält es sich mit dem Lebensmittel-Vorrat der Norderstedter Bürger. „Der reicht in den meisten Fällen nur drei, vier Tage aus“, sagt Stefanie Damm, stellvertretende Amtsleiterin für den Katastrophenschutz in Norderstedt. Deshalb sei es angeraten, sich durchaus einen gewissen Proviantvorrat mit länger haltbaren Lebensmitteln wie Konserven, Obst, Reis oder Nudeln in Küche oder Keller für den Notfall aufzubewahren, der bis zu 14 Tage reicht, rät Stefanie Damm.

„Die Leute müssen damit rechnen, dass sie die ersten 48 Stunden allein auf sich gestellt sind“, sagt Katastrophenschutz-Leiter Seyferth. Der Schadensumfang müsse erst geklärt werden, die Behörden brauchten eine gewisse Zeit, bis sie sich auf eine Notfallstrategie eingestellt und untereinander koordiniert hätten. Die medizinische Versorgung müsse sichergestellt werden. „Wir wollen die Bevölkerung nicht verängstigen und auch keine Panik schüren“, erklärt Seyferth. Aber wenn etwas passiert, sollten die Bürger ihren Teil dazu beitragen, dass nicht alles im Chaos versinkt.

Denn auch wenn 94 Prozent der Befragten einen totalen Stromausfall für sehr unwahrscheinlich erachten — er könne jederzeit passieren, warnt Werkleiter Gengelbach. Die großen Überlandnetze der Stromleitungen sind deutschlandweit in der Hand von nur noch vier Anbietern, die aus Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und Australien stammen. Zudem werde immer mehr Strom über dezentrale Windkraft-, Photovoltaik- oder Biogasanlagen produziert, während der Anteil der Großkraftwerke zurückgehe. All dies mache eine jederzeit stabile Stromversorgung, die zwischen Produktion und Verbrauch ein Gleichgewicht aufrechterhalten muss, anfälliger für Störungen. „Darauf müssen wir vorbereitet sein“, so Gengelbach. Die Stadt werde im Notfall Informationszentren im Rathaus sowie den Polizei-und Feuerwachen einrichten.

„Die Leute müssen damit rechnen, dass sie die ersten 48 Stunden allein auf sich gestellt sind.“
Joachim Seyferth, Amtsleiter
für den Katastrophenschutz

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