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Segeberg Bescheidener Lebensretter: „Das hätte doch wohl jeder getan“
Lokales Segeberg Bescheidener Lebensretter: „Das hätte doch wohl jeder getan“
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16:00 14.04.2015
André Brokmann war auf dem Weg nach Boostedt, als er an das brennende Haus sah. Quelle: Petra Dreu
Groß Kummerfeld-Willingrade

Es war am Sonnabend gegen 6.45 Uhr, als der Zeitsoldat André Brokmann auf dem Weg von Schmalensee zur Rantzau-Kaserne in Boostedt war, wo er die dort untergestellten Bundeswehr-Fahrzeuge verwaltet. Sein Weg führte durch Willingrade, einem Ortsteil von Groß Kummerfeld.

Auf der Dorfstraße bemerkte Brokmann Rauch aus dem Dach eines Einfamilienhauses aufsteigen. Und sah gleich darauf eine Frau und ein Kind an einem Fenster im Obergeschoss. Verzweifelt ruderten sie mit den Armen. Der Familienvater zögerte nicht lange und hielt an, um den beiden zu helfen (die LN berichteten).

André Brokmann winkt ab: „So doll war das ja gar nicht. Das hätte doch wohl jeder getan“, sagt er einen Tag nach dem Unglück.

„Ich war auch gar nicht der Erste am Brandort“, schildert der 34-Jährige bescheiden. „Ein älterer Herr, ein Nachbar, stand bereits dort. Ich schrie ihm zu, dass er die Feuerwehr alarmieren soll. Das hatte er sogar schon getan“, erzählt der Vater eines fünfjährigen Sohnes.

Brokmann handelte instinktiv. Mit Anlauf trat er gegen die Haustür, die sofort aufsprang. Doch der Weg ins Obergeschoss zu der Frau und dem Kind blieb verschlossen: „Schwarzer Qualm kam mir entgegen. Ich habe nichts mehr gesehen“, sagt Brokmann. Entgegen anderslautender Berichte, wonach durch seinen Tritt gegen die Tür die beiden Hunde des Hauses geweckt worden sein sollen, kann er nicht bestätigen. „Ich habe zu keinem Zeitpunkt Hunde bellen gehört.“

Der Rettungsweg über die Haustür versperrt, eilte der Schmalenseer wieder um das Haus herum zum Schlafzimmerfenster zur 31-Jährigen und deren Tochter. „Die Frau stand schon im Fensterrahmen“, erinnert sich Brokmann. „Ich habe ihr noch gesagt, dass sie sich umdrehen und am Rahmen festhalten soll. Sie war sehr schlapp.“

Beim Sprung aus dem Fenster schlug sie mit dem Gesäß auf dem Boden auf. „Ich konnte sie nicht auffangen. Sie stand aber gleich auf und konnte laufen“, schildert der Bundeswehrsoldat fast entschuldigend. Einfacher hatte er es, als das achtjährige Mädchen aus dem Schlafzimmerfenster sprang. „Sie war ja wesentlich leichter, deshalb konnte ich sie auch gut auffangen.“

Die Frau habe offensichtlich unter Schock gestanden, so Brokmann. „Sie rief immer wieder nach den Hunden, die auf der anderen Seite des Hauses gewesen sein sollen. Aber dort kam ich gar nicht hin. Um die Hunde tut es mir sehr leid.“

Kaum seien die Frau und ihre Tochter aus dem Haus gewesen — sie kamen beim Nachbar unter — sei die Feuerwehr eingetroffen. „Das ging dann alles sehr schnell. Immer mehr Feuerwehrautos kamen.“ Über 100 Einsatzkräfte waren vor Ort. Dazu der Notarzt und schließlich auch die Polizei, die durch die Sirenen auf das Unglück aufmerksam geworden war.

„Denen habe ich dann auch noch einmal alles erzählt.“ Nachdem sich Brokmann beim Einsatzleiter nach der Frau und dem Kind erkundigte, fuhr er weiter zum Dienst nach Boostedt. Der Wirbel um seine Rettungsaktion ist Brokmann unangenehm. Auch über die Interviewanfrage der LN musste er erst eine Nacht schlafen. „Wenn Menschen in Not sind, muss man helfen. Ich habe einfach gemacht.“

„Wenn Menschen in Not sind, muss man helfen. Ich habe einfach gemacht.“
André Brokmann

Petra Dreu

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