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Segeberg Besuch auf dem Schrottplatz
Lokales Segeberg Besuch auf dem Schrottplatz
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21:09 05.06.2015
Waren beeindruckt vom Besuch bei Deutschlands größtem Autoverwerter Kiesow in Norderstedt: Christoph Döring (EgNo), Ulrich Graumann (WKS), Bernd Jorkisch (IHK, v. l.) sowie Joachim Kochanowski (Wirtschaftsjunioren, r.) mit Tim Kiesow (Mitte) und Oliver Brüggen (Zweiter von r.).
Waren beeindruckt vom Besuch bei Deutschlands größtem Autoverwerter Kiesow in Norderstedt: Christoph Döring (EgNo), Ulrich Graumann (WKS), Bernd Jorkisch (IHK, v. l.) sowie Joachim Kochanowski (Wirtschaftsjunioren, r.) mit Tim Kiesow (Mitte) und Oliver Brüggen (Zweiter von r.). Quelle: Fuchs
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Norderstedt

Dieser erste Besuch bei Deutschlands größtem Autoverwerter bescherte der Delegation der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck gleich „ein ganzes Paket an Hausaufgaben“. Dieses Resümee zog IHK-Vizepräses Bernd Jorkisch jetzt am Ende des zweistündigen Gesprächs mit Tim Kiesow, Inhaber des gleichnamigen Unternehmens, das auf dem sieben Hektar großen Schrottplatz am Umspannwerk 35 Mitarbeiter beschäftigt, 2500 Fahrzeuge zum Ausschlachten anbietet und 45000 Ersatzteile für Fahrzeuge aller Art auf Lager hat.

Denn obwohl der Norderstedter Betrieb wie die 1400 anderen im Bundesgebiet seinen Kunden die gesamte Palette der Autoverwertung anbietet — von der Fahrzeugannahme über die fachgerechte Entsorgung und das Recyceln der Rohstoffe bis zur Wiederverwertung aller möglichen Ersatzteile: Das Berufsbild des Autoverwerters gibt es bis heute nicht. „Dies ist bislang kein Ausbildungsberuf“, sagt Tim Kiesow. „Wir müssen uns den betrieblichen Nachwuchs selber heranziehen.“

So müsse der ideale Mitarbeiter handwerklich geschickt sein und mit Autos umgehen können, verkaufen können, die EDV beherrschen und der deutschen Sprache mächtig sein, beschreibt der Unternehmer das Anforderungsprofil. IHK-Vizepräses Jorkisch versprach, sich darum zu kümmern. Wenn sich die Betriebe, Berufsschulen und Kammern einig wären, könnten sie in eigener Zuständigkeit entsprechende Ausbildungsplätze schaffen. „Dafür müsste dann aber auch die Nachfrage da sein.“

Daran sollte es nicht scheitern, sind Kiesow und sein Prokurist Oliver Brüggen überzeugt. Auch wenn die Verwertung von Altfahrzeugen in Deutschland zurzeit stagniere. „Wir verschrotten jedes Jahr 4000 Fahrzeuge. Vor der deutschen Wiedervereinigung waren es doppelt so viele.“

Und das absolute Rekordjahr sei 2009 gewesen, als wegen der von der Bundesregierung ausgelobten Abwrackprämie von 2500 Euro für jedes Altfahrzeug an jeden Neuwagenkäufer 16000 Fahrzeuge auf dem Hof bei Kiesow landeten. Kein anderes Unternehmen in Deutschland habe 2009 so viele Altfahrzeuge angenommen und zerlegt wie der Norderstedter Betrieb.

Doch heute mache die Osterweiterung der EU und die Schrotthändler mit Verbindungen nach Afrika den deutschen Autoverwertern das Leben schwerer, erläutert Kiesow. Jedes dritte Altfahrzeug werde nicht mehr in Deutschland verwertet. Dabei sei nur hierzulande sichergestellt, dass die Verwertung der Altfahrzeuge nach dem höchsten Umweltstandard und dem Stand der Technik komplett zerlegt, entsorgt und verwertet würden, wundert sich Prokurist Brüggen. „Die Luftverschmutzung hört ja nicht an der Grenze auf.“

Aber der große Autoverwerter, der nach eigenen Angaben zurzeit fünf Millionen Euro im Jahr umsetzt, will weiter wachsen, wie Kiesow ankündigt. „Wir werden jetzt auch unser Geschäftsfeld erweitern, indem wir Neuteile anbieten sowie Online-Shop und Versandhandel aufbauen wollen.“

Auch dabei könne die IHK helfen, kündigte Vizepräses Jorkisch an, der sich zur Unterstützung von Segebergs Wirtschaftsförderer Ulrich Graumann, Joachim Kochanowski von den Wirtschaftsjunioren und Christoph Döring von der Entwicklungsgesellschaft Norderstedt (EgNo) bei seinem Besuch begleiten ließ. Jorkisch sagte beeindruckt: „Kiesow ist ein Leuchtturm-Betrieb in unserer Hansebelt-Region.“

„Wir müssen uns den betrieblichen Nachwuchs selber heranziehen.“
Tim Kiesow, Firmenchef

Burkhard Fuchs