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Segeberg „Betreutes Wohnen“ für Bad Segebergs Stadttauben
Lokales Segeberg „Betreutes Wohnen“ für Bad Segebergs Stadttauben
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20:10 26.04.2018
„Pieps“, „Ria“ und „Logo“ haben Mia (5), Tom (12) und Iris Lienau die Jungtauben genannt, die sie mit Aufzuchtfutter großziehen.
„Pieps“, „Ria“ und „Logo“ haben Mia (5), Tom (12) und Iris Lienau die Jungtauben genannt, die sie mit Aufzuchtfutter großziehen.
Bad Segeberg

„Als wir zum ersten Mal davon gehört haben, dass die Stadt einen betreuten Taubenschlag ins Gespräch gebracht hat, sind wir davon ausgegangen, wir gehen hin, sagen ,hier sind wir’, und alles wird gut“, erzählt Marion Wolf, eine von einer Handvoll Taubenfreunde, die sich um das Wohl der Bad Segeberger Stadttauben kümmern.

Doch so einfach ist das offenbar nicht.

Weder Geschäftsleute noch Hausbesitzer in Bad Segeberg sind gut auf die Stadttauben zu sprechen, denn ihr Kot verschandelt Dächer und Wände. Ein betreuter Taubenschlag könnte die Lösung sein, glauben die Akteure der Stadttaubenhilfe. Sie hoffen dafür auf finanzielle Unterstützung.

Inzwischen hat sich die Bad Segeberger Gruppe dem Verein Stadttauben Lübeck angeschlossen. Wer die Stadttaubenhilfe unterstützen möchte, erhält nähere Informationen unter Telefon 0174/518 25 55.

Die herrenlosen Vögel und vor allem ihr Kot sind nicht nur den Kaufleuten, sondern auch den meisten Hausbesitzern ein Dorn im Augen sind. „Tauben sind reine Körnerfresser. Die mögen sie lieber als Pommes, die auf der Erde liegen und die sie überhaupt nicht vertragen. Körner aber finden sie in der Stadt nicht. Der flüssige Kot, über den sich alle aufregen, ist Hungerkot“, sagt Iris Lienau, in deren Wohnzimmer derzeit eine „Aufzuchtstation“ für drei kleine Taubenküken eingerichtet ist.

„Pieps“, „Ria“ und „Logo“ heißen die drei Taubenkinder, die Iris Lienau ihre weit aufgerissenen Schnäbel entgegenstrecken. Viermal am Tag verfüttert die Taubenmutter mithilfe einer Spritze ein Vogelaufzuchtfutter an die Tauben, deren Federkleid gerade erst zu wachsen beginnt. Das Aufzuchtfutter kostet 20 Euro, die Iris Lienau aus eigener Tasche zahlt. Dass die Kleinen jetzt bei ihr hocken, war so allerdings nicht geplant.

„Wir wurden zu einem Wohnhaus in der Innenstadt gerufen. Anwohner hatten vermutet, dass in dem Zwischenraum zum Nachbargebäude eine kranke Taube liegt. Das war aber nicht der Fall. Stattdessen fanden wir dort ein Taubennest mit Eiern“, erzählt Janine Kaiser. Sie und ihre Mitstreiter taten das, was sie in solchen Fällen immer tun: Die Eier nahmen sie mit, den Tauben schoben sie stattdessen Gipseier unter, damit die Population in der Innenstadt nicht noch größer wird.

Was als „Augsburger Modell“ normalerweise funktioniert, funktionierte diesmal leider nicht. Als sie später noch einmal nach den Tauben sahen, trauten sie ihren Augen nicht. Offenbar hatten die Tauben erneut Eier gelegt, denn im Nest befanden sich nicht mehr die Gipseier, sondern drei Taubenküken. „Wir mussten auch sie mitnehmen, denn aus der Nische wären sie niemals wieder herausgekommen“, erzählt die junge Frau weiter.

Den unkontrollierten Taubenflug möchte sie mit einem Taubenschlag nahe der Innenstadt in den Griff bekommen. „In einem Schlag, in dem sie gefüttert werden, halten sie sich bis zu 80 Prozent des Tages auf. Sie wären somit viel weniger in der Innenstadt und hätten auch keinen flüssigen Kot mehr“, glaubt Iris Lienau.

Ein betreuter Schlag aber sei natürlich nicht kostenlos zu haben, selbst wenn die Betreuung durch Ehrenamtler geschieht. „Bei den 80 bis 100 Stadttauben in Bad Segeberg gehen wir von 150 bis 200 Euro im Monat aus. Da wäre dann aber auch schon ein Puffer drin, falls eine Taube mal zum Tierarzt muss“, sagt Iris Lienau, die zudem auf Holz- oder Körnerspenden hofft, mit denen die Kosten weiter reduziert werden könnten.

Die Stadttauben sind nicht wohlgelitten in Bad Segeberg, sie gelten als Träger von Krankheitserregern, ihr Kot verschandele Dächer und Wände, heißt es. Im vergangenen Mai wurden 28 tote Tauben in der Nähe der Discothek „Que“ in Bad Segeberg gefunden. Gift konnte nicht mehr festgestellt werden, die Tierkadaver waren damals schon zu verwest. Bad Segeberger Geschäftsleute hatten vor geraumer Zeit im Bauausschuss der Stadt vehement die „Taubenplage“ in der Innenstadt beklagt. Sie forderten sogar, Gift gegen die Vögel einzusetzen. Das lehnte die Stadt aber strikt ab, die Eigentümer müssten die Tauben an ihren Häusern vergrämen, hieß es seinerzeit Die Tiere würden teilweise gequält, mit Füßen getreten, wenn sie sich zutraulich an Menschen heranwagen, sagen Bad Segebergs Tauben-Retter. Züchter schickten ihre Brieftauben los, und Tiere, die den Weg nicht schafften, strandeten in den Städten und vermehrten sich dort. „Mit einem Taubenschlag könnten wir das Problem erheblich reduzieren“, hatte Marion Wolf schon vor Monaten angesichts der hitzigen Diskussion gesagt.

 Von Petra Dreu