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Segeberg Bewährung für brutalen Überfall
Lokales Segeberg Bewährung für brutalen Überfall
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20:10 26.06.2018
Norderstedt

Nach achteinhalbstündiger Verhandlung sagte Richterin Dr. Claudia Naumann, dass sie die Strafe nur mit Bedenken zur Bewährung aussetzen könne. Die Bewährung wurde auf drei Jahre festgelegt.

Außerdem muss der Angeklagte, der wegen Reifeverzögerungen nach Jugendstrafrecht verurteilt wurde, einen vierwöchigen Dauerarrest absitzen und dem Raubopfer die entwendeten 5800 Euro zurückzahlen.

Der Angeklagte wohnt noch bei seinen Eltern und ist nach seinem Hauptschulabschluss und einem gescheiterten Versuch, die Mittlere Reife nachzuholen, zurzeit ohne Beschäftigung. Er wirkte im Gerichtssaal wie „der nette Junge von nebenan“ – eine gepflegte Erscheinung mit Lockenkopf und Brille. Die Tat, zu der er zwei Komplizen angestiftet hatte, schockiert jedoch durch brutales Vorgehen:

Mit Sturmhauben maskiert, überfielen die beiden Komplizen des Angeklagten Anfang Juni 2017 das Opfer Helge B. in dessen Wohnung in Quickborn, bedrohten den 20-Jährigen mit einem an die Kehle gesetzten Messer und klebten ihm mit Panzertape Mund und Augen zu.

Besonders niederträchtig war die Tat insofern, als der Angeklagte, wie er vor Gericht erzählte, eigentlich mit dem Opfer befreundet war und sich am Tat-Tag zwecks Planung eines gemeinsamen Türkei-Urlaubes in dessen Wohnung aufhielt. Da hatte er bereits seine Komplizen, denen noch vor dem Landgericht Itzehoe der Prozess gemacht werden soll, mit dem Versprechen, jedem 500 Euro zu zahlen, zu dem Überfall angestiftet. Alle Männer sagten umfassend aus.

Der Angeklagte hatte, wie er berichtete, vorgegeben, einen Pizzaservice anzurufen. In Wirklichkeit rief er per Sprachnachricht seine Freunde herbei. Als das Opfer Helge B. beim Öffnen der Wohnungstür die maskierten Männer sah, drückte er zunächst die Tür wieder zu und bewaffnete sich mit einem Baseballschläger. Zum Erstaunen der Richterin kam offenbar keiner der Beteiligten auf die Idee, die Polizei zu rufen. „Ich bekam Schläge ins Gesicht und hatte keine Chance“, berichtete B. im Gericht.

Er sei dann in den Schwitzkasten genommen und auf das Sofa gedrückt worden. Der Angeklagte Rudi P. hielt sich bei den brutalen Handgreiflichkeiten im Hintergrund. Als Motiv für die Tat nannte er Rache: „Ich wollte ihm eine Lektion erteilen. Es ging mir nur darum, dass der Scheißtyp in die Fresse kriegt“. Sein Hass auf B. rühre daher, dass dieser seinem minderjährigen Bruder Drogen verkauft haben soll. Ob dies jemals gegenüber dem Opfer zur Sprache gekommen sei, wollte die Richterin wissen, was der Angeklagte verneinte. Stattdessen nutzte der die Wehrlosigkeit des gefesselten Opfers aus. Er kannte sich in der Wohnung aus, öffnete mit dem Tresorschlüssel den Tresor und verschwand mit den darin enthaltenen 5800 Euro, die er zunächst mitsamt dem Innengefäß des Tresors in einem Gebüsch versteckte.Das Geld will der Angeklagte mit Feiern verjubelt haben.

Seine Komplizen, die Playstation-Spiele und Parfum stahlen, sahen keinen Cent von dem versprochenen Lohn.

Die Richterin bezweifelte das Rachemotiv des Angeklagten, der genau gewusst habe, dass sich erhebliche Summen an Bargeld in der Wohnung seines Opfers befanden. Das Gericht wertete die Tat als schweren Raub, bei dem der Angeklagte der Ideengeber gewesen sei. „Mein Problem ist, dass Sie keinerlei Mitleid haben“, sagte die Richterin. Als negativ bewertete das Gericht auch den Umstand, dass der Angeklagte keine Reue gezeigt und sich auch nicht bei seinem Opfer entschuldigt habe.

In dieser Sache wird sich wegen Beihilfe zum Raub auch noch die 22-jährige Studentin Lina F. verantworten müssen, die die Täter zum Tatort fuhr und abholte. Laut ihrer Aussage habe sie allerdings nur gewusst, dass ein Mann „fertiggemacht“ werden solle.

MKA

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26.06.2018