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Segeberg Blick zurück ins vergangene Jahrhundert
Lokales Segeberg Blick zurück ins vergangene Jahrhundert
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22:31 17.10.2013
In der sogenannten guten Stube sitzt Museumsleiterin Gertrud Köck und blättert in der Neuen Illustrierten. Damals war Schauspieler O. W. Fischer noch der Schwarm vieler Frauen. Quelle: Fotos: Domann
Hartenholm

Was haben ein handgewebtes Nachthemd und ein Rollstuhl gemeinsam? Sie sind 100 Jahre alt und werden im Hartenholmer Heimatmuseum gezeigt. Wer diese und 400 andere Ausstellungsstücke anschauen möchte, der muss in den Keller des Feierabendwohnheims hinabsteigen. Dort befindet sich das Museum, es wurde 1996 eingeweiht. „Ich war jahrelang in der Gemeindevertretung, irgendwann habe ich zwei Mitstreiterinnen gefunden, gemeinsam haben wir uns dafür eingesetzt, alte Hartenholmer Güter zu sammeln und aufzubewahren“, schildert Gertrud Köck, Leiterin des Museums. Die drei Damen konnten den damaligen Bürgermeister Gerhard Laverentz mit ins Boot holen, und gemeinsam suchten sie nach einem Gebäude.

Gefunden wurden das kleine Gefrierhaus und das alte Feuerwehrhaus. Doch Berater vom Land rieten davon ab. So wurde gewartet und weiter gesucht. Als dann im Feierabendwohnheim von Öl auf Gas umgestellt wurde, war der Öltankraum frei. Sollte der nun ungenutzt bleiben oder das Dorfarchiv beherbergen? Vor allem alte Schriftstücke hatten die Damen gesammelt, die brauchten einen trockenen Platz. „Wir haben mit wenigen Mitteln den Raum hergerichtet, Wände gestrichen und eine neue Beleuchtung angebracht“, berichtet Gertrud Köck. Anfangs sei es schwierig gewesen, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass die alten Gegenstände für die Gemeinschaft und nicht für die drei Damen seien. Hinzu kam, dass Hartenholm ein junges und armes Dorf gewesen sei, so dass kaum wertvolle Gegenstände vererbt worden seien. „Das erste Mal wurde Hartenholm 1634 urkundlich erwähnt. Der karge Boden ermöglichte kaum Landwirtschaft“, erklärt die 75-Jährige.

Doch über die Jahre seien dem Museum immer mehr alte Dinge geschenkt worden. Und es wurden nicht nur immer mehr Gegenstände, auch das Museum selbst vergrößerte sich. Der Kellervorraum wurde in Küche und Waschraum umgewandelt. Ob Waschbrett, Wäscheschleuder oder Waffeleisen — hier ist eine Vielfalt von Küchengegenstände ausgestellt. Im Flur ist ein kleiner Ausschnitt einer Klasse zu sehen: Pult, Fibeln und alte Landkarten. Zwei Kellerverschläge gehören jetzt auch zum Museumsreich.

Eines ist als Wohnzimmer eingerichtet im Stil der 50er Jahre mit Nierentisch und Sofa. Auf dem Beistelltisch liegen diverse Frauenzeitschriften. So prangt O.W. Fischer auf der „Neuen Illustrierten“

vom 5. Oktober 1957. Im Nachbarkeller ist ein Schlafzimmer zu sehen. Spitzenkissen, Leinenlaken, Bibel und auch der obligatorische Nachttopf fehlen nicht. „Das Schlafzimmerbild ist typisch für die Zeit, diese Art Malerei hing über vielen Betten“, bemerkt Gertrud Köck und zeigt auf das Bild. Im sogenannten Handtuchformat ist eine junge Frau mit ihrem Baby spielend zu sehen. Für den Schminktisch war kein Platz in dem Verschlag, deshalb steht er im Flur.

Hatte Gertrud Köck anfangs jedes Ausstellungsstück mit einer Nummer, dem Namen des Spenders sowie des Gegenstandes auf einer Karteikarte geschrieben, so übernahm vor einigen Jahren Horst-Dieter Hartmann die Inventarisierung am Computer.

Im ehemaligen Öltankraum befindet sich ein Sammelsurium von Exponaten. Unter anderem ein alter Schlitten aus Ostpreußen, ein 100 Jahre alter Rollstuhl, die Registrierkasse aus dem ehemaligen Textilladen und ein Grammophon von 1930. „Das stand im Central-Gasthof, die Feder ist kaputt, vielleicht hat jemand noch eine“, sagt Gertrud Köck.

Zu fast jedem Gegenstand kann sie eine kleine Geschichte erzählen. Das Museum ist ihr Herzblut. „Ich mache das für meine Gemeinde und die Nachkommen, die alten Gegenstände dürfen nicht verloren gehen“, betont sie und fügt hinzu, dass sie zwei Wünsche für die Zukunft habe: ein kleines altes Haus für das Heimatmuseum und jemand, der ihre Arbeit weiterführen werde.

Eine Besichtigung des Heimatmuseums ist nach Absprache möglich.

Weitere Informationen gibt es bei Gertrud Köck unter der Telefonnummer 0 41 95/2 02.

Silvie Domann

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