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Segeberg Boostedt: Flüchtlingsunterkunft bereits komplett ausgelastet
Lokales Segeberg Boostedt: Flüchtlingsunterkunft bereits komplett ausgelastet
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21:10 04.06.2015
Landtagsabgeordnete Eka von Kalben (v.l.) ist begeistert von der Arbeit in der Flüchtlings-Erstaufnahme in Boostedt. Begleitet wurde sie von Hartmut David (Kirchengemeinde), Bürgermeister Hartmut König, Sabrina Freuling (Kirchengemeinde), Maria von Glischinski (DRK), Leiterin Katja Ralfs. Quelle: Fotos: Nam
Boostedt

Erst vor zwei Monaten wurde auf dem Boostedter Kasernengelände die Außenstelle der überfüllten Neumünsteraner Erstaufnahme für Flüchtlinge eröffnet. Die Entlastung für Neumünster sei von kurzer Dauer gewesen, sagt Leiterin Katja Ralfs beim Besuch der Vorsitzenden der Grünen- Landtagsfraktion Eka von Kalben.

„Wir sind voll ausgelastet“, so Ralfs. 350 Menschen leben in vier Kasernengebäuden. In den ersten fünf Monaten des Jahres seien 5600 Asylbewerber in Neumünster angekommen, berichtet Ralfs. Allein 1150 im Mai. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr waren es 7600. „Erfahrungsgemäß ist die zweite Jahreshälfte zugangsstärker.“

Zum 1. Oktober sollen die nächsten vier Gebäude an die Landesunterkunft übergeben werden, um dann 500 Flüchtlinge aufzunehmen. Es war eine unheimliche Zahl für die Boostedter, als die Pläne bekannt wurden. Von Kalben, flüchtlingspolitische Sprecherin ihrer Fraktion, hatte sich bereits damals über den Stand der Dinge in Boostedt erkundigt. Nun, ein dreiviertel Jahr später, erlebt sie einen deutlich entspannteren Bürgermeister. Denn von den befürchteten Problemen sei keines eingetreten, sagt Hartmut König.

Im Gegenteil. Vom ehrenamtlichen Engagement in der Gemeinde ist von Kalben begeistert. So war sie am Mittwoch beim Willkommenscafé der Kirchengemeinde. „Die Flüchtlinge werden abgeholt, man kommt schon auf dem Weg ins Gespräch.“ Ziel sei es, die Flüchtlinge nach draußen zu holen, zu beteiligen, schildert Sabrina Freuling von der Kirchengemeinde. „Im Sportverein, an der Schule, im Sozialverband — überall gibt es Menschen, die sich engagieren.“ Mindestens 100 seien es. Erst am Mittwoch waren Schüler der Elly- Heuss-Knapp-Schule in der Kaserne, um mit Flüchtlingen Bänke aus Paletten zu bauen.

An Boostedt sollten sich andere Kommunen ein Beispiel nehmen, befand von Kalben. Gerade solche, wo es um Flüchtlingsunterkünfte große Diskussionen gebe. Wie in Lübeck. Doch auch in Boostedt ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Stimmung könne jederzeit kippen, ist sich der Bürgermeister bewusst.

Da ist die Sache mit dem Handyempfang. Der ist schlecht auf dem Gelände. Und so stören sich die ersten Boostedter daran, dass es Flüchtlinge gebe, die mit ihren Smartphones durch das Dorf gehen, auf der Suche nach freien W-lan-Netzen. Internet müsse den Flüchtlingen zugänglich gemacht werden, so von Kalben. Schon um den Kontakt zur Familie im Ausland halten zu können.

Das Thema will die Politikerin mit nach Kiel nehmen. Genau wie die geforderte Unterstützung für die Ehrenamtlichen. Deren Arbeit sei gerade in einer Erstaufnahme aufreibend, schildert Hartmut David von der Kirchengemeinde. Alle paar Wochen müssten die Helfer Abschied nehmen. Und dann sollen sie noch aus der eigenen Tasche dazubezahlen?

Bei Fahrtkosten oder Bastelmaterialien? Das dürfe kein Dauerzustand sein. Auch eine Koordinierungsstelle für Ehrenamtliche wäre wünschenswert. Angesprochen ist hier auch die Gemeinde, die zwar an den Kosten der Landesunterkunft nicht beteiligt ist, aber im nächsten Jahr mit deutlich höheren Schlüsselzuweisungen vom Land rechnen kann. Denn die Flüchtlinge zählen nun auch als Boostedter.

„Ich bin beeindruckt vom ehrenamtlichen Engagement hier in Boostedt.“
Eka von Kalben, Grünen-Fraktionschefin
„Die Entlastung für Neumünster war nur von kurzer Dauer.“
Katja Ralfs, Leiterin Außenstelle Boostedt

Nadine Materne

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