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Segeberg Boostedts „Weber-Aufstand“ endet mit einem Patt
Lokales Segeberg Boostedts „Weber-Aufstand“ endet mit einem Patt
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22:19 31.03.2015
Nicht abgewählt: Marina Weber, Sprecherin der FWB-Fraktion und zweite stellvertretende Bürgermeisterin. Quelle: Fotos: Heike Hiltrop
Boostedt

Die Aufgaben eines zweiten stellvertretenden Bürgermeisters sind in der Regel überschaubar: Blümchen oder Präsentkörbe bei runden Geburtstagen oder Jubiläen überreichen, gelegentlich Termine wahrnehmen — das ist es. Umso erstaunlicher ist es, dass im 4580 Einwohner zählenden Boostedt die CDU-Fraktion so erbost über Marina Weber (Freie Wähler Boostedt, FWB) war, die Frau in diesem Amt, dass sie deren Abberufung beantragt hat. Dabei hatten die Christdemokraten selbst Marina Weber 2013 für den Posten vorgeschlagen.

Vorweg: Bei der Abstimmung am Dienstagabend während der Sitzung der Gemeindevertreter kam es zum Patt. Die CDU erreichte die nötige Zweidrittelmehrheit für ihren Antrag nicht. Die SPD-Fraktion hatte vor einigen Tagen in einer Erklärung bereits mitgeteilt, dass Marina Weber keine Pflichtverletzungen vorzuwerfen seien, die Genossen betonten jedoch, dass „jede Minute, die sich die Gemeindevertretung mit der Person Marina Weber beschäftigt, eine Minute zu viel ist. Es wird damit nur ihre Eitelkeit und ihre Gier nach Öffentlichkeit bedient“.

Es ist ein skurriler Fall, der Boostedt in den Fokus rückt: Marina Weber fühlte sich 2014 von Rechtsextremen im Internet verunglimpft, weil sie Flüchtlinge in Boostedt befürwortet. Sie glaubte, nachdem man „Schlampe“ vor ihr Haus geschmiert habe und sie im Dezember auch noch von einem Auto angefahren und verletzt worden sei, nicht mehr an Zufall. Darum hatte sie die Vorfälle dem Staatsschutz gemeldet und sich an die Öffentlichkeit gewandt. Hinter vorgehaltener Hand spricht man davon, sie habe damit der Gemeinde geschadet. Konkret wird jedoch niemand. Nun beantragten die Christdemokraten ihre Abwahl. „Weil das Vertrauen in die Person nicht mehr gegeben ist“, so CDU-Fraktionssprecher Wolfgang Brückner lapidar. „Wir haben nichts gegen die Person Weber, aber in ihrem Amt wird sie in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen, das wollen wir so nicht mehr.“ Eigentlich habe der Posten damals sowieso einem Christdemokraten zugestanden. Doch 2013 habe es die CDU, die mit Hartmut König den Bürgemeister stellt (erster Stellvertreter ist Manfred Stankat, SPD), „ganz spannend und toll gefunden“, dass sich alle Parteien aus der Gemeindevertretung wiederfinden. Das sei nun vorbei, so Brückner. Gleichzeitig verweist er jedoch mit einem Seitenhieb auf die Sozialdemokraten darauf, dass nicht die CDU, „sondern andere eine Schlammschlacht eröffnet haben“.

SPD-Fraktionssprecher Manfred Stankat: „Aber eine Abwahl ist ein scharfes Schwert, das wir nicht anwenden wollen.“ Bei der Abstimmung sprachen sich acht Gemeindevertreter (CDU) für die Absetzung und acht dagegen (SPD sechs Stimmen, FWB zwei) aus, bei einer Enthaltung aus der SPD.

„Den Umgang mit meiner Person finde ich, gelinde gesagt, daneben. Der Antrag war einfach unnütz“, fasste Marina Weber zusammen. Dass alle Fraktionen auf Stellungnahmen verzichtet hatten, ärgerte besonders die vielen Bürger, die gekommen waren. „Wir erfahren nichts. Der ,Weber-Aufstand‘ findet nicht statt. Die Gründe gehen die Öffentlichkeit offenbar nichts an“, schimpfte Jens-Peter Bey kopfschüttelnd, und ein anderer Bürger ergänzte: „Peinlich ist das.“

„Die Gründe gehen
die Öffentlichkeit offenbar
nichts an.“
Jens-Peter Bey, Bürger
Gemeinde bekommt einen neuen Internetauftritt
Spätestens Ostern soll es soweit sein, dann ist der neue Internetauftritt der Gemeinde Boostedt online. Das beschloss die Gemeindevertretung, nachdem Sven Plucas vom Amt Boostedt- Land die Seite während der Sitzung am Montagabend im „Hof Lübbe“ vorgestellt hatte.
Übersichtlich wie ein Stundenplan — so stellt sie die Gemeinde in Zukunft weltweit dar. Mit allen nötigen Informationen für Bürger, Besucher und einem gesonderten Zugang für Gemeindevertreter und Ausschussmitglieder, damit die sich zur Vorbereitung auf ihre ehrenamtlichen Aufgaben wichtige Informationen aus dem Netz holen können. Das Erscheinungsbild sei im Amt einheitlich, so Plucas weiter.
Wer also heute schon einmal vergleichen möchte, kann sich auf der Amtsseite (www.amt-boostedt-rickling.de) ein Bild machen. Lediglich die Farbgestaltung ist anders.
Boostedt geht es offenbar gut. Die Jahresrechnung 2014, die eine Rücklagenzuführung von 1,2 Millionen Euro beinhaltet, wurde einstimmig beschlossen. Und das bei außerplanmäßigen Ausgaben im vorangegangenen Haushaltsjahr von 351000 Euro.
Mit großer Mehrheit (bei zwei Gegenstimmen) sprachen sich die Gemeindevertreter für einen jährlichen Investitionskostenzuschuss für alle Fraktionen zur Beschaffung von IT-Technik aus. Damit bekommen Gemeindevertreter in Zukunft auf Antrag 100 Euro jährlich zu einem Smartphone oder Tablet-PC dazu.
Grund zu Freude dürfte bei den Nutzern der Gemeindebücherei herrschen, denn die tritt der „Onleihe zwischen den Meeren“ bei, ohne zumindest für ein Jahr die Gebühren anzuheben. hil

Heike Hiltrop

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